Die Infineon-Aktie hat sich am Montag kräftig erholt. Mit einem Plus von rund +4% stieg das Papier zeitweise bis auf 50,92 € und notierte zuletzt bei 50,81 €. Damit liegt es wieder über der Marke von 50 €. Am Freitag hatte die Aktie noch 2,7% verloren. In den Tagen davor hatte Infineon die Zusammenarbeit mit NVIDIA ausgebaut und ein Förderprogramm mit Microsoft und NVIDIA gestartet. Mitte Oktober kam ein erweiterter Liefervertrag für Wafer mit Wolfspeed hinzu. Die entscheidende Frage lautet: Stärkt das Infineons Stellung in KI-Rechenzentren genug, damit die Zahlen am 10. November die Erholung tragen?
Die Branche gibt den Takt
Den Schub vom Montag brachten vor allem kräftige Kursgewinne bei US-Chipwerten und eine bessere Stimmung im gesamten Halbleitersektor. Zusätzlichen Rückenwind gab die neue Halbleiterpartnerschaft zwischen Volkswagen und NXP. Auch der Rückschlag vom Freitag hatte Gründe in der ganzen Branche. Nach dem Quartalsbericht von Meta kamen erneut Zweifel auf, ob sich die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz rechnen. Die Infineon-Aktie bewegt sich derzeit also stärker mit dem Sektor als mit den eigenen Meldungen.
Galliumnitrid für NVIDIA
Infineon hat am Mittwoch angekündigt, die Zusammenarbeit mit NVIDIA bei der Stromversorgung von KI-Rechenzentren zu vertiefen. Zum Einsatz kommen sollen Wandler auf Basis von Galliumnitrid für Systeme mit 800 Volt Gleichstrom. Im Mittelpunkt steht der Hochvolt-Zwischenkreiswandler. Wer bei der nächsten Generation von NVIDIA-Rechenzentren fest in der Technik verankert ist, hat aus meiner Sicht eine gute Ausgangslage für spätere Serienaufträge.
Die Meldung passt zu einer klaren Strategie. Bereits am 12. Oktober hat Infineon den Hot-Swap-Controller XDP8HD40S-1 für KI-Server mit 800 Volt Gleichstrom vorgestellt. Erste Muster sollen im zweiten Quartal 2027 an Kunden gehen. Anfang Oktober hat der Konzern außerdem die Übernahme von C2i Semiconductors abgeschlossen. Die Firma ist auf Mehrphasen-Controller und intelligente Leistungsstufen spezialisiert. Das Physical AI Growth Lab mit Microsoft, NVIDIA und UnternehmerTUM ist dagegen langfristig angelegt. Von Januar bis April 2027 sollen 10 bis 15 europäische Start-ups aus Robotik und industrieller KI gefördert werden, ohne dafür Anteile abgeben zu müssen. Für Infineon geht es dabei um einen frühen Zugang zu möglichen Hardwarekunden.
Wolfspeed sichert 200-mm-Wafer
Am 15. Oktober haben Infineon und Wolfspeed ihren Liefervertrag für Siliziumkarbid-Wafer erweitert und verlängert. Die mehrjährige Vereinbarung umfasst jetzt auch Wafer mit 200 Millimetern Durchmesser, bisher ging es um 150 Millimeter. So sichert Infineon den Nachschub für die Umstellung der Siliziumkarbid-Fertigung auf das größere Format und hat mehr als eine Bezugsquelle. Das bringt vor allem Planungssicherheit für die kommenden Jahre.
Gewinnsprung ist eingeplant
Für das am 30. September 2026 beendete Geschäftsjahr erwarten Analysten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 1,76 €. Beim aktuellen Kurs entspricht das einem KGV von knapp 29. Für das Geschäftsjahr 2027 liegt die durchschnittliche Schätzung bei 2,84 €. Daraus ergibt sich ein KGV von rund 18. Bei einem erwarteten Gewinnplus von gut 60% halte ich die Aktie für fair bewertet. Das gilt aber nur, solange der Aufschwung in der Chipbranche anhält.
Die meisten Analysten bleiben optimistisch. Susquehanna hat das Kursziel zwar von 100 € auf 85 € gesenkt, die positive Einstufung aber beibehalten. Jefferies hat Ende September die Kaufempfehlung mit einem Ziel von 96 € bestätigt. Berenberg sieht die Aktie bei 100 €. Im Durchschnitt liegen 26 Kursziele bei rund 87 €.
Der Ausblick zählt
Für das vierte Geschäftsquartal erwarten Analysten im Schnitt einen Umsatz von rund 4,7 Milliarden €. Im Vorjahresquartal waren es 3,94 Milliarden €. Beim Gewinn je Aktie rechnen sie mit 0,63 €. Wichtiger dürfte der erste Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027 sein. Jefferies-Analyst Janardan Menon rechnet mit wenigen Überraschungen und einem positiven Grundton.
Fazit
Für mich baut Infineon sein Geschäft mit der Stromversorgung von KI-Rechenzentren gezielt aus. Die NVIDIA-Kooperation, der Kauf von C2i und der Vertrag mit Wolfspeed passen gut zusammen. Das größere Risiko sehe ich außerhalb des Unternehmens. Die Kurssprünge der letzten Tage zeigen, wie schnell Zweifel an den KI-Budgets der großen Cloud-Konzerne auf die Aktie durchschlagen. Am 10. November muss Infineon mit dem Ausblick den erwarteten Gewinnsprung für 2027 bestätigen.
Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten. Die Bewertung auf Basis der Schätzungen für 2027 ließe bei bestätigter Prognose weiteren Spielraum nach oben. Wer neu einsteigen möchte, könnte die Zahlen abwarten. Fällt der Ausblick so solide aus, wie Jefferies erwartet, könnte ein Einstieg auch auf dem aktuellen Niveau noch interessant sein. Bleibt er hinter den Schätzungen zurück, dürfte die Aktie bei der nervösen Stimmung in der Branche erneut unter Druck geraten.
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