Commerzbank-Aktie: 16. November – sind dann 46 € drin?

Kartellrechtliche Genehmigung
Vincent Uhr
Im Übernahmepoker um die Commerzbank rückt der 16. November in den Mittelpunkt. Bis dahin will die EU-Kommission über UniCredits Antrag auf kartellrechtliche Genehmigung entscheiden. Die Commerzbank-Aktie notiert bei rund 38,20 € – die DZ Bank sieht sie bei 46 €. Doch selbst grünes Licht aus Brüssel wäre noch keine Garantie für eine schnelle Übernahmeprämie.

Brüssel prüft nicht den Kaufpreis

Die EU-Kommission kann das Vorhaben ohne Auflagen genehmigen, Zugeständnisse verlangen oder eine vertiefte Prüfung einleiten. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob durch eine Kombination der Commerzbank mit UniCredits deutscher Tochter HypoVereinsbank der Wettbewerb beeinträchtigt würde.

Eine Freigabe wäre für UniCredit ein wichtiger Etappensieg. Sie würde jedoch weder ein konkretes Übernahmeangebot noch einen bestimmten Preis erzwingen. Auch der Widerstand der Bundesregierung wäre damit nicht beendet. Der Bund hält weiterhin 13,3% der Commerzbank und lehnt eine feindliche Übernahme bislang ab.

Zusätzlich benötigt UniCredit die Zustimmung der Europäischen Zentralbank. Diese tendiert Medienberichten zufolge ebenfalls zu einer Genehmigung. Die Italiener haben sich bereits Zugriff auf annähernd die Hälfte des Commerzbank-Kapitals gesichert. Der strategische Druck bleibt damit unabhängig von der Position Berlins bestehen.

Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.

Das operative Geschäft liefert

Für Aktionäre ist wichtig, dass die Commerzbank nicht allein von Übernahmefantasie lebt. Im ersten Halbjahr stieg das operative Ergebnis um 14% auf 2,73 Milliarden €. Der Nettogewinn sprang sogar um 40% auf den Rekordwert von 1,81 Milliarden €.

Die Erträge erhöhten sich um 7% auf 6,5 Milliarden €. Besonders positiv ist, dass der Zinsüberschuss trotz niedrigerer Leitzinsen mit 4,1 Milliarden € nahezu stabil blieb. Gleichzeitig wuchsen die Provisionserträge um 8% auf 2,2 Milliarden €. Die Abhängigkeit von hohen Zinsen nimmt damit zumindest etwas ab.

Auch die Effizienz verbessert sich. Die Kosten-Ertrags-Quote sank einschließlich der Pflichtabgaben auf 53%. Die Quote problematischer Kredite blieb mit 1,1% niedrig, während die harte Kernkapitalquote von 14,4% ausreichend Spielraum für Ausschüttungen bietet.

Für das Gesamtjahr erwartet das Management weiterhin einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden € und eine Eigenkapitalrendite von rund 12%.

Fast 8% fließen an die Aktionäre zurück

Die Commerzbank will für 2026 rund 3,2 Milliarden € an ihre Anteilseigner zurückgeben. Gemessen am aktuellen Börsenwert von etwa 40,7 Milliarden € entspricht das einer Kapitalrückführungsrendite von knapp 8%.

Mindestens die Hälfte soll als Dividende ausgeschüttet werden. Rein rechnerisch käme der Dividendenanteil damit auf mindestens 1,6 Milliarden € beziehungsweise knapp 4% des Börsenwerts. Zusätzlich läuft seit Anfang September ein Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden €.

Allerdings besitzt der Rückkauf eine ungewöhnliche Nebenwirkung: Verkauft UniCredit keine Aktien, steigt sein prozentualer Anteil automatisch. Die Kapitalrückgabe stärkt daher nicht nur den Gewinn je Aktie, sondern indirekt auch die Position des Großaktionärs.

Lust auf Dividendenaktien? Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

Commerzbank-Aktie: Die Analysten bleiben gespalten

Die DZ Bank nennt ein Kursziel von 46 € und unterstellt dabei eine vollständige Übernahme durch UniCredit. Gegenüber 38,20 € ergibt sich ein Potenzial von gut 20%. Andere Häuser sind zurückhaltender: Ziele um 42 bis 43 € versprechen nur noch einen moderaten Aufschlag, während JPMorgan mit 38 € praktisch keinen Spielraum sieht.

Die Differenz erklärt sich vor allem durch die Übernahmeannahmen. Ohne Prämie dürfte die starke Ergebnisentwicklung die Aktie stützen. Für 46 € braucht es jedoch entweder ein attraktives Angebot oder weitere deutliche Ergebnissteigerungen.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 40,8 Milliarden € bewertet.

Commerzbank kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über Commerzbank und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

Commerzbank weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Vincent Uhr

Fazit

Die Entscheidung aus Brüssel kann die nächste Übernahmehürde beseitigen, löst den Knoten aber noch nicht vollständig. Fundamental überzeugen Gewinnwachstum, Bilanz und die hohe Kapitalrückgabe. Bestehende Aktionäre können die Commerzbank-Aktie daher halten – das Kursziel von 46 € halte ich für erreichbar, aber nicht für garantiert.