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Rheinmetall-Aktie: Macht der Lithium-Einstieg sie jetzt attraktiv?

Neues Geschäftsfeld Lithium

Die Rheinmetall-Aktie kommt nach einem schwachen Jahr nur langsam voran. Am Montag stieg sie um 1,49% auf 1.034,20 €. Am heutigen Dienstag gab sie bis zum Mittag um 1,45% auf 1.019,20 € nach. Gesprochen wird derzeit über ein Thema abseits von Panzern und Munition: Der Düsseldorfer Konzern soll sich beim Lithiumentwickler Rock Tech Lithium eingekauft haben und eine Beteiligung am geplanten Werk in Guben prüfen. Offiziell bestätigt ist beides nicht. Damit stellt sich die Frage: Was bedeutet ein möglicher Einstieg ins Lithiumgeschäft für die Aktionäre?

Einstieg über Kapitalerhöhung

Rock Tech Lithium hatte am 9. Oktober eine Kapitalerhöhung über rund 6 Millionen CA$ angekündigt. Dafür wurden 9,22 Millionen neue Einheiten zu je 0,65 CA$ ausgegeben. Den größten Anteil von 3,25 Millionen CA$ zeichnete ein Investor, dessen Name zunächst nicht genannt wurde. Berichten zufolge handelt es sich um Rheinmetall. Der Konzern äußert sich dazu nicht und erklärt, Gerüchte über mögliche Transaktionen grundsätzlich nicht zu kommentieren.

Weiter ginge eine direkte Beteiligung an der Konverteranlage im brandenburgischen Guben, die Rheinmetall erwägen soll. Für das Werk wird ein Investitionsvolumen von 596 Millionen CA$ angegeben. Ab 2027 soll dort Lithiumhydroxid in Batteriequalität hergestellt werden. Die EU-Kommission hat das vollständig genehmigte Vorhaben als strategisch bedeutsam eingestuft. Eine verbindliche Vereinbarung über einen Einstieg auf Projektebene gibt es bislang nicht.

Lithium für Drohnen

Lithium wird für Batterien in Elektroautos und Energiespeichern gebraucht, aber auch für Drohnen und andere militärische Anwendungen. Aus meiner Sicht dürfte es Rheinmetall deshalb vor allem um Zugriff auf eine kritische europäische Lieferkette gehen. Das kann sich mittelfristig als Wettbewerbsvorteil erweisen, falls die Versorgung mit Batterierohstoffen knapp wird. Finanziell fällt die Beteiligung an Rock Tech kaum ins Gewicht: 3,25 Millionen CA$ stehen einem Börsenwert von rund 49 Milliarden € gegenüber.

Anders sähe es bei einem Einstieg ins Werk aus. Eine Anlage, die frühestens 2027 produzieren soll, bindet Kapital lange bevor sie Erträge abwirft. Für Umsatz und Gewinn der kommenden Quartale spielt die Lithiumfrage daher keine Rolle.

Das Kerngeschäft belastet

Für die Aktie zählt weiterhin das Rüstungsgeschäft, und dort hat 2026 enttäuscht. Anfang Oktober lag das Papier seit Jahresbeginn mehr als 40% im Minus. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 902,50 €. Trotz voller Auftragsbücher hat Rheinmetall seine Umsatzprognose gesenkt. Die Aktie zeigt damit, wie empfindlich sie auf Verzögerungen reagiert.

Die Analysten haben darauf reagiert. Berenberg stufte die Aktie am 9. Oktober von Buy auf Hold ab und senkte das Kursziel von 1.600 € auf 1.020 €. Die Bank hat 417 Aufträge ausgewertet und sieht nach 2030 eine Lücke, die erst noch geschlossen werden muss. Die UBS bleibt bei Buy, hat ihr Kursziel am 20. Oktober aber von 1.600 € auf 1.360 € gesenkt. Bernstein Research bestätigte am 19. Oktober die Einstufung Outperform mit einem Kursziel von 1.200 €.

Kein Schnäppchen trotz Kursrutsch

Analysten erwarten für 2026 im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 37,33 € und für 2027 von 53,85 €. Beim Kurs von 1.019,20 € ergibt sich daraus ein KGV von rund 27 für 2026 und von rund 19 für 2027. Damit preist der Markt einen kräftigen Gewinnanstieg bereits ein. Günstig ist die Aktie nach dem Rückgang aus meiner Sicht deshalb nicht.

Fazit

Den möglichen Einstieg bei Rock Tech Lithium halte ich strategisch für sinnvoll, für die Aktie ist er aber kein Kurstreiber. Solange Rheinmetall die Beteiligung nicht bestätigt und keine Zahlen zum Engagement in Guben nennt, bleibt das Thema für mich eine Randnotiz. Entscheidend wird nun sein, ob der Konzern im Kerngeschäft wieder verlässlich liefert und die gesenkte Prognose nicht weiter unter Druck gerät. Gelingt der erwartete Gewinnsprung 2027 ohne weitere Verzögerungen, könnte die aktuelle Bewertung Neueinsteigern eine Chance bieten. Das Risiko ist, dass neue Verzögerungen diese Gewinnschätzungen nach hinten verschieben.

Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten, weil die Nachfrage nach Verteidigungsgütern in Europa intakt ist. Wer neu einsteigen möchte, könnte die Entwicklung zunächst von der Seitenlinie aus beobachten. Ein Kauf könnte für mich erst interessant werden, wenn Rheinmetall bei Umsatz und Auftragsabarbeitung wieder überzeugt.

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