Twilio-Aktie -8%: Ist die Kursrallye jetzt vorbei?
Ein Tag zum Feiern
Eigentlich hätte der Dienstag ein Tag zum Feiern für Twilio sein müssen. Die Aktie des Communications-Platform-as-a-Service-Anbieters wurde in den US-Leitindex S&P 500 aufgenommen und ersetzte dort den Medienkonzern Warner Bros. Discovery.
Für das Software-Unternehmen bringt diese Listung gleich zwei Vorteile am Kapitalmarkt. Zum eine eine gesteigerte Sichtbarkeit bei Anlegern. Viele Investoren legen ihr Geld ausschließlich in Unternehmen aus dem S&P 500 an.
Zum anderen eine verstärkte institutionelle Nachfrage. Der S&P 500 ist der am häufigsten von ETFs und Investmentfonds nachgebildete Aktienindex der Welt. Fonds, die in diesem Index nachbilden, müssen demnach ab sofort auch die Aktien von Twilio in ihre Portfolios aufnehmen.
Unterschiedliche Sichtweisen
Möglicherweise leidet die Twilio-Aktie auch noch unter den Nachwehen eines neuen Analystenvotums. Die britische Großbank HSBC stufte den Software-Titel vor wenigen Tagen von „Halten“ auf „Verkaufen“ ab und reduzierte das Kursziel auf 211 US$. Sie sieht damit ein massives Downside von -25% für die Aktie.
Kernargument der HSBC für die Verkaufsempfehlung ist die negative Sichtweise der Bank auf die Auswirkungen des neuen KI-Agenten Muse von Meta Platforms. Ihre Analysten gehen davon aus, dass die hochwertigen Interaktionen von Metas eigene KI-Sprachinfrastruktur übernommen werden. Twilio dürfte hingegen nur das standardisierte Nachrichten- und Telefonieaufkommen abbekommen, was sich negativ bei den Margen bemerkbar machen dürfte.
Diese Einschätzung von HSBC teilen übrigens nicht alle Banken. Die Investmentbank Morgan Stanley kam erst kürzlich zu einer gegenteiligen Analyse. Sie glaubt, dass Twilio eines der am besten positionierten Unternehmen sei, um von der durch Muse ausgelösten „Kommunikationslawine“ zu profitieren. Auch die Investmentbank Stifel ist der Meinung, dass Twilio einer genereller Profiteur des durch KI-Agenten verursachten Anstiegs des Kommunikationsvolumens sein wird.
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Ist das die Trendwende?
Der gestrige Tag könnte eine charttechnische Wende gewesen sein. Zum dritten Mal in Folge schaffte es die Twilio-Aktie nicht, die Kursmarke von 300 US$ nachhaltig zu knacken.
Der Abverkauf der Aktie könnte ein Vorbote einer bevorstehenden größeren Kurskorrektur sein. Charttechnisch ist Vorsicht geboten.
Zu viel heiße Luft
Analysten sehen derzeit kein weiteres Upside für die Twilio-Aktie. Die höchsten Kursziele liegen mit 300 US$ nur noch minimal über dem aktuellen Kurs.
Auch ich sehe derzeit kein weiteres Potenzial in der Twilio-Aktie und das hat mit der sehr ambitionierten Bewertung des Software-Unternehmens zu tun. Im Zuge der massiven Kursrallye der letzten Jahre ist das Foward-KGV der Aktie auf fast 45 gestiegen.
Das ist mir trotz der positiven Geschäftsentwicklung etwas zu viel des Guten. Im laufenden Jahr dürfte Twilio mit knapp 20% wachsen. 2027 wird sich das Umsatzwachstum voraussichtlich auf etwas über 10% abschwächen. Für ein Unternehmen mit einer operativen Margen im einstelligen Bereich ist mir dieses Wachstum viel zu schwach, um eine so hohe Bewertung zu rechtfertigen.
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ℹ️ Twilio in Kürze
- Twilio (WKN: A2ALP4) ist ein 2008 gegründetes Software-Unternehmen mit Sitz in San Francisco.
- Das Unternehmen ist ein führender Anbieter von Cloud-Kommunikations-APIs und gehört zur Kategorie der sogenannten CPaaS-Plattformen (Communications Platform as a Service).
- Twilio stellt Entwicklern programmierbare Schnittstellen (APIs) zur Verfügung, mit denen Unternehmen Kommunikationsfunktionen wie SMS, Sprachanrufe, Video-Chats, E-Mails und WhatsApp-Nachrichten nahtlos in ihre eigenen Software-Anwendungen einbinden können.
- Neben der reinen Kommunikations-Plattform hat sich Twilio zu einer umfassenden Customer-Engagement-Plattform entwickelt. Dazu gehören Tools zur Analyse von Kundendaten, programmierbare Contact-Center-Lösunge sowie KI-Agenten-Funktionen.
- Twilio ist Mitglied im S&P 500-Index und ca. 42 Milliarden US$ wert..
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Fazit
Twilio ist in meinen Augen zweifellos ein großer Profiteur des zunehmenden Kommunikationsvolumens zwischen KI-Agenten. Wie stark der CPaaS-Plattformanbieter von dieser Entwicklung allerdings in den kommenden Jahren tatsächlich profitieren wird, lässt sich noch kaum beziffern.
Vor diesem Hintergrund enthält mir die aktuelle Bewertung der Twilio-Aktie etwas zu viel heiße Luft. Anleger sollten besser darauf warten, bis diese Luft aus dem Aktienkurs entwichen ist.