SAP-Aktie: KI-Sorge – oder große Chance?
Bei SAP prallen gerade zwei Geschichten aufeinander. Während das Cloud-Geschäft weiter kräftig wächst, sorgt die Frage nach den Folgen von KI für Unsicherheit. Einige Analysten sehen diese Sorgen inzwischen aber gelassener und auch bei den Kurszielen bleibt noch Luft nach oben.
Analysten werden bei der KI-Debatte entspannter
Die Sorge, dass künstliche Intelligenz klassische Softwareangebote unter Druck setzen könnte, begleitet SAP schon seit Monaten. Dahinter steckt vor allem die Frage, ob Unternehmen künftig weniger Geld für bestehende Softwarelösungen ausgeben, wenn immer mehr Aufgaben direkt von KI-Agenten übernommen werden können. An diesem Punkt kommt inzwischen aber Bewegung in die Diskussion.
Berenberg hat SAP erst am Freitag erneut mit „Buy“ und einem Kursziel von 205 € bestätigt. Analyst Nay Soe Naing verweist darauf, dass die jüngste Berichtssaison bislang kaum Hinweise geliefert habe, wonach Unternehmen ihre Ausgaben für klassische Software wegen der zunehmenden KI-Nutzung zurückfahren. Für die kommenden Quartale erwartet er weiter robuste Ergebnisse und auch mit Blick auf 2027 eher beruhigende Signale für die Branche.
Ganz verschwunden sind die Zweifel damit allerdings nicht. Die UBS bleibt mit einem Kursziel von 201 € bei „Neutral“ und sieht bei der Integration von KI-Assistenten zwar Fortschritte, gleichzeitig aber noch einiges an Arbeit vor SAP. Noch vorsichtiger ist JPMorgan. Die US-Bank sieht den fairen Wert bei 175 € und warnt vor allem davor, dass hohe Investitionen in KI irgendwann auch bei den Umsätzen ankommen müssen. Bleibt dieser Effekt aus, könnten zusätzliche Ausgaben notwendig werden und damit auch die Margen stärker unter Druck geraten.
Deutlich mehr Potenzial sieht dagegen Goldman Sachs. Zwar wurde das Kursziel nach den jüngsten Quartalszahlen von 230 auf 215 € gesenkt, die Kaufempfehlung blieb aber bestehen. Positiv hervorgehoben wurden vor allem der robuste Bestand an Cloud-Verträgen und die weiterhin starke Produktpipeline.
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Cloud-Geschäft liefert weiter
Fundamental spricht weiterhin einiges dafür, dass die eigentliche SAP-Story intakt ist. Im zweiten Quartal stieg der Current Cloud Backlog um 27% auf 22,9 Milliarden €. Die Cloud-Umsätze legten um 22% zu, bei der Cloud ERP Suite waren es sogar 25%. Auch der Gesamtumsatz wuchs um 9%.
Dieses Cloud-Wachstum dürfte in den kommenden Quartalen entscheidend bleiben. SAP bringt immer mehr Kunden von älteren Systemen auf die eigene Cloud-Plattform und kann dort gleichzeitig zusätzliche KI-Funktionen verkaufen. Mit Joule, neuen KI-Agenten und der Business AI Platform versucht der Konzern, KI direkt in bestehende Arbeitsabläufe einzubauen. SAP muss damit nicht zwingend selbst das beste Sprachmodell entwickeln. Wichtiger ist, dass die Technologie dort eingesetzt wird, wo die Kunden ihre Geschäftsprozesse ohnehin bereits abwickeln.
Für die Aktie reicht solides Wachstum allein allerdings nicht mehr. Nach dem deutlichen Rückgang vom 52-Wochen-Hoch von rund 240 € muss SAP zeigen, dass aus den hohen Investitionen in künstliche Intelligenz auch zusätzliches Geschäft entsteht. Die Analysten-Kursziele zeigen dabei recht gut, wie unterschiedlich die Lage derzeit eingeschätzt wird. Während JPMorgan mit 175 € eher vorsichtig bleibt, liegen UBS bei 201 €, Berenberg bei 205 € und Goldman Sachs bei 215 €.
ℹ️ SAP in Kürze
- Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den größten Softwareunternehmen im Bereich der Unternehmenssteuerung. Für kleinere und mittelgroße Unternehmen bietet der Konzern Standardlösungen an, für größere Unternehmen gibt es individuelle Angebote.
- Der Hauptsitz des Konzerns ist im baden-württembergischen Walldorf, weltweit verfügt der IT-Konzern über zahlreiche Niederlassungen.
- Die Aktie des Unternehmens ist in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50 gelistet und wird an der Börse aktuell mit rund 213,80 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Bei SAP dreht sich momentan vieles um die Frage, ob KI das bestehende Softwaregeschäft angreift oder langfristig sogar stärker macht. Zumindest die Befürchtung, dass Unternehmen ihre klassischen Softwarebudgets bereits deutlich kürzen, bestätigt sich bislang nicht. Gleichzeitig wächst das Cloud-Geschäft weiter kräftig. SAP muss nun zeigen, dass sich dieser Vorsprung auch bei KI nutzen lässt und daraus zusätzliche Umsätze entstehen.