Adobe-Aktie fällt: Sind 25 Millionen US$ wirklich das Problem?
Das Quartal war keineswegs schwach
Der Umsatz stieg um +13% auf den Rekordwert von 6,76 Milliarden US$ und übertraf die Markterwartung von 6,70 Milliarden US$. Die Abonnementerlöse verbesserten sich um +14% auf 6,56 Milliarden US$. Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit Unternehmenskunden, Verbrauchern und Selbstständigen, das um +16% auf 1,91 Milliarden US$ wuchs.
Das bereinigte Ergebnis je Aktie erhöhte sich von 5,31 auf 6,13 US$ und lag damit ebenfalls über den Erwartungen. Der operative Cashflow erreichte mit 2,52 Milliarden US$ einen neuen Quartalsrekord. Adobe wandelt somit weiterhin mehr als ein Drittel seines Umsatzes in operativen Mittelzufluss um.
Ganz makellos ist die Entwicklung dennoch nicht. Der ausgewiesene Nettogewinn stieg lediglich um +3% auf 1,83 Milliarden US$, während die Forschungs- und Entwicklungskosten um +18% auf 1,29 Milliarden US$ zunahmen. Dass das Ergebnis je Aktie deutlich stärker wuchs, lag auch an den Rückkäufen: Adobe erwarb im Quartal 9,5 Millionen eigene Aktien für 2,23 Milliarden US$. Die verwässerte Aktienzahl sank gegenüber dem Vorjahr um fast 7%.
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Die KI-Umsätze wachsen – sind aber noch klein
Adobe meldet beim sogenannten AI-first ARR ein Wachstum von mehr als +150% auf über 650 Millionen US$. Die annualisierten Erlöse von Firefly-Apps und zusätzlich gekauften Firefly-Credits legten allein gegenüber dem Vorquartal um +40% zu.
Auch die Nutzerzahlen entwickeln sich vielversprechend. Adobe erreicht inzwischen mehr als eine Milliarde monatlich aktive Nutzer. Über 100 Millionen davon verwenden die kostenlosen Kreativangebote – ein Plus von mehr als +70%. Die Nutzung des Acrobat AI Assistant verdoppelte sich innerhalb eines Quartals.
Allerdings entsprechen die unmittelbar mit KI-Produkten erzielten annualisierten Erlöse bislang weniger als 3% des gesamten ARR von 27,5 Milliarden US$. Gleichzeitig verlangsamte sich dessen Wachstum von +12,5% im Vorquartal auf +11,2%. Der noch nicht realisierte Auftragsbestand sank gegenüber dem zweiten Quartal sogar leicht von 22,27 auf 22,16 Milliarden US$.
Die Freemium-Strategie vergrößert damit zwar die Reichweite, muss aber erst beweisen, dass sich genügend kostenlose Nutzer in zahlende Kunden umwandeln lassen.
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Der Ausblick ist keine Gewinnwarnung
Für das vierte Quartal erwartet Adobe Erlöse zwischen 6,80 und 6,85 Milliarden US$. Der Mittelwert von 6,825 Milliarden US$ verfehlt den Konsens von 6,85 Milliarden US$ um lediglich 0,4%. Gleichzeitig stellt das Management ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 6,30 bis 6,35 US$ in Aussicht.
Für das Gesamtjahr wurde die Prognose sogar leicht angehoben. Adobe rechnet nun mit 26,576 bis 26,626 Milliarden US$ Umsatz, einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 24,45 bis 24,50 US$ und einer hohen bereinigten operativen Marge von rund 45%.
Unsicherheit schafft eher der Führungswechsel. Anil Chakravarthy übernimmt im Dezember den Vorstandsvorsitz von Shantanu Narayen. Gleichzeitig besitzt Adobe derzeit nur einen Interims-Finanzchef, während Kreativchef David Wadhwani das Unternehmen verlässt.
ℹ️ Adobe in Kürze
- Adobe (WKN: 871981) mit Sitz im kalifornischen San José einer der weltweit wichtigsten und bekanntesten Software-Konzerne.
- Das Unternehmen ist Marktführer bei Software für die Erstellung und Veröffentlichung eines breiten Spektrums von Inhalten, darunter Grafik, Fotografie, Illustration, Animation, Multimedia, Video und Druck.
- Zu den wichtigsten Produkten von Adobe gehören die Bildbearbeitungssoftware Adobe Photoshop, die Illustrationssoftware Adobe Illustrator sowie die Dokumenten-Managementsoftware Adobe Acrobat Reader.
- Adobe ist Mitglied in den US-Leitindizes S&P 500 und Nasdaq 100 und an der Börse aktuell ca. 98,9 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Der Kursrückgang wegen einer Prognoseverfehlung von nur 25 Millionen US$ wirkt überzogen. Adobe bleibt hochprofitabel und zeigt erstmals greifbares Wachstum mit KI-Produkten. Noch ist das KI-Geschäft jedoch zu klein, um die nachlassende Dynamik beim gesamten Auftragsbestand auszugleichen. Die Aktie ist für mich deshalb eine interessante Turnaround-Chance – aber noch kein risikoloser Kauf.