Adyen-Aktie -13%: Will denn keiner mehr Zahlungsdienstleister?
Dynamisches Umsatzwachstum
Auslöser des Abverkaufs der Adyen-Aktie war die Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal 2026. Auf den ersten Blick gibt es daran wenig zu meckern.
Adyen steigerte seinen Umsatz um 23% im Jahresvergleich auf 738 Millionen € Währungsbereinigt lag das Umsatzwachstum bei 22%, organisch (ohne die Zukäufe von Talon.One und Orb) bei 20%. Damit liegt der Zahlungsdienstleister im Rahmen seiner Guidance in Sachen Umsatzwachstum für das Gesamtjahr.
Das von Adyen abgewickelte Zahlungsvolumen stieg in den letzten drei Monate um 30% auf 451 Milliarden €. Dieser deutlich über dem Umsatzwachstum liegende Wert lässt den Rückschluss zu, dass die Preise von Adyen unter Druck stehen.
Das stimmt in gewisser Weise auch. Im letzten Quartal war ein Großteil des Wachstums einem Großkunden zuzuschreiben, der jedoch eine deutlich niedrigere Marge besitzt. Das ist bei Zahlungsdienstleistern kein ungewöhnlicher Vorgang. Großkunden bekommen auch hier bessere Konditionen.
Besonders stark entwickelte sich zuletzt der Bereich Platforms. Das Volumen legte hier um satte 55% zu. Inzwischen wickeln 46 Plattformkunden Zahlungsvolumina von über 1 Milliarden € pro Jahr über Adyen ab. Vor einem Jahr waren es lediglich 31 Kunden. Zudem erhöhte sich die Zahl der aktiven Geschäftskunden um fast die Hälfte auf rund 310.000.
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Aber die Marge zieht nicht mit
Der Grund für den zweistelligen Kursverlust der Adyen-Aktie liegt hingegen in der Marge. Bislang ging der Zahlungsdienstleister von einer operativen Marge in Höhe von 52% aus. Dieses Ziel wurde nun auf 50% reduziert.
Auch das mittelfristige EBITDA-Margenziel von über 55% bis 2028 fiel dem Rotstift zum Opfer. Das Adyen-Management möchte sich mehr Flexibilität bei der Geschäftsentwicklung bewahren und wird vorerst überhaupt kein Mittelfristziel mehr ausgeben. Optimismus klingt für mich anders.
Zudem dürfte die Börse irritiert haben, dass Adyen massiv in Personal investiert. Allein in diesem Jahr sollen über 1.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, um das Unternehmen vor allem bei den Abrechnungsdienste für KI, Kundenbindungsprogramme und die Integration der übernommenen Unternehmen Talon.One und Orb voranzubringen.
Das könnte langfristig zusätzliche Umsatzquellen schaffen. Kurzfristig steigen jedoch die Kosten, und es ist noch nicht klar, wie schnell sich die zusätzlichen Investitionen auszahlen.
Charttechnisch brenzlig
Charttechnisch wird es für die Adyen-Aktie durch den heutigen Kurssturz brenzlig. Sie notiert nur noch knapp 4% über dem 12-Monatstief bei ca. 790 €. Ein Durchbruch wäre fatal, da der nächste Support erst bei unter 700 € liegt.
Wenig Downside, aber auch kein Upside
Ich halte die Adyen-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau für fair bewertet. Das Forward-KGV von 20 entspricht in etwa dem Umsatzwachstum. Bei der Marge scheint der Zahlungsabwickler hingegen derzeit kaum Potenzial zu haben.
Die Adyen-Aktie ist immer noch eine interessante Wachstumsgeschichte, aber dieses Wachstum ist bereits vollständig in den Kurs eingepreist. Angesichts des knallharten Wettbewerbs auf dem Markt für Zahlungsdiensleistungen sehe ich auch keine Möglichkeiten für ein nachhaltiges Margenwachstum.
In meiner letzten Analyse Mitte August habe ich Anlegern davon abgeraten, in die Adyen-Aktie zu investieren. Seitdem hat der Kurs um mehr als -20% nachgegeben.
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ℹ️ Adyen in Kürze
- Adyen (WKN: A2JNF4) ist ein niederländischer Dienstleister auf dem Gebiet der Zahlungsabwicklung.
- Mit der Software von Adyen können Unternehmen Zahlungen sowohl im stationären als auch im Online-Handel abwickeln.
- Zu den Kunden des Zahlungsdienstleisters zählen renommierte Konzerne wie Booking.com, H&M, Netflix und Uber.
- Das in Amsterdam ansässige Unternehmen ist Mitglied im europäisichen Leitindex EuroStoxx 50. An der Börse ist Adyen aktuell mit rund 26 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Ich bleibe bei meiner skeptischen Einschätzung der Adyen-Aktie. Das Downside dürfte angesichts der fairen Bewertung recht begrenzt sein. Aber auch ein nennenswertes Upside sehe ich momentan nicht am Horizont.
Adyen ist im Vergleich zu PayPal sicherlich die wesentlich spannendere Wachstumsgeschichte. Aber auch PayPal war mal eine tolle Growth Story. Was aus ihr geworden ist, wissen wir alle.