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Commerzbank-Aktie: Berlin öffnet die Tür – kommt jetzt ein höheres Angebot?

Heiße (politische) Phase!
Vincent Uhr
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat sich mit UniCredit-Chef Andrea Orcel getroffen und dabei erstmals konkrete Bedingungen für eine Übernahme der Commerzbank formuliert. Am 14. September folgt ein Gespräch mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Damit verändert sich der politische Ton grundlegend: Statt den Zusammenschluss verhindern zu wollen, versucht die Politik zunehmend, ihn mitzugestalten. Für die Commerzbank-Aktie könnte das den Weg zu einem verbesserten Angebot öffnen.

Aus grundsätzlicher Ablehnung werden Bedingungen

Die hessische Landesregierung verlangt, dass der rechtliche Sitz, der Vorstand und wichtige Funktionen der Commerzbank in Frankfurt bleiben. Die Bank soll weiterhin als deutsche Aktiengesellschaft geführt werden. Besonders brisant ist die Forderung, das Firmenkundengeschäft nicht auf die zu UniCredit gehörende HypoVereinsbank zu übertragen.

UniCredit bezeichnete das Gespräch mit Rhein als konstruktiv. Damit rückt ein ausgehandelter Kompromiss näher. Berlin hatte Orcels Vorgehen lange als feindlich betrachtet. Nachdem sich UniCredit inzwischen den Zugriff auf fast 50% der Commerzbank-Aktien gesichert hat, lässt sich der Einfluss der Italiener jedoch kaum noch verhindern.

Mit dieser Beteiligung kann UniCredit Aktionärsbeschlüsse maßgeblich beeinflussen und perspektivisch auch die Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat bestimmen. Die Bundesregierung scheint deshalb erkannt zu haben, dass sie ihre Interessen eher am Verhandlungstisch als durch weitere Blockadeversuche schützen kann.

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Die Auflagen könnten den Kaufpreis begrenzen

Für Commerzbank-Aktionäre ist die politische Öffnung grundsätzlich positiv. Das bisherige Umtauschangebot von 0,485 UniCredit-Aktien entsprach bei seiner Veröffentlichung lediglich rund 31,07 € je Commerzbank-Aktie. Am Donnerstag notierte das Papier dagegen bei etwa 41,34 €.

Nur 2,7% der unabhängigen institutionellen und privaten Aktionäre nahmen das Angebot an. Ein vollständiger Zusammenschluss dürfte daher bessere Konditionen verlangen. Orcel hatte bereits im März angedeutet, dass nach konstruktiven Gesprächen eine Nachbesserung möglich sei.

Allerdings schränken die hessischen Forderungen den finanziellen Spielraum ein. Ein großer Teil der möglichen Einsparungen dürfte aus der Zusammenlegung von Funktionen, dem Abbau Tausender Stellen und einer Integration des Geschäfts in die HypoVereinsbank entstehen. Bleiben Vorstand, Firmensitz und Firmenkundengeschäft eigenständig, sinken die realisierbaren Synergien – und damit möglicherweise auch der Preis, den UniCredit wirtschaftlich vertreten kann. Die Politik erhöht somit die Chance auf eine freundliche Lösung, könnte zugleich aber ein sehr großzügiges Angebot erschweren.

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Commerzbank kann auch eigenständig überzeugen

Die Bank verhandelt aus einer deutlich stärkeren Position als noch vor wenigen Jahren. Im ersten Halbjahr stieg das operative Ergebnis um +14% auf 2,7 Milliarden €. Der Nettogewinn erreichte mit 1,8 Milliarden € einen Rekordwert, während die Eigenkapitalrendite auf 12,6% kletterte.

Für das Gesamtjahr erwartet das Management mindestens 3,4 Milliarden € Gewinn. Bis 2030 sollen es 5,9 Milliarden € werden. Hinzu kommt eine harte Kernkapitalquote von 14,4%, die deutlich über der Zielmarke von 13,5% liegt.

Der am Freitag startende Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden € unterstreicht diese Stärke. Die Commerzbank ist daher nicht darauf angewiesen, sich zu den bisherigen Konditionen übernehmen zu lassen. UniCredit muss einen überzeugenden Mehrwert liefern, der über allgemein formulierte Einsparungen hinausgeht.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 44,1 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Das Treffen zwischen Rhein und Orcel ist ein wichtiger Wendepunkt. Eine Übernahme der Commerzbank wird politisch nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen, sondern zunehmend an Bedingungen geknüpft. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit ernsthafter Verhandlungen und eines verbesserten Angebots. Nach dem starken Kursanstieg ist allerdings bereits viel Übernahmefantasie eingepreist. Die Aktie bleibt für mich deshalb haltenswert, aber auf dem aktuellen Niveau kein zwingender Neukauf.