Volkswagen-Aktie: Jetzt wird es ganz brenzlig!
Vorstand und Gewerkschaft müssen reden
Die Ausgangslage für Volkswagen ist alles andere als einfach. Der Konzern muss auf die Kostenbremse treten. Besser gesagt, er muss eine Vollbremsung hinlegen.
Die operative Umsatzrendite dürfte 2026 auf nur noch 1% fallen. Bis 2030 will das VW-Management diese Kennzahl aber auf 9% anheben. Das wird nur durch den raschen Abbau zehntausender Stellen, vor allem im Hochlohnland Deutschland, gehen.
Eine weitere Konfrontation mit der Gewerkschaft scheint deshalb unausweichlich. Bereits Mitte kommender Woche wollen sich Konzernvertreter und die IG Metall zu einem sogenannten „Überprüfungsgespräch“ treffen.
Überprüft werden soll dabei, ob die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag 2024 noch Gültigkeit haben. Seinerzeit haben sich der Vorstand und die Gewerkschaft auf einen Kompromiss geeinigt, der bis 2030 den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland vorsieht. Darüber hinaus wurde die Kürzung von Bonuszahlungen und Zulagen vereinbart sowie Lohnerhöhungen eingefroren.
Im Gegenzug für die Kompromissbereitschaft der Gewerkschaft sagte der Vorstand zu, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen und keine Werke zu schließen. Zudem wurden Investitionen in die deutschen Standorte versprochen.
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2026 ist nicht 2024
Doch die Lage ist 2026 anders als 2024. Die Situation von Volkswagen und der gesamten deutschen Automobilindustrie hat sich dramatisch verschärft. Auf dem so entscheidenden chinesischen Automarkt gehen die Absatzzahlen den Bach hinunter und auch in Europa haben die Wolfsburger mit einem deutlich intensivierten Wettbewerb zu kämpfen. Hinzu kommen Zölle aus den USA und geopolitische Spannungen weltweit.
Der VW-Vorstand sieht sich vor diesem Hintergrund nicht mehr an die damaligen Zusagen gebunden. Bereits in den vergangenen Tagen und Wochen machten mehrere Top-Manager klar, dass das Sanierungsprogramm von Volkswagen deutlich umfangreicher ausfallen muss, als bislang beschlossen.
Der spannendste Tag des Jahres
Es ist der charttechnisch wahrscheinlich spannendste Tag des Jahres für die Volkswagen-Aktie. Anleger schauen mit Argusaugen darauf, ob das erst im Juni aufgestellte 16-Jahrestief bei 70,34 € hält. Sollte das nicht der Fall sein, droht der VW-Aktie bis zum Wochenende noch ein massiver Ausverkauf.
Es geht den Bach runter
Mit einem Forward-KGV von 3,4 ist die VW-Aktie historisch niedrig bewertet. Manchem Value-Investor mag es nun in den Fingern jucken, aber die große Frage ist, ob Volkswagen überhaupt noch ein Value-Investment ist. Meine Antwort auf diese Frage ist ein klares „Nein“.
Das große Problem der Wolfsburger hat einen Namen, und der lautet „China“. Der Volkswagen-Absatz in der Volksrepublik geht seit Monaten den Bach hinunter.
Bereits im vergangenen Jahr verkaufte VW mit 2,69 Millionen 8% weniger Autos in China als noch 2024. Im ersten Halbjahr 2026 schrumpfte der Absatz auf 973.000 Fahrzeuge — ein Minus von 25,9%. Allein im zweiten Quartal brach der VW-Absatz um 36,6% ein.
Die Entwicklung in China könnte nur ein Vorbote dessen sein, was. Volkswagen auch auf dem europäischen Heimatmarkt droht. Alle großen chinesischen Autobauer expandieren derzeit mit Vollgas in Europa. Sie haben es vor allem auf den Massenmarkt in der Kleinwagen- und Mittelklasse abgesehen, wo VW der Platzhirsch ist.
Ich gehe deshalb davon aus, dass Volkswagen in den nächsten Jahren auch in Deutschland und Europa Marktanteile verlieren wird. Kostenmäßig und demnach auch preislich kann VW immer noch nicht mit den Chinesen mithalten.
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ℹ️ Volkswagen in Kürze
- Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
- Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
- Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und aktuell ca. 38,6 Milliarden € wert.
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Fazit
Wie der deutsche Autokonzern innerhalb von vier Jahren seine operative Marge um 8% steigern will, ist mir ein vollkommenes Rätsel. Die Gewerkschaft wird da nicht mitspielen. Sie wird die überlebensnotwendigen Maßnahmen so lange bekämpfen und auf die lange Bank schieben, bis die Existenz von VW gefährdet ist.
Das 16-Jahrestief wird deshalb in meinen Augen nicht der Boden der Volkswagen-Aktie sein. Sie hat eine sehr düstere Zukunft an der Börse vor sich.