Bayer bricht ein, Infineon haussiert: DAX-Ausblick
Starker Freitag verhindert Schlimmeres
Nach einem verhaltenen Wochenstart geriet der DAX ab Mitte der Woche wieder spürbar unter Druck. Neue Zinsängste und hohe Anleiherenditen schreckten Anleger ab. Auch der Donnerstag brachte deutliche Verluste mit sich, ehe der Markt am Freitag auch dank des schwachen US-Arbeitsmarktberichts wieder nach oben drehte.
Signale, die Hoffnung machen
Der deutsche Leitindex konnte am Freitag von den schwachen US-Arbeitsmarktdaten profitieren. Im September entstanden in den USA lediglich 29.000 neue Stellen (erwartet wurden 90.000), gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote auf 4,2%. Zudem wurden die Daten für die Vormonate nach unten korrigiert. Für die Märkte bedeutet das: Der Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen weiter anzuheben, nimmt spürbar ab. Die Renditen der US-Staatsanleihen kamen entsprechend zurück.
Für Rückenwind sorgt auch die zuletzt überraschend schwache US-Inflation. Der PCE-Preisindex sank im August von 3,7 auf 3,4%, die Kernrate fiel sogar von 3,3 auf 3,0%. Das nährt die Hoffnung auf eine weniger restriktive US-Geldpolitik.
Europa liefert dagegen ein völlig anderes Bild. Die Inflation im Euroraum sprang im September von 3,2 auf 3,8% und damit deutlich stärker als erwartet. Vor allem die kräftig gestiegenen Energiepreise treiben die Teuerung. Für die EZB ist das eine unangenehme Entwicklung – insbesondere, weil die Wirtschaft zuletzt stabilere Signale sendet.
Deutsche Konjunktur sendet erste Lichtblicke
Auch aus Deutschland gab es zum Wochenwechsel gemischte, aber zunehmend konstruktive Signale. Die Stimmung in der Chemieindustrie hat sich im September bereits zum zweiten Mal in Folge verbessert. Der entsprechende ifo-Index stieg von minus 2,6 auf plus 5,5 Punkte.
Noch wichtiger könnte in der kommenden Woche die neue Herbstprojektion der Bundesregierung werden. Nach Informationen von Reuters soll die Wachstumsprognose deutlich angehoben werden. Erwartet werden nun 1,3% Wachstum für 2026 und 1,1% für 2027. Das wäre ein bemerkenswertes Signal nach Jahren der wirtschaftlichen Schwäche.
KI bleibt ein wichtiger Kurstreiber
Neben Zinsen und Konjunktur dürfte auch das Thema KI die Aktienmärkte weiter bewegen. Der Nasdaq 100 zeigt sich trotz der zwischenzeitlichen Turbulenzen bemerkenswert robust und hat die vergangene Woche auf einem neuen Rekordhoch beendet. Am Dienstag könnte der Investorentag von Marvell Technology neue Impulse für den KI-Infrastruktur-Trade liefern.
Am Mittwoch folgt mit dem KI-Investorentag der Deutschen Telekom ein Termin aus dem DAX-Umfeld. Am Donnerstag richtet sich der Blick schließlich auf TSMC. Die Umsatzzahlen des weltweit führenden Halbleiter-Auftragsfertigers liefern wichtige Hinweise auf die Dynamik im globalen Chip- und KI-Geschäft.
Daneben steht mit Porsche am Mittwoch ein weiterer DAX-Konzern im Fokus. Beim Kapitalmarkttag dürfte es allerdings weniger um KI als um die strategische und operative Entwicklung des Sportwagenherstellers gehen.
Bayer und Commerzbank unter Druck, Infineon zieht an
In der vergangenen Woche verzeichneten hierzulande die Aktien von Bayer und Commerzbank die höchsten Verluste mit einem Wochenminus von -10,61 bzw. -7,21%. Die Bayer-Aktie litt unter pessimistischen Analystenberichten und einem neuen Glyphosat-Prozess in den USA.
Auch die Commerzbank-Aktie litt unter Analystenabstufungen, da den Experten zufolge die Zinsfantasie bereits vollständig im Kurs eingepreist ist. Hinzu kommt die weiter bestehende Unsicherheit hinsichtlich einer möglichen Übernahme durch die italienische UniCredit.
Deutlich besser lief es bei Infineon: Die Aktie des größten deutschen Chipkonzerns legte auf Wochensicht knapp +14% zu und nimmt nach einer Bodenbildung im Bereich 54 € neuen Schwung auf. Dazu trugen vor allem die starken Zahlen des US-Speicherriesen Micron und die generelle Wiederbelebung des KI-Trades bei.
Charttechnik: DAX hält sich über 25.000 Punkten
Der DAX hat weitere Verluste verzeichnet. Am Donnerstag sank der Index mit 24.831 Punkten auf den tiefsten Stand seit Ende Juli und setzte dabei sogar auf der 200-Tage-Linie auf. Doch wie stark diese Unterstützung ist, zeigte sich am Freitag. Vom gleitenden Durchschnitt drückte sich der Leitindex nach oben ab und machte die tags zuvor erlittenen Verluste wieder weg.
Dabei gelang auch der Wiederanstieg über die 25.000-Punkte-Marke, die sowohl aus charttechnischer als auch aus psychologischer Sicht von großer Bedeutung ist. Die 100-Tage-Linie bei 25.388 Punkten stellt nun die nächste Hürde dar. Wird sie überwunden, warten mit der 50-Tage-Linie bei 25.835 Punkten und der 26.000-Punkte-Marke weitere Widerstände.
Nach unten bilden die 25.000-Punkte-Marke und die 200-Tage-Linie bei 24.834 Punkten die entscheidende Unterstützungszone. Sollte sie durchbrochen werden, könnte sich der Abwärtsdruck weiter verstärken.
DAX kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über DAX und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
DAX weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »
Fazit
Die Ausgangslage für den DAX ist damit durchaus spannend. Sinkende US-Renditen und die Aussicht auf eine weniger restriktive Fed sprechen für die Aktienmärkte. Die wieder deutlich höhere Inflation in Europa und die geopolitischen Risiken bleiben dagegen Belastungsfaktoren.
Für mich wird deshalb in der kommenden Woche vor allem die Reaktion des DAX auf die Anleihemärkte entscheidend. Solange die Renditen nicht wieder deutlich nach oben ausbrechen, bleibt die Tür für eine Stabilisierung offen. Die Marke von 25.000 Punkten dürfte dabei zum wichtigsten kurzfristigen Gradmesser werden.
Ergänzend dazu: Viele Dividenden-Aktien sind derzeit unterbewertet und bieten einen günstigen Einstiegszeitpunkt. Diese Übersicht zeigt zehn Titel aus verschiedenen Sektoren, die sowohl für Cashflow als auch für Kursgewinne interessant sein könnten.