PG&E-Aktie: -20% – warum ich trotzdem nicht zugreife!
Der entscheidende Schutz fehlt
Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom wollte ursprünglich verhindern, dass Versicherer ihre Zahlungen nach Waldbränden von den Versorgern zurückfordern können. Damit sollte das Risiko milliardenschwerer Klagen begrenzt und eine Wiederholung der PG&E-Insolvenz von 2019 verhindert werden.
Nach Widerstand von Brandopfern, Versicherern und Abgeordneten wurde dieser Punkt jedoch aus dem Entwurf gestrichen. Der überarbeitete Senate Bill 492 soll Entschädigungen beschleunigen, den Handel mit Schadenersatzforderungen einschränken und Managerboni nach tödlichen, durch Versorgeranlagen ausgelösten Bränden begrenzen.
Echte Top-Rendite: Als Mitglied bei sharedealsPlus profitierst Du von wahren Börsenstars und den richtigen Aktientipps zur richtigen Zeit!
Das mag Geschädigten helfen, löst aber das Problem der Aktionäre nicht: Verursachen Stromleitungen einen Großbrand, bleibt PG&E weiterhin einem potenziell offenen Haftungsrisiko ausgesetzt. Das Unternehmen selbst erklärte, der Entwurf schaffe nicht die erforderliche Planungssicherheit, um langfristig bezahlbares Kapital anzuziehen.
Ein Großbrand kann die gesamte Bewertung verändern
Seit 2019 existiert ein kalifornischer Waldbrandfonds, der teilnehmende Versorger nach bestimmten, durch ihre Anlagen verursachten Feuern unterstützen soll. Sein ursprüngliches Volumen lag bei rund 21 Milliarden US$. Allerdings könnten wenige große Katastrophen erhebliche Teile dieser Absicherung aufzehren.
Genau deshalb reagierten Analysten so deutlich. BMO Capital stufte PG&E von „Outperform“ auf „Market Perform“ ab und senkte das Kursziel von 28 auf 21 US$. Der geschätzte Bewertungsabschlag für mögliche Waldbrandhaftungen wurde von 6 auf 10 US$ je Aktie erhöht.
Wells Fargo reduzierte das Votum auf „Equal Weight“ und das Ziel von 25 auf 24 US$. Mizuho wechselte ebenfalls auf „Neutral“ und strich das Kursziel von 21 auf 16 US$ zusammen.
Selbst diese Ziele liegen teilweise deutlich über dem Börsenkurs. Daraus würde ich jedoch keine offensichtliche Unterbewertung ableiten. Analysten können laufende Gewinne, Investitionen und regulatorisch erlaubte Renditen modellieren. Wann der nächste Großbrand entsteht und welche Schäden Gerichte PG&E zurechnen, lässt sich dagegen kaum seriös prognostizieren.
Operativ solide, finanziell wenig flexibel
Das Tagesgeschäft entwickelt sich durchaus ordentlich. Im zweiten Quartal stiegen die bereinigten Kerngewinne von 0,31 auf 0,40 US$ je Aktie. Für 2026 erwartet das Management weiterhin 1,64 bis 1,66 US$.
Gleichzeitig benötigt PG&E enorme Summen für den Netzausbau, die steigende Stromnachfrage und den Brandschutz. Allein 2026 sind Investitionen von rund 12,4 Milliarden US$ vorgesehen, bis 2030 umfasst der Kapitalplan etwa 73 Milliarden US$. Ende Juni lagen die langfristigen Schulden bereits bei 61,77 Milliarden US$.
Damit entsteht eine ungünstige Kombination: PG&E muss viel Kapital aufnehmen, kann höhere Kosten aufgrund politischer Widerstände aber nicht beliebig über die Strompreise weitergeben. Hinzu kommt ein Haftungsrisiko, das im Extremfall die Erträge vieler Jahre auslöschen kann.
ℹ️ PG&E Corporation in Kürze
- PG&E (WKN: 851962) ist ein US-amerikanischer Strom- und Gasversorger mit Sitz in Oakland, Kalifornien.
- Das regulierte Tochterunternehmen Pacific Gas and Electric Company versorgt Nord- und Zentralkalifornien über rund 5,5 Millionen Strom- und 4,5 Millionen Gaskundenkonten.
- Neben dem Netzausbau zählen die Modernisierung der Infrastruktur und der Schutz vor durch Stromleitungen ausgelösten Waldbränden zu den wichtigsten Aufgaben.
- PG&E ist Mitglied im S&P 500. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 30,32 Milliarden US$.
Paficif Gas and Electric kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über Paficif Gas and Electric und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
Paficif Gas and Electric weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »
Fazit
Der Kurssturz macht die PG&E-Aktie optisch günstig, aber nicht automatisch attraktiv. In der stark regulierten Versorgerbranche ist das Gewinnpotenzial nach oben begrenzt, während Kaliforniens Waldbrandregeln ein schwer kalkulierbares Abwärtsrisiko schaffen. Solange keine dauerhaft belastbare Haftungslösung existiert, würde ich trotz des Rückgangs nicht zugreifen. Der Crash unterstreicht erneut das Regulationsrisiko.