ZEW-Index: Konjunktur in Deutschland erholt sich kaum
Die ZEW-Konjunkturerwartungen haben sich im September kaum von der Stelle bewegt. Das Stimmungsbarometer stieg gegenüber dem Vormonat um gerade mal 0,5 Punkte auf 34,7 Punkte. Ökonomen hatten im Schnitt einen Anstieg auf 40 Punkte erwartet. Das ist eine ziemliche Enttäuschung.
Fünfter Anstieg in Folge, aber weit unter den Erwartungen
Immerhin: Der Indikator legte den fünften Monat in Folge zu und erreichte damit den höchsten Stand seit Februar. Vor dem Iran-Krieg hatte das Barometer noch bei plus 58,3 Punkten gelegen, bevor es mehrere Monate ins Negative abrutschte. Davon ist man also noch weit entfernt. ZEW-Präsident Achim Wambach spricht von einem "vorsichtig optimistischen" Ausblick der Befragten. Staatliche Ausgaben und Exportimpulse würden die Konjunktur stützen, heißt es. Aber die Risiken seien erheblich: Teure Energie wegen des anhaltenden Iran-Kriegs und hybride Angriffe belasten die Wirtschaft.
Lagebeurteilung besser als erwartet
Ein klareres Bild liefert der Lageindikator. Dieser verbesserte sich im September um 14 Punkte auf minus 47,1 Punkte, während Ökonomen mit minus 52,1 Punkten gerechnet hatten. Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen schreibt, dieser Anstieg habe angesichts der jüngsten Aktienkurs-Korrekturen, steigender Inflations- und Zinssorgen sowie sehr hoher Rohölpreise etwas überrascht. Die konjunkturelle Zuversicht scheine von diesen Faktoren kaum berührt zu werden. Nicht unerwähnt lässt er dabei die Bundesregierung, die in einer Vertrauens- und Führungskrise stecke und derzeit als wenig handlungsfähig wahrgenommen werde. Für die Eurozone sieht es schlechter aus. Dort fiel der Erwartungsindikator um 5,6 Punkte auf 25,8 Punkte, während sich die Lagebeurteilung um 7,6 Punkte auf minus 13,9 Punkte verbesserte.
Was das für Aktien bedeutet
Deutsche Bank-Volkswirt Marc Schattenberg warnt, dass die jüngsten Anstiege bei Öl- und Gaspreisen in den Umfragewerten noch nicht vollständig eingepreist sein dürften. Diese Gegenwinde könnten die Erholung im dritten Quartal zunächst abbremsen. Die Deutsche Bank erwartet für Deutschland in diesem Jahr dennoch ein Wachstum von einem Prozent. Die Daten spiegeln eine fragile Erholung wider, die auf wackligen Beinen steht. Für den deutschen Aktienmarkt dürfte das Ergebnis kurzfristig eher belastend wirken, da die Enttäuschung gegenüber den Erwartungen überwiege. Solange der Iran-Krieg die Energiepreise hochtreibe und die Bundesregierung als handlungsunfähig wahrgenommen wird, dürfte bei zyklischen deutschen Aktien Vorsicht angebracht sein.
Quelle: dpa-AFX
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