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Alphabet-Aktie: Gute Zahlen, schlechte Laune an der Börse

Zwischen Bilanzglanz und CapEx-Sorge
Polina Dmitrovskaya
Gestern Abend meldete die Google-Mutter ihre Quartalsergebnisse. Man könnte um die 10 Theorien aufstellen, warum Anleger skeptisch sind und verkauften (-5%). Und sie sind es zurecht. Aber bei einem zweistelligen Gewinnwachstum über 12 Quartale hinweg, stellt sich die Frage, was genau los ist.

Makellose Zahlen in Kürze

Alphabet meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 119,8 Milliarden US$, ein Plus von 24%. Die operative Marge stieg auf 34% (weniger als 36% Q1 2026, aber mehr als 32% in Q1 2025). Der Nettogewinn schoss auf 112,1 Milliarden US$ beziehungsweise 9,11 US$ je Aktie, stark getrieben von einem Buchgewinn von rund 99 Milliarden US$ auf Beteiligungen und Eigenkapitalwertpapiere. Ein Effekt, den Investoren gerne herausrechnen, weil er nichts mit dem operativen Kerngeschäft zu tun hat.

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Cloud als Zugpferd, Werbung als solides Fundament

Google Cloud bleibt der eigentliche Star mit rund 25 Milliarden US$ Umsatz, ein Plus von 82% und damit die schnellste Wachstumsrate der Sparte seit mindestens drei Jahren. Getrieben wird das Zugpferd von der Nachfrage nach Gemini Enterprise und KI-Infrastruktur, denn fast 90% der Fortune-100-Unternehmen nutzen mittlerweile Gemini.

Google Services, also Google-Suche, YouTube und Abos, wuchs insgesamt um 15%. Konkret die Google-Suche legte um 17% zu, angetrieben von neuen KI-Funktionen. So viel zu dem Thema, dass einige glauben, die Google-Suche würde durch mehr KI-Nutzung schwinden.

Die YouTube-Werbeeinnahmen stiegen auf 13% an und die Abos und Geräte um 15%, unterstützt von der wachsenden Zahl kostenpflichtiger Gemini-Nutzer. Die App selbst zählt inzwischen rund 950 Millionen monatlich aktive Nutzer. Sensor Tower (Marktforschungsunternehmen) meldete im Juni 2026 laut Reuters, dass die ChatGPT-App die Marke von 1 Milliarde monatlich aktiver Nutzer geknackt habe, das wäre die schnellste App der Geschichte mit diesem Meilenstein, schneller als TikTok, Instagram oder Google Maps. Aber Gemini ist eben nicht weit davon entfernt.

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Warum die Börse trotzdem die Nase rümpfte

Der Haken liegt wahrscheinlich in den Investitionen (neben den ganzen anderen Skepsis-Punkten). Alphabet gab im Quartal 45 Milliarden US$ für Rechenzentren und KI-Chips aus und hob die CapEx-Prognose für das Gesamtjahr gleich von 180-190 Milliarden US$ auf 195-205 Milliarden US$ an. Infrastruktur wird eben stark teurer oder der Konzern will mehr bauen als gedacht.

Der freie Cashflow rutschte dadurch sogar ins Negative. Für Anleger stellt sich damit die immer gleiche Frage: Wann zahlt sich das aus?

Dazu kommt die klassische Erwartungsfalle: Selbst starke Zahlen reichen oft nur für Gewinnmitnahmen, statt neue Käufe. Und im Hintergrund schwingt die Sorge mit, dass KI-Anfragen schlicht teurer sind als klassische Suchanfragen, was langfristig an der Marge nagen könnte.

Zwischen Buffett und Apple

Interessant wird es, wenn man auf Warren Buffett blickt: Berkshire Hathaway hat seine Alphabet-Position in mehreren Schritten aufgebaut, zuletzt im Juni per Privatplatzierung zu rund 350 US$ je Aktie, deutlich über dem aktuellen Kursniveau nach dem Rutsch (346 US$). Ob am Ende die Bewertung oder die CapEx-Sorge den Ausverkauf trieb, sei dahingestellt, aber wie ernst ist diese Skepsis eigentlich noch zu nehmen, wenn sie inzwischen praktisch jedes große Tech-Unternehmen betrifft?

Dass die Mehrheit erfahrener Tech-CEOs ihre Investitionen in KI-Infrastruktur systematisch übertreibt, erscheint mir unwahrscheinlich. Einen interessanten Gegenpol bildet dabei Apple. Der iPhone-Hersteller wartet lieber ab, bis sich neue Technologien bewährt haben, kauft dann günstiger ein, als selbst an KI zu forschen, hält die CapEx-Ausgaben niedrig und den freien Cashflow stabil. Damit kann die Firma sich auf die Vermarktung der eigenen Geräte zu konzentrieren und das ist auch richtig so. Auch dieser Ansatz hat seinen Charme, und auch in Apple ist Buffett bekanntlich seit Jahren investiert.

ℹ️ Alphabet in Kürze

  • Alphabet Inc. (WKN: A14Y6H) ist eine im kalifornischen Mountain View ansässige Holding und Muttergesellschaft der weltgrößten Suchmaschine Google.
  • Neben Google betreibt Alphabet auch die Videoplattform YouTube und ein Cloud-Business. Zudem gehören zahlreiche Venture-Unternehmen, wie beispielsweise DeepMind und Waymo, zur Holding.
  • Alphabet ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Konzern wird zu den sogenannten „Big Five“ der Technologieindustrie gezählt und ist aktuell rund 4,1 Billionen US$ wert.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

Alphabet liefert operativ eines der stärksten Quartale seiner Geschichte, doch der Markt bepreist gerade, wie so oft in letzter Zeit, das fehlende Vertrauen in die Zukunft der KI-Investitionen. Der aktuelle Kursrutsch ist nicht stark genug, um von einem günstigen Einstiegszeitpunkt zu sprechen, aber ich bin ein Fan dieses Unternehmens und des Geschäftsmodells und sehe es weiterhin stark wachsen. Denn Alphabet hat etwas, was niemand hat, und zwar eine Masse an Daten. Das darf man nicht unterschätzen.

Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Alphabet. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.