Multibagger-Geheimnis: Diese sechs Kriterien verraten die nächste Kursrakete
Wer, wie und wieso
922%. So viel brachte im Schnitt eine Aktie, die zwischen 2015 und 2020 zu den 104 besten Performern Nordamerikas, Westeuropas und Australiens zählte – der S&P 500 kam im selben Zeitraum auf gerade einmal 55%.
Drei Praktikanten der Investmentfirma Alta Fox Capital wollten wissen, was diese Ausreißer gemeinsam hatten. Dabei haben sie den Energie- Rohstoff- und Finanzsektor raugelassen. Sie haben nur Aktien mit Hauptsitz in Nordamerika, Westeuropa und Australien gescreent, die dazu noch ein positives EBITDA der letzten 12 Monate und ein positives Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr haben.
1. Klein schlägt groß
Der auffälligste Befund betrifft die Unternehmensgröße. Nano- und Micro-Cap-Aktien mit einer Marktkapitalisierung unter 300 Millionen US$ erzielten im Schnitt eine Rendite von über +1.800% (bei Nano-Caps) beziehungsweise 682% (bei Small Caps), während Large Caps mit über 10 Milliarden US$ Börsenwert sich mit durchschnittlich +413% begnügen mussten über die fünf Jahre.
Insgesamt kamen 84% aller untersuchten Multibagger aus dem Bereich unterhalb von 2 Milliarden US$ Marktkapitalisierung. Die These der Studenten ist: Kleinere Unternehmen werden von Analysten und institutionellen Investoren kaum beachtet, was ihnen Raum lässt zu wachsen, bevor die großen Investoren und der breite Markt Hand anlegen.
2. Europa vor Amerika
Wer automatisch bei US-Technologiewerten sucht, verpasst laut der Studie viel. Die USA stellten zwar mit 29% den größten Länderanteil im Multibagger-Set, waren damit aber deutlich unterrepräsentiert gemessen an ihrem 44%-Anteil am gesamten Anlageuniversum.
Überrepräsentiert waren dagegen Großbritannien, Schweden, Deutschland, Norwegen und Australien. Die Autoren vermuten, dass die geringere Analystenabdeckung kleinerer Märkte hier der entscheidende Vorteil ist – weniger Aufmerksamkeit bedeutet mehr Potenzial für Überraschungen.
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3. Technologie und Gesundheit dominieren, aber nicht ausschließlich
Auf Branchenebene führte Technologie mit 34% der Multibagger, gefolgt von Gesundheitswesen mit 23% und zyklischem Konsum mit 21%. Beide Spitzenreiter-Branchen waren relativ zu ihrem Anteil am Gesamtmarkt deutlich überrepräsentiert – begünstigt durch hohe Skalierbarkeit, niedrige Grenzkosten und starke operative Hebelwirkung.
4. Teure Bewertung ist kein Ausschlusskriterium
Ein weit verbreiteter Irrglaube fällt bei genauem Hinsehen in sich zusammen. Die Studie widerlegt die Vorstellung, Multibagger müssten zwingend günstig bewertet starten. Zwar handelten 82% der gefundenen Multibagger fünf Jahre vor ihrem Höhenflug unter dem 3-fachen Umsatz, dem 20-fachen EBITDA oder dem 30-fachen Gewinn – oder hatten noch gar keine belastbaren Kennzahlen und Profitabilität.
Entscheidend war aber nicht die Ausgangsbewertung, sondern dass diese Bewertung sich im Zeitverlauf stark ausdehnten (= Multiples-Expansion). Im Median trug die Multiple-Expansion sogar knapp 66% zur Gesamtrendite bei, während operatives Wachstum (z.B. bessere Margen) im Durchschnitt mit rund 60% den etwas kleineren Anteil am Wachstum lieferte. Dividenden spielten praktisch keine Rolle.
5. Was die Kurse wirklich vervielfacht
Über die Hälfte der Unternehmen nutzte gezielte Übernahmen als Wachstumshebel, knapp ein Fünftel gelang dabei sogar eine transformative Akquisition, die das Geschäftsmodell grundlegend veränderte.
Zusätzlich verfügten 80% der Firmen über moderate bis hohe Markteintrittsbarrieren und 91% über einen nachweisbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz.
Fast 90% der Multibagger waren zudem bereits am Ausgangspunkt finanziell gesund. Doch die Studie warnt explizit vor Turnaround-Wetten auf angeschlagene Unternehmen.
6. Verwässerung
Bei 80% der untersuchten Unternehmen gab es 2020 mehr Aktien als noch 2015. Firmen geben also im Lauf der Zeit neue Aktien aus, zum Beispiel um Wachstum, Übernahmen oder Schulden zu finanzieren. Bei fast einem Viertel der Firmen (23%) hat sich dadurch der Anteil eines Aktionärs am Unternehmen um mehr als die Hälfte verringert. Bedeutet: Hat man 100.000 Aktien eines Unternehmens gekauft hat und hält 1%, machen nach fünf Jahren dieselben 100.000 Aktien nur noch 0,67% des Unternehmens aus statt 1%. Das schmälert die Renditen von Anlegern leise aber dolle.
Bei jedem neunten Unternehmen (11%) hat sich die Aktienzahl sogar mehr als verdoppelt. Wer nach dem nächsten Multibagger sucht, sollte deshalb nicht nur auf den Aktienkurs schauen, sondern auch prüfen, wie viele neue Aktien ein Unternehmen im Zeitverlauf ausgibt.
Multibagger-Beispiele aus der Studie
Wer die Studie nachvollziehen möchte, findet einige der genannten Multibagger-Aktien an der Börse:
Games Workshop, der britische Hersteller von Warhammer-Miniaturen, zählte mit über 2.000% Rendite zu den Top-10 des Aktienkorbes der Studie und ist heute ein fester Bestandteil vieler Fondsdepots.
Der DIY-Marktplatz Etsy sowie der chinesische E-Commerce-Riese JD.com waren ebenfalls unter den Multibaggern.
Auch das schwedische Buchhaltungs-Softwarehaus Fortnox und der Contact-Center-Softwareanbieter Five9 sind bis heute handelbar.
Wenn Du die Märkte im Blick behalten möchtest, bist Du mit unseren kompakten und verlässlichen Updates immer einen Schritt voraus. Im SD Insider Newsletter berichten wir regelmäßig über relevante Nachrichten aus Wirtschaft, Börse und den einzelnen Unternehmen.
Fazit
Eine echt spannende Studie, die die Augen öffnet.
Nicht die USA, sondern kleinere europäische Märkte mit geringerer Analystenabdeckung bringen überproportional viele Kursvervielfacher hervor.
Nicht die günstigste Bewertung zählt, sondern finanzielle Substanz gepaart mit einem klaren Wachstumshebel wie Übernahmen oder neuen Produkten.
Und vor allem: Wer nur in den bekanntesten Large Caps sucht, lässt die Chancen liegen, die kleine, unentdeckte Unternehmen bieten. Für die eigene Aktiensuche heißt das konkret: Blick nach Skandinavien, Großbritannien und Deutschland richten, Unternehmen mit klarer Marktnische und gesunder Bilanz bevorzugen.
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