Novo Nordisk-Aktie: Weitere Kursverluste oder doch noch eine Trendwende?
Enttäuschung auf ganzer Linie
Der am Montag abgehaltene Kapitalmarkttag von Novo Nordisk war auf ganzer Linie eine Enttäuschung. Das machte nicht nur der heftige Kurseinbruch von -8% klar, sondern auch die Reaktion zahlreicher Banken, die ihre Kursziele für die Novo Nordisk-Aktie senkten.
Weder Anleger noch Analysten scheinen dem Fünfjahresplan des dänischen Pharmakonzerns viel Glauben zu schenken. Und in der Tat ist es schwer, darin etwas Positives zu sehen.
Wer sich vom Novo-Management konkrete Wachstumszahlen auf dem Investorentag erwartete, wurde enttäuscht. Für die kommenden Jahre bis 2030 verspricht der Konzern lediglich ein mit anderen Pharmakonzernen vergleichbares Umsatzwachstum. Für ein Pharmaunternehmen, das noch vor wenigen Jahren den rasant wachsenden Markt für Abnehmpräparate dominierte, sind das viel zu geringe Ambitionen.
Auch beim Ergebnis lieferte das Management keine Guidance. Die operative Marge soll „weitgehend stabil“ gehalten werden. Optimismus klingt in meinen Ohren anders.
Noch dazu soll ein signifikanter Teil des Wachstums über die Zulassung von fünf neuen Blockbuster-Medikamenten kommen. Das Unternehmen spricht von Pipeline-Umsätzen von bis 23 Milliarden US$. Kann man glauben, muss man aber nicht. In den letzten Monaten hat Novo Nordisk die in das Unternehmen gesetzten Entwicklungshoffnungen eher enttäuscht.
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Das sagen Analysten
Bei Banken und Analysehäusern sorgte der Kapitalmarkttag für große Ernüchterung. Viele von ihnen korrigierten ihre Kursziele als Reaktion nach unten.
Die Deutsche Bank senkte ihren fairen Wert der Novo Nordisk-Aktie auf 234 DKK (23,77 €) und sieht damit ein leichtes Downside gegenüber dem aktuellen Kursniveau. Sie sprach im Anschluss von enttäuschten optimistischen Erwartungen.
Auch die Investmentbank Jefferies und die US-Großbank JPMorgan trauen der Novo Nordisk-Aktie mit reduzierten Kurszielen von 260 und 275 DKK (34,78 und 36,79 €) fast gar nichts zu. JPMorgan sieht bei der Einschätzung der Pipeline noch Nachholbedarf und Jeffries bemängelt die Diversifizierung der Pipeline über den Bereich der Diätmittel hinaus.
Ein leichtes Aufwärtspotenzial von ca. 10% sehen hingegen die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs. Sie beziffern das Kursziel nun mit 285 DKK (38,12 €). Laut Goldman gibt es aber keine klare Einschätzung hinsichtlich des Patentauslaufs bei Semaglutid und beim Margenausblick.
Noch etwas optimistischer sind die Experten der Privatbank Berenberg und der Schweizer Großbank UBS eingestellt. Sie sehen den fairen Wert der Novo Nordisk-Aktie bei 305 bzw. 322 DKK (40,80 bzw. 44,41 €). Das entspricht einer Kurssteigerung von +18 bis +25%. Aber auch diese beiden Banken bezeichnen die Mittelfristziele von Novo als nicht übermäßig ehrgeizig.
Aber man darf nicht verschweigen, dass es auch bullische Stimmen in Bezug auf die Novo Nordisk-Aktie gibt. Die Analysten von Ålandsbanken, DNB Carnegie und SB1 glauben an ein Kursziel zwischen 370 und 400 DKK (49,49 bis 53,51 €). Das entspricht einem Upside zwischen +43 und +55%. Sie schätzen den jüngsten Abverkauf des Pharmatitels als übertrieben ein.
Es sieht nicht gut aus
Das Chartbild der Novo Nordisk-Aktie sieht momentan nicht gut aus. Das Zwischentief bei 36,50 € wurde zum Wochenbeginn nach unten durchbrochen. Mangels positiver Kurskatalysatoren gehen ich von einer Fortsetzung des Abwärtstrends bis zum 6-Jahrestief bei 30,50 € aus.
Der Erfolgsdruck ist gewaltig
Ich gebe Anlegern den Rat, trotz des deutlich gesunkenen Kursniveaus nicht in die Novo Nordisk-Aktie zu investieren. Ich sehe zwei Gründe, die klar gegen ein Investment sprechen:
Erstens, die Bewertung: Mit einem Foward-KGV von über 12 ist mit die Novo Nordisk-Aktie selbst auf dem aktuellen Niveau zu teuer. Wir sprechen hier über ein Unternehmen, das gegenwärtig mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hat und auch für die kommenden Jahre kein überdurchschnittliches Wachstum prognostiziert.
Gleichzeitig werden die Margen von Novo Nordisk weiter unter Druck geraten. Und das führt mich zu Punkt 2.
Zweites, die Pipeline: Der Kurs der Novo Nordisk-Aktie wird weitgehend durch Erfolg und Misserfolg im Adipositas-Markt bestimmt. Der Patentschutz des Kernwirkstoffs Semaglutid nähert sich seiner Patentklippe.
In wichtigen Märkten wie China, Indien und Brasilien läuft das Semaglutid-Patent bereits in diesem Jahr aus. In den entscheidenden Märkten Europa und Japan sowie den USA geht das Patent 2031 bzw. 2023 zu Ende. Novo Nordisk bleiben demnach nach rund fünf Jahre, um mit neuen Wirkstoffen wie CagriSema einen ähnlich erfolgreichen Nachfolger zu finden.
Gleichzeitig erhöht sich der Wettbewerb auf dem Markt für Abnehmspritzen und -pillen massiv. Eli Lilly ist längst an Novo Nordisk vorbeigezogen und in den letzten Tagen stellten der Schweizer Pharmariese Roche und das US-Biotechunternehmen Viking Therapeutics vielversprechende Studiendaten ihrer Adipositas-Wirkstoffe vor. Das Duopol von Eli Lilly und Novo Nordisk in diesem Markt wird demnach spätestens 2028 zu Ende gehen.
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ℹ️ Novo Nordisk in Kürze
- Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
- Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
- Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
- Das Unternehmen wird aktuell mit rund 152 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Novo Nordisk steht unter gewaltigem Erfolgsdruck, in den kommenden Jahren neue Blockbuster-Medikamente auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen besitzt ausreichend finanzielle Mittel, um seine Entwicklungen unter Hochdruck voranzutreiben, aber der Wettbewerb schläft nicht — vor allem nicht im erfolgskritischen Markt der Abnehmmittel.
Ich fürchte, dass die goldenen Zeiten des dänischen Pharmakonzerns endgültig vorbei sind. Die Novo Nordisk-Aktie hat in meinen Augen kein Potenzial mehr.