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Commerzbank-Aktie: 10 Sitze – so greift UniCredit nach der Kontrolle!

Mögliche Übernahme im Blick
Vincent Uhr
UniCredit muss den verbliebenen Commerzbank-Aktionären möglicherweise kein höheres Angebot machen, um erheblich mehr Macht über Deutschlands zweitgrößte Privatbank zu gewinnen. Nach der ausstehenden EZB-Genehmigung könnte CEO Andrea Orcel bereits Anfang 2027 eine außerordentliche Hauptversammlung verlangen und den Aufsichtsrat neu besetzen lassen. Damit verlagert sich der Übernahmepoker vom Kaufpreis auf die Kontrolle über die Führung.

Der Aufsichtsrat wird zum Schlachtfeld

Der Aufsichtsrat der Commerzbank besteht aus 20 Mitgliedern. Zehn werden von den Anteilseignern gewählt, zehn vertreten die Arbeitnehmer. Genau bei den zehn Kapitaleignervertretern könnte UniCredit ansetzen.

Nach Abschluss des Übernahmeangebots kontrollieren die Italiener 47,59% des Commerzbank-Kapitals. Aufgrund der üblicherweise deutlich niedrigeren Präsenz auf Hauptversammlungen dürfte dieser Anteil ausreichen, um die Abstimmungen der Anteilseigner zu dominieren. Nach Informationen der „Financial Times“ könnte UniCredit versuchen, sämtliche zehn Vertreter auszutauschen. Als frühester Termin gilt Januar, realistischer erscheint Februar 2027. Andernfalls würde die reguläre Hauptversammlung im Mai in den Mittelpunkt rücken.

Ob UniCredit tatsächlich alle benötigten Mehrheiten erreicht, hängt von der Teilnahme anderer Großaktionäre und den jeweiligen Beschlüssen ab. Der Bund hält weiterhin rund 13,3%. Allein kann Berlin den italienischen Großaktionär damit jedoch nicht aufhalten.

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Orlopp könnte zum ersten Opfer werden

Besonders brisant: UniCredit drängt Medienberichten zufolge auf einen schnellen Abgang von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Der neu besetzte Aufsichtsrat könnte anschließend eine Führung installieren, die einer engeren Zusammenarbeit oder späteren Integration offener gegenübersteht.

Damit würde Orcel erheblichen Einfluss auf Strategie, Vorstandsposten und Kapitalverwendung gewinnen. Für die Commerzbank wäre das ein Machtwechsel, obwohl zunächst weder eine vollständige Fusion noch ein Beherrschungsvertrag notwendig wäre.

Der Bund fordert im Gegenzug offenbar Garantien für den Standort Frankfurt, die Börsennotierung und die Finanzierung des deutschen Mittelstands. Zudem soll Deutschland zwei Sitze im Aufsichtsrat erhalten. UniCredit will sich seinen unternehmerischen Spielraum allerdings nicht durch umfangreiche politische Zusagen nehmen lassen.

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Kontrolle ohne neue Prämie

Für Aktionäre besitzt diese Entwicklung einen Haken. Viele Anleger spekulieren darauf, dass UniCredit die restlichen Aktien irgendwann mit einem deutlichen Aufschlag erwerben muss. Die mögliche Neuordnung des Aufsichtsrats zeigt jedoch, dass Orcel bereits vorher operative Kontrolle erlangen könnte.

Eine weitere Übernahmeprämie ist deshalb keineswegs garantiert. Umgekehrt könnte eine bloße Minderheitskontrolle für UniCredit teuer und unbefriedigend werden. Sollte die EZB die Beteiligung bereits als faktische Kontrolle einstufen, müsste UniCredit möglicherweise die Commerzbank in der Bilanz konsolidieren. Reuters zufolge könnte dies erhebliches zusätzliches Kapital binden.

Dann würde der Druck steigen, konsequent weiterzugehen und durch eine vollständige Integration auch die erhofften Kostensynergien zu heben. Der Griff nach dem Aufsichtsrat könnte somit entweder das Ziel oder nur die nächste Zwischenstufe der Übernahme sein.

Bei zuletzt 38,68 € liegt die Commerzbank-Aktie bereits nahe am durchschnittlichen Analystenziel von rund 41 €. Ein erheblicher Teil der Übernahmefantasie dürfte damit eingepreist sein.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 41,0 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Der Übernahmepoker geht in eine neue Phase: Nicht ein höheres Angebot, sondern die Besetzung des Aufsichtsrats wird zum nächsten Kurstreiber. Die Aktie bleibt wegen der starken operativen Entwicklung und einer möglichen späteren Komplettübernahme interessant. Auf eine sichere zusätzliche Prämie würde ich bei knapp 40 € allerdings nicht mehr wetten – bestehende Positionen können gehalten werden.