Palantir oder Oracle? Zwei Tech-Giganten, ein Börsenwert
Ähnliche Börsenwerte, völlig andere Größenordnungen
Palantir und Oracle liegen bei der Marktkapitalisierung inzwischen erstaunlich dicht beieinander. Palantir wird mit rund 450 Milliarden US-Dollar bewertet, Oracle mit etwa 420 Milliarden Dollar. Der Abstand bei den operativen Kennzahlen ist dagegen erheblich.
Palantir erzielte in den vergangenen zwölf Monaten rund 6,2 Milliarden Dollar Umsatz und etwa 3 Milliarden Dollar Gewinn. Oracle kam im selben Zeitraum auf rund 71,8 Milliarden Dollar Umsatz und einen Gewinn von etwa 18,7 Milliarden Dollar. Damit wird Palantir an der Börse ungefähr so hoch bewertet wie ein Konzern, der mehr als zehnmal so viel Umsatz und mehr als sechsmal so viel Gewinn erwirtschaftet.
Der entscheidende Unterschied liegt deshalb in den Wachstumserwartungen. Wer Palantir zu dieser Bewertung kauft, setzt darauf, dass das Unternehmen seine Gewinne über Jahre hinweg außergewöhnlich schnell steigern kann.
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Palantirs Gewinn wächst rasant
Palantir kann tatsächlich auf eine bemerkenswerte Dynamik verweisen. Der Nettogewinn stieg nach Angaben des Artikels von rund 763 Millionen Dollar in den vorangegangenen zwölf Monaten auf etwa 3 Milliarden Dollar im jüngsten Zwölfmonatszeitraum. Für 2026 erwartet das Management einen Umsatz von rund 8,15 Milliarden Dollar – etwa 82 Prozent mehr als im Vorjahr.
Gleichzeitig verfügt das Unternehmen über eine vergleichsweise komfortable Bilanz. Ende Juni lagen rund 9,2 Milliarden Dollar an Barmitteln und kurzfristigen US-Staatsanleihen in der Kasse, während keine Finanzschulden ausgewiesen wurden. Palantirs hohe Profitabilität und die geringe Verschuldung unterscheiden das Unternehmen deutlich von vielen kapitalintensiven KI-Infrastrukturprojekten.
Doch genau diese Stärke ist bereits weitgehend in der Bewertung enthalten. Beim im Artikel genannten Kursniveau wird Palantir mit etwa dem 160-Fachen des Gewinns bewertet. Zum Vergleich: Oracle kommt auf Basis der dort genannten Kennzahlen auf ein deutlich niedrigeres Bewertungsniveau.
Für Palantir wird die Messlatte immer höher
Um bei unverändertem Aktienkurs auf das im Artikel zugrunde gelegte Kurs-Gewinn-Verhältnis von Oracle von rund 22 zu kommen, müsste Palantir seinen Jahresgewinn auf ungefähr 22 Milliarden Dollar steigern. Das wäre mehr als der derzeitige Gewinn von Oracle.
Über einen Zeitraum von fünf Jahren würde dafür ein durchschnittliches Gewinnwachstum von etwa 48 Prozent pro Jahr erforderlich sein. Palantir hat zuletzt zwar deutlich höhere Wachstumsraten erreicht, doch eine derart hohe Dynamik über fünf aufeinanderfolgende Jahre aufrechtzuerhalten, wäre eine erhebliche Herausforderung.
Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerb. Oracle präsentierte jüngst eine KI-Datenplattform, die nach Unternehmensangaben die Erstellung sogenannter Enterprise Ontologies automatisiert. Dabei handelt es sich um Modelle, die Zusammenhänge zwischen einem Unternehmen und seinen Daten abbilden. Oracle verwies dabei selbst auf Palantir als Pionier dieses Ansatzes – ein Hinweis darauf, dass Palantirs technologisches Terrain zunehmend auch von etablierten Cloud- und Softwarekonzernen bearbeitet wird.
Oracle wächst schneller – muss dafür aber massiv investieren
Auch Oracle ist längst nicht mehr der langsam wachsende Softwarekonzern vergangener Jahre. Der Umsatz legte im Geschäftsjahr 2026 um 17 Prozent zu. Im vierten Quartal beschleunigte sich das Wachstum auf 21 Prozent, bevor Oracle im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatzanstieg von 30 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar meldete.
Besonders stark entwickelte sich das Cloud-Infrastrukturgeschäft, dessen Umsatz um 121 Prozent zunahm. Der KI-Boom sorgt damit auch bei Oracle für eine erhebliche Wachstumsbeschleunigung.
Die Bewertung wirkt im Vergleich zu Palantir entsprechend deutlich niedriger. Oracle erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen bereinigten Gewinn je Aktie von 8,10 Dollar, gegenüber 6,83 Dollar im Vorjahr. Auf Basis des im Artikel genannten Aktienkurses entspricht das ungefähr dem 17-Fachen des erwarteten Gewinns.
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Der Preis des KI-Booms zeigt sich in Oracles Bilanz
Die Kehrseite des Oracle-Wachstums ist allerdings der enorme Kapitalbedarf. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 beliefen sich die Investitionsausgaben auf 28,5 Milliarden Dollar und lagen damit über dem operativen Cashflow von 23,1 Milliarden Dollar. Im Geschäftsjahr 2026 verzeichnete Oracle laut den genannten Zahlen einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar.
Um die Expansion zu finanzieren, verkaufte Oracle im vergangenen Quartal zudem Aktien im Wert von rund 20 Milliarden Dollar über ein sogenanntes At-the-Market-Programm. Dadurch wurden etwa 141 Millionen neue Aktien ausgegeben und die Zahl der ausstehenden Aktien um rund fünf Prozent erhöht.
Auch die Verschuldung ist erheblich. Ende August standen rund 125 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten und anderen Finanzschulden etwa 37 Milliarden Dollar an Barmitteln und marktfähigen Wertpapieren gegenüber. Oracle finanziert seinen KI- und Cloud-Ausbau damit in einem wesentlich kapitalintensiveren Umfeld als Palantir.
Zwei unterschiedliche Wetten auf die Zukunft
Der Vergleich zeigt damit vor allem zwei sehr unterschiedliche Börsenwetten. Bei Palantir hängt die Rechtfertigung der aktuellen Bewertung wesentlich davon ab, dass das Unternehmen sein außergewöhnlich hohes Gewinnwachstum über mehrere Jahre fortsetzt. Oracle muss dagegen vor allem beweisen, dass seine massiven Investitionen in Cloud- und KI-Infrastruktur langfristig ausreichend Cashflow generieren.
Auch bei der Bewertung des gesamten Unternehmens unter Einbeziehung von Schulden und Barmitteln verschiebt sich das Bild: Im Ausgangsartikel wird Oracle mit einem Unternehmenswert von rund 505 Milliarden Dollar angesetzt, Palantir mit etwa 438 Milliarden Dollar. Der Bewertungsabstand ist damit größer, als der reine Vergleich der Marktkapitalisierungen zunächst vermuten lässt.
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Fazit
Palantir und Oracle profitieren beide vom langfristigen Trend zu künstlicher Intelligenz und datengetriebener Software, stehen dabei aber vor sehr unterschiedlichen finanziellen Anforderungen. Palantirs hohe Wachstumsraten und starke Bilanz treffen auf eine außergewöhnlich ambitionierte Bewertung, während Oracle trotz hoher Investitionen deutlich niedriger bewertet wird und seine Expansion erst in nachhaltig steigenden freien Cashflow übersetzen muss.
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