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BASF-Aktie: Chemie-Wende – jetzt 60 €?

Branchenstimmung am Wendepunkt
Vincent Uhr
Die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie ist überraschend ins Positive gedreht. Davon könnte insbesondere BASF profitieren: Der Konzern hat seine Ergebnisprognose bereits erhöht, die Aktie notiert aber weiterhin nur bei rund 50 €. Deutsche Bank und Bernstein sehen Kurse um 60 €, die DZ Bank sogar 64 €. Entscheidend ist nun, ob aus der kurzfristigen Nachfragebelebung eine nachhaltige Erholung wird.

Die Kunden füllen ihre Lager wieder

Das Ifo-Geschäftsklima für die deutsche Chemieindustrie stieg im September von -2,6 auf +5,5 Punkte. Die Erwartungen verbesserten sich sogar von -15 auf +2,3 Punkte. Nach einer langen Schwächephase rechnen die Unternehmen damit erstmals wieder überwiegend mit besseren Geschäften.

Unterstützung kommt von steigenden Exportaufträgen und einer höheren Nachfrage aus dem verarbeitenden Gewerbe. Zudem füllen Kunden im In- und Ausland ihre Lager wieder auf und akzeptieren dabei höhere Preise. Auch zusätzliche staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung erhöhen indirekt den Bedarf an chemischen Vorprodukten.

Bei BASF war die Verbesserung bereits im zweiten Quartal sichtbar. Die Absatzmengen stiegen um 7%, die Preise sogar um 11%. Dadurch legte der Umsatz um 16,4% auf 17,21 Milliarden € zu. Das bereinigte EBITDA sprang um 53,6% auf 2,45 Milliarden €. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 10,8 auf 14,2%.

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Noch ist die Erholung fragil

Ganz verschwunden sind die Probleme allerdings nicht. Das Ifo-Institut bezeichnet die Erholung ausdrücklich als fragil. Produktionsausfälle und Lieferkettenstörungen in der Golfregion haben Wettbewerber geschwächt und Nachfrage nach Europa verlagert. Der Auftragsbestand bleibt trotzdem niedrig, während Energie- und Standortkosten die Ertragslage deutscher Produzenten belasten.

BASF rechnet für das Gesamtjahr inzwischen mit einem bereinigten EBITDA zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden €. Zuvor lag die Spanne bei 6,2 bis 7 Milliarden €. Allerdings erwartet der Analystenkonsens für das dritte Quartal wieder einen Rückgang des bereinigten EBITDA auf rund 1,47 Milliarden €.

Damit wird das kommende Zahlenwerk zum Test. BASF muss zeigen, dass höhere Preise und Mengen nicht nur eine Folge temporärer Lieferengpässe sind.

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Der Cashflow bleibt der Schwachpunkt

Während sich das operative Ergebnis verbessert, hinkt der Mittelzufluss hinterher. Im ersten Halbjahr lag der freie Cashflow bei -1,56 Milliarden €. Allein im zweiten Quartal flossen 189 Millionen € ab. Hauptgrund war das durch höhere Rohstoffpreise gebundene Betriebskapital.

Für das Gesamtjahr hält BASF dennoch an einem freien Cashflow zwischen 1,5 und 2,3 Milliarden € fest. Der Mittelwert von 1,9 Milliarden € würde allerdings nicht einmal vollständig ausreichen, um die Mindestdividende von insgesamt rund 2 Milliarden € zu finanzieren.

Zusätzlich läuft bis April 2027 ein Aktienrückkauf über 1 Milliarde €. Finanziert wird die Kapitalrückgabe teilweise aus Unternehmensverkäufen. Positiv ist, dass die Nettoverschuldung bereits um knapp 20% auf 17,12 Milliarden € sank.

Analysten bleiben gespalten

Die DZ Bank sieht den fairen Wert der BASF-Aktie auf Basis einer Sum-of-the-Parts-Bewertung bei 64 €. Deutsche Bank nennt 60 €, Bernstein 61 €. Demgegenüber bleibt JPMorgan mit einem Kursziel von 40 € deutlich skeptischer.

Das durchschnittliche Analystenziel liegt deshalb lediglich bei rund 52,50 € und damit nur knapp über dem aktuellen Kurs. Die Spanne zwischen 40 und 64 € zeigt, wie unterschiedlich die Nachhaltigkeit der Chemie-Erholung eingeschätzt wird.

ℹ️ BASF in Kürze

  • BASF (WKN: BASF11) ist der nach Umsatz größte Chemiekonzern der Welt. Er ist in den sechs Segmenten Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Surface Technologies, Nutrition & Care und Agricultural Solutions tätig.
  • Neben dem Hauptwerk in Ludwigshafen am Rhein betreibt der Konzern weltweit über 230 Produktionsstandorte in mehr als 90 Ländern.
  • Der 1865 gegründete Traditionskonzern ist Mitglied im DAX und aktuell an der Börse mit rund 44,9 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Die operative Wende bei BASF gewinnt an Kontur. Bei rund 50 € bietet die Aktie außerdem etwa 4,5% Dividendenrendite und Unterstützung durch Rückkäufe. Für Kurse um 60 € muss nun jedoch der freie Cashflow nachziehen und die Nachfragebelebung anhalten. Die Chance überwiegt leicht, für einen größeren Einstieg würde ich aber zunächst weitere Fortschritte beim Cashflow abwarten.