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Gilead Sciences und Assembly Bio: Kommt am 13. Oktober der Herpes-Paukenschlag?

Hochspannende Phase
Bei Gilead Sciences verdichten sich derzeit die Hinweise darauf, dass der Pharmakonzern in den kommenden Jahren das Therapiefeld der Virologie massiv ausbauen und damit die langfristige Abhängigkeit vom HIV-Geschäft minimieren will. Die Hintergründe könnten auch für Anleger spannender kaum sein.

Eine neue Stellenanzeige, die langjährige Partnerschaft mit Assembly Biosciences, bereits einlizenzierte Helicase-Primase-Inhibitoren und Aussagen von Unternehmensvertretern ergeben zusammengenommen ein klares Bild: Gilead ist dabei, eine neue, breit angelegte Herpes-Franchise aufzubauen. Und der Zeitpunkt für eine öffentliche Positionierung wäre denkbar passend. Der 13. Oktober ist der Herpes Awareness Day.

Noch ist es Spekulation, die Indizien sind jedoch auffällig. In einer neuen Stellenanzeige sucht Gilead ausdrücklich und erstmalig Verstärkung für ein „Herpesvirus Research Team“ und spricht von etablierten ebenso wie von neuen Programmen sowie von der Entwicklung innovativer antiviraler Konzepte. Die Anzeige wurde unter anderem von Tomas Cihlar, Gileads Research-Chef im Virologie-Bereich, geteilt. Das klingt weniger nach der Verstärkung für ein einzelnes HSV-Programm wie das einlizenzierte GS-1179 als vielmehr nach dem Auf- beziehungsweise Ausbau einer eigenständigen Forschungsplattform – wie sie Partner Assembly Biosciences bereits seit Jahren hat.

Tomas Cihlar sitzt im Board von Assembly und zeigte sich schon 2023 begeistert von der Partnerschaft und den entstehenden Synergieeffekten.

Assembly: Die Research-Kompetenz

Gilead hatte 2023 mit dem Assembly Biosciences eine auf zwölf Jahre angelegte Forschungskooperation geschlossen, die ausdrücklich Herpesviren einschließt. Assembly brachte dabei seine Expertise in der antiviralen Wirkstoffforschung und seine Discovery- und Research-Plattform ein, die im Rahmen einer wissenschaftlichen Präsentation seinerzeit bereits von Nobelpreisträger und Virusexperte Sir Michael A. Houghton als herausragend und „Gleaming Ferrari“ beschrieben wurde. Es gebe keine bessere Firma für diese Art von Arbeit, hieß es.

Besonders relevant: Neben den bereits in fortgeschritteneren Stadien befindlichen und klinisch bislang mit extrem starken Daten begeisternden HSV-Programmen umfasste der Forschungsdeal auch explizit bestehende Pan-Herpes-Projekte. Gilead sicherte sich nicht nur Zugang zu einzelnen Wirkstoffen, sondern zu einer langfristigen Quelle für neue antivirale Programme.

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Der erste große Coup ist bereits gemacht

Ende 2025 wurde aus dieser Kooperation der erste große konkrete Schritt: Gilead übte seine Option aus und lizenzierte Assemblys Helicase-Primase-Inhibitoren ABI-5366 und ABI-1179 exklusiv. Die inzwischen als GS-5366 und GS-1179 bezeichneten Wirkstoffe sollen neue Therapieoptionen für rezidivierenden Genitalherpes ermöglichen. Im September 2026 ging Assembly seinerseits in eine optionale 40-prozentige US-Profit-Share-Struktur für das Programm und erhöhte damit seine wirtschaftliche Beteiligung wiederum signifikant.

GS-1179 soll bis Ende des Jahres in Phase 2 eintreten und möglicherweise auch in verschiedenen Preventionsszenarien für breite Patientengruppe zum Einsatz kommen. Gilead selbst hält sich offenbar aus strategischen Gründen mit Details bislang zurück. Doch unser Research zeigt klar: GS-1179 allein könnte bei einer Indikationserweiterung auf Preventionen im Bereich HSV und des medizinisch assoziierten HIV viele Milliarden Dollar zusätzlich Umsatz generieren und zu einem absoluten Mega-Blockbuster werden.

Doch Gilead dürfte noch viel größer denken

Klar ist: HSV ist nur ein Teil der Herpesvirusfamilie. Zu ihr gehören unter anderem EBV, CMV und VZV. Es liegt auf der Hand: Assembly, das selbst auf den jüngsten Konferenzen explizit seine hochaktive und starke Forschung betonte, liefert einen Teil der wissenschaftlichen Discovery Engine, während Gilead die klinische Entwicklung und spätere Kommerzialisierung übernehmen kann.

Nachdem sich das Potenzial der Herpes-Plattform über die letzten Monate und Jahre durch etliche Tests und klinische Ergebnisse bewiesen hat, wäre es für Gilead jedoch strategisch und nicht zuletzt auch finanziell wahrscheinlich deutlich klüger, die externe Forschung jetzt mit Hilfe des starken Assembly-Teams zu internalisieren. Ein solcher Schritt würde zu massiven Effizienzsteigerungen in operativen Abläufen, Entscheidungsprozessen und Kosten führen und Gilead zum Architekten der Plattform machen.

HIV als Vorbild und Maßstab?

Der Konzern hat mit HIV bereits bewiesen, wie groß eine antivirale Franchise werden kann. Das HIV-Geschäft brachte 2025 mehr als 20 Milliarden US-Dollar Umsatz. Eine erfolgreiche Herpes-Plattform müsste nicht dieselbe Größenordnung erreichen, um zu einer der wichtigsten Wachstumssäulen der kommenden Jahre zu werden. Sollte es gelingen, mehrere Herpesviren und unterschiedliche Indikationen mit neuen Wirkmechanismen zu adressieren, wäre eine Franchise mit deutlich zweistelligem Milliardenpotenzial eine mehr als realistische Vision, die auch Investoren und Analysten überzeugen dürfte.

Im Rahmen einer Investorenkonferenz sagte Gilead-CFO Andrew Dickinson diesen Monat:

(...) Ich glaube, die Leute erwarten von uns, dass wir in der Virologie ein (...) Maß an Innovation zeigen (...) Was die Bereitschaft zu Fusionen und Übernahmen angeht, werden wir stets Elemente aus externen Innovationen einbringen. Ich meine, außerhalb unseres Unternehmens passiert eine Menge, das wirklich wichtig ist (...) Wir sind sehr begeistert von dem, was wir nicht nur intern, sondern auch in der Außenwelt in Bezug auf das Innovationsniveau beobachten. Deshalb wollen wir auch weiterhin einiges davon einbringen (...).

Der 13. Oktober als möglicher Paukenschlag

Noch ist das Spekulation, doch schon in einem Webcast der Herpes Cure Advocacy im Februar dieses Jahres kündigte ein Gilead-Vertreter mehrfach weitere öffentlich verkündete Schritte des Konzerns an. Gleichzeitig hält sich Gilead in offiziellen Meldungen und auf Investorenveranstaltungen bislang komplett bedeckt und erwähnt Herpes wenn möglich mit keiner Silbe.

Interessanterweise fällt der 13. Oktober fast zeitgleich mit dem Verlängerung der Forschungskooperation zwischen Gilead und Assembly nach dem 15. Oktober zusammen. Exklusiven SD-Recherchen zufolge hat Gilead eine Kündigungsfrist verstreichen lassen, wodurch die Verlängerung bereits gesichert ist und eine weitere Zahlung in Höhe von 75 Millionen US-Dollar von Gilead an Assembly fällig wird.

Spannend zudem: Am 15. Oktober läuft auch das bestehende Standstill Agreement zwischen Gilead und Assembly aus. Danach wäre Gilead grundsätzlich nicht mehr durch diese spezifischen Beschränkungen daran gehindert, seine Beteiligung an Assembly auch ohne dess Zustimmung auszubauen oder eine strategische Transaktion anzustreben.

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Fazit

Dass sich die Anzeichen verdichten, wäre untertrieben: Gilead steht vor der Wahl, einen fairen Preis für Assembly Biosciences zu zahlen, oder sich möglicherweise dauerhaft einen großen Teil des Kuchens mit einem noch kleinen Biotechunternehmen wie Assembly zu teilen.

Während die jüngsten Analystenziele wie die von Mizuho oder der UBS bereits in einem konservativen Standardszenario ohne Indikationserweiterung von GS-1179 jenseits von 50 US$ für Assembly liegen, dürfte der Preis im Falle einer breiteren Anwendungsstrategie und einer letztendlichen Übernahme weit über diese Marke hinaus gehen.

Derzeit wird Assembly unter Berücksichtigung der kommenden Gilead-Zahlung lächerlicherweise mit weniger als 200 Millionen US-Dollar Enterprise Value bedacht. Trotz der deutlichen Kurskorrektur wird das Unternehmen einem Verkauf nur dann zustimmen, wenn der Aufsichtsrat den Wert Assemblys als angemessen reflektiert sieht. Angesichts eines Cash Runways bis mindestens 2029 und mit weiteren Kooperations- und Opt-in-Zahlungen wahrscheinlich sogar bis über 2030 hinaus bleibt Assembly in einer außergewöhnlich komfortablen Verhandlungsposition.

Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Assembly Biosciences in signifikantem Umfang. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.