ThyssenKrupp-Aktie: Mehrjahreshoch erreicht – was ist jetzt ratsam?
Ertragslage deutlich verbessert
Das größte Problem von Thyssenkrupp war in den vergangenen Jahren die schwache Profitabilität. Um dies zu ändern, wurde ein weitreichender Konzernumbau eingeleitet.
Langfristig soll sich Thyssenkrupp zu einer reinen Finanzholding entwickeln. Die einzelnen Geschäftsbereiche sollen weitgehend eigenständig aufgestellt werden, während die Muttergesellschaft an den Beteiligungen Mehrheitsanteile hält.
Operativ sind erste Fortschritte erkennbar. Im dritten Quartal verbesserte sich das bereinigte EBIT gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18% auf 183 Millionen €. Besonders positiv entwickelten sich die Geschäfte im Materialhandel bei TK Accelis, wo Mengen- und Preiseffekte unterstützten.
Zusätzlich zeigen die eingeleiteten Effizienzmaßnahmen Wirkung.
Beim Nettogewinn gelang sogar der Sprung von einem Vorjahresverlust von 255 Millionen € auf einen Gewinn von 34 Millionen €. Allerdings sollte dieser Wert nicht überbewertet werden, da darin ein positiver Bilanzierungseffekt von 131 Millionen € aus dem Verkauf der Anteile am Stahlproduzenten HKM enthalten ist. Die Beteiligung wurde an Salzgitter verkauft.
Auch der Umsatz entwickelte sich positiv und stieg um 8% auf 8,8 Milliarden €.
Konzernchef sieht den Konzern auf einem guten Weg. Er gewinnt an operativer Stärke und strategischer Klarheit.
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Prognose konkretisiert
Auch bei der Jahresprognose gab es eine positive Veränderung.
Das bereinigte EBIT soll nun zwischen 600 und 900 Millionen € liegen. Zuvor wurde eine Spanne von 500 bis 900 Millionen € erwartet.
Der erwartete Konzernverlust wurde gleichzeitig auf rund 700 Millionen € eingegrenzt. Beim Umsatz wird im besten Fall nur noch mit einem Rückgang von 1% gegenüber dem Vorjahreswert von 32,8 Milliarden € gerechnet.
Die Prognose zeigt somit eine operative Verbesserung, gleichzeitig wird aber deutlich, dass Thyssenkrupp noch nicht über eine nachhaltig hohe Profitabilität verfügt.
TKMS ist der große Hoffnungsträger
Eine der erfolgreichsten Entwicklungen innerhalb des Konzerns ist die Marinesparte TKMS.
Das Geschäft profitiert von der zunehmenden Bedeutung der europäischen Verteidigungsfähigkeit und einem hohen Auftragsbestand. Die zahlreichen Aufträge sorgen für eine gute Visibilität der zukünftigen Geschäftsentwicklung.
Die größte Baustelle bleibt dagegen die Stahlsparte. Nachdem der Einstieg von Jindal Steel nicht zustande kam, muss Thyssenkrupp die Restrukturierung nun weitgehend selbst vorantreiben. Positiv ist, dass die EU-Maßnahmen gegen günstige Stahlimporte ergriffen hat.
Bewertung
Der starke Kursanstieg ist angesichts der Fortschritte beim Konzernumbau nachvollziehbar. Insbesondere die positive Entwicklung von TKMS hat die Fantasie der Anleger beflügelt.
Allerdings ist inzwischen bereits viel Positives im Aktienkurs enthalten. Damit verschlechtert sich das Chance-Risiko-Verhältnis nach dem starken Kursanstieg.
Kurzfristig sind aufgrund der Nachrichtenlage zwar weitere Kurssteigerungen möglich. Gerade bei positiven Meldungen zu TKMS oder weiteren Fortschritten beim Konzernumbau könnte die Aktie nochmals deutlich zulegen. Gleichzeitig steigt auf dem aktuellen Niveau das Rückschlagrisiko.
ℹ️ Thyssenkrupp in Kürze
- Thyssenkrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- Thyssenkrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell etwa 8,7 Milliarden € wert.
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Fazit
Der starke Kursanstieg der vergangenen Monate ist fundamental nachvollziehbar. Thyssenkrupp macht beim Konzernumbau Fortschritte, die Ertragslage verbessert sich und insbesondere TKMS besitzt erhebliches Wachstumspotenzial.
Bei dem jetzigen Kursniveau ist aus meiner Sicht jedoch bereits zu viel Optimismus eingepreist. Das weitere Potenzial halte ich für begrenzt.
Wer die Aktie bereits besitzt und hohe Kursgewinne erzielt hat, sollte deshalb über eine Teilrealisierung nachdenken. Ein Neueinstieg ist auf dem aktuellen Niveau dagegen wenig attraktiv.
In diesem Zusammenhang: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die Profiteur zu großen Profiteuren werden dürften.