RENK-Aktie: Rekordaufträge – und trotzdem stürzt sie ab
Warum die Aktie nochmal ordentlich einen draufbekommen hat
Für den jüngsten Rutsch war vor allem JPMorgan mitverantwortlich. Analyst David Perry hat sein Kursziel von 75 auf 62 € gesenkt, weil das operative Ergebnis im dritten Quartal etwas schwächer ausfallen könnte als bislang gedacht. Vor allem im Industriegeschäft des Bereichs Marine & Industry rechnet er mit Gegenwind.
Ganz so negativ liest sich die Studie dann aber auch wieder nicht. Die Einstufung bleibt bei „Overweight“, und im wichtigsten Bereich Vehicle Mobility Solutions erwartet Perry weiterhin starke Zahlen. Selbst das gesenkte Kursziel von 62 € liegt noch weit über dem aktuellen Kurs.
Das zeigt ziemlich gut, wo das Problem bei Renk liegt. Die Erwartungen an den Rüstungskonzern waren nach dem gewaltigen Kursanstieg extrem hoch. Sobald dann an irgendeiner Stelle Zweifel aufkommen, wird schnell verkauft. Fundamental ist die Nachfrage bisher jedenfalls nicht eingebrochen.
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An Aufträgen mangelt es Renk ganz sicher nicht
Im ersten Halbjahr kamen Aufträge über rund 1,2 Milliarden € rein, fast 30% mehr als ein Jahr zuvor. Allein im zweiten Quartal waren es 612,8 Millionen € und damit so viel wie noch nie in einem einzelnen Quartal. Der gesamte Auftragsbestand ist inzwischen auf 7,4 Milliarden € angewachsen.
Beim Umsatz ging es mit 637,2 Millionen € zwar nur um 2,7% nach oben. Beim bereinigten EBIT sah es mit einem Plus von gut 10% auf 98,2 Millionen € schon besser aus. Gleichzeitig stieg die Marge von 14,4 auf 15,4%. Für das Gesamtjahr hält RENK weiter an mehr als 1,5 Milliarden € Umsatz und einem bereinigten EBIT zwischen 255 und 285 Millionen € fest.
Vor allem das Geschäft mit Militärfahrzeugen läuft. Dort legte der Auftragseingang um 42,6% auf 970 Millionen € zu. Mit Rheinmetall wurde der Vertrag für den KF41 Lynx erweitert, das Volumen liegt inklusive Optionen bei rund 270 Millionen €. Dazu kommt der nächste Auftrag der US Army innerhalb eines Rahmenvertrags, der insgesamt ein Volumen von bis zu 691 Millionen US$ erreichen kann.
Renk hängt inzwischen sogar am KI-Boom mit dran
Und Renk lebt längst nicht nur von Panzern und Militärfahrzeugen. Ein Bereich, den man bei der Aktie schnell übersieht, hängt mittlerweile direkt am Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur.
Renk liefert unter anderem Getriebe und Kupplungen für Gasturbinen, die zur Stromversorgung großer Rechenzentren eingesetzt werden. Dabei arbeitet das Unternehmen unter anderem mit Siemens Energy zusammen. In den vergangenen zwölf Monaten wurden bereits Aufträge für mehr als 50 Turbogetriebe festgemacht.
Das soll auch kein kleines Nebengeschäft bleiben. Renk rechnet damit, dass Stromerzeugung rund um KI und Rechenzentren 2026 etwa ein Drittel des erwarteten Auftragseingangs der Business Unit Industrie ausmachen könnte. Ausgerechnet der Bereich, bei dem JPMorgan kurzfristig Schwächen sieht, bekommt damit zumindest auf längere Sicht einen zusätzlichen Wachstumstreiber.
ℹ️ Renk Group AG in Kürze
- Die Renk Group (WKN: RENK73) mit Hauptsitz in Augsburg ist ein weltweiter Hersteller von Getrieben, Motoren, Hybridantriebssystemen, Federungssystemen für Fahrzeuge, Gleitlagern, Kupplungen und Prüfsystemen.
- Das Unternehmen baut Spezialgetriebe für Panzer, Fregatten, Eisbrecher und industrielle Anwendungen und ist führender Lieferant von Fahrwerken und Dämpfungssystemen für militärische Ketten- und Radfahrzeuge.
- Renk produziert an drei Standorten in Deutschland sowie in der Schweiz, Großbritannien und den USA.
- Renk notiert seit Ende März im Nebenwerteindex MDAX und ist ca. 3,84 Milliarden € wert.
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Fazit
Bei Renk ist die Stimmung an der Börse deutlich schlechter als die Auftragslage im Unternehmen. Der Kurs hat sich seit dem Hoch mehr als halbiert, während der Auftragsbestand auf einen Rekordwert gestiegen ist und das wichtigste Geschäft mit Militärfahrzeugen weiter kräftig wächst. Kurzfristig hängen jetzt viele Augen an den nächsten Zahlen. JPMorgan rechnet im dritten Quartal mit etwas Gegenwind, vor allem im Industriegeschäft. Am 5. November legt Renk den Quartalsbericht vor. Dann dürfte sich zeigen, ob die Sorgen berechtigt sind oder ob der Kurs inzwischen deutlich mehr Schwäche eingepreist hat, als operativ tatsächlich angekommen ist.
Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.