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Uber-Aktie: Zu viele Kunden, zu wenig Fahrer

Zehntausende Roboterwagen bis 2028
E-Mobilität – gerne, aber Fahrermangel und höhere Kraftstoffkosten? Das ist eine Medaille mit zwei Seiten. Ein volles Auto ist für Uber noch lange kein Selbstläufer. Die Aktie legte nach den Zahlen aber deutlich zu, zeitweise um mehr als +7%. Der Markt hat jegliche Risiken gekonnt ignoriert und schaut nur nach vorne aufs scheinbar endlose Wachstum. Kann die Firma auch ein sechstes Quartal in Folge mindestens 20% mehr Buchungen vorweisen?

Fünftes Quartal mit mehr als 20% Buchungswachstum

Im dritten Quartal 2026 steigerte Uber die Bruttobuchungen um 20% auf 59,8 Milliarden US$, das ist das fünfte Quartal in Folge mit diesem Wachstum. Der Umsatz legte dagegen um 10% auf 14,7 Milliarden US$ zu und übertraf damit die Analystenerwartungen von rund 14,69 Milliarden US$ nur leicht. 215 Millionen Menschen nutzten die Plattform monatlich, 4,1 Milliarden Fahrten und Bestellungen kamen zusammen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 0,88 US$ nach 0,65 US$ im Vorjahreszeitraum. Auch hier lag Uber nur leicht über dem Konsens von 0,86 US$.

Etwas stärker hat die Firma bei der Profitabilität performt. Das bereinigte EBITDA kletterte um 31% auf knapp 3 Milliarden US$, der bereinigte operative Gewinn sogar um 38% auf 2,3 Milliarden US$. Und die operative Marge liegt nun bei 9,8% nach 8,3% im Vorjahresquartal.

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Fahrermangel bremst das Kerngeschäft

Die von der Börse wenig beachtete Schwachstelle liegt im Fahrdienst. Die Mobility-Buchungen wuchsen „nur” um 18% auf 29,5 Milliarden US$ und blieben unter den eigenen Erwartungen. Khosrowshahi machte fehlende Fahrer verantwortlich, vor allem in Brasilien, Indien und Kanada, wo hohe Spritpreise und die Einwanderungsdynamik das Angebot drücken. Die Aktionäre hat dies aber nicht weiter gestört.

Nichts ist unmöglich, vor allem mit Kapital. Um mehr Fahrer auf die Plattform zu holen, verschiebt Uber sein Marketingbudget einfach mal. Weniger Rabatte für Fahrgäste, mehr Anreize für Fahrer. Das könnte allerdings höhere Fahrpreise nach sich ziehen und dann stellt sich die wichtige Frage für Aktionäre, ob die Uber-Kunden mitziehen – eine spannende Mutprobe für kommenden Quartale.

Finanzchef Balaji Krishnamurthy nannte das ein „gutes Problem“, weil Uber an Angebots- statt an Nachfragegrenzen stößt. Höhere Fahrerprämien belasten im vierten Quartal die Take Rate, die Marge soll aber kaum leiden, und im Oktober habe sich die Lage gebessert. Delivery lief stärker: 28,5 Milliarden US$ Buchungen, ein Plus von 22%. Das Lebensmittel- und Einzelhandelsgeschäft kommt hochgerechnet auf 15 Milliarden US$ im Jahr, bei 40% Wachstum. Neu dabei sind Costco, Target und in Deutschland REWE.

Der Kurs & die goldene Rechnung

Für das vierte Quartal stellt Uber ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 0,95 bis 0,99 US$ in Aussicht. Analysten hatten laut LSEG im Schnitt 1,06 US$ erwartet. Auch die prognostizierten Bruttobuchungen von 63 bis 65 Milliarden US$ liegen am Mittelpunkt knapp unter den Markterwartungen, bedeuten aber ein Zuwachs von rund 34 bis 39%. Was trieb die Aktionäre also an heute zu kaufen?

Vor den Zahlen stand die Aktie bei knapp 67 US$, am Mittwochmittag in New York lag sie +7,5% höher bei 71,58 US$. Das sind gut -25% weniger als das 52-Wochen-Hoch von 95,44 US$. Addiert man die ersten neun Monate (2,40 US$) und die Mitte der jetzigen Spanne, ergeben sich rund 3,37 US$ für 2026. Das entspricht einem KGV von gut 21. Aktuell liegt es aber bei 15 und für die nächsten 12 Monate wird es auf maximal 17 prognostiziert.

Ubers wahrer Wert

Bis Jahresende will Uber rund 700 fahrerlose Fahrzeuge auf der Plattform haben, 2027 mehr als 2.000, danach Zehntausende. Amazons Robotaxi-Tochter Zoox startet im November in Las Vegas, Motional folgt (Joint Venture zwischen dem Autokonzern Hyundai und dem Zulieferer Aptiv).

Die Botschaft an die Branche: Wer Robotaxis baut, braucht eine Plattform, die sie auslastet. Nach Ubers Angaben schaffen Waymo und Tesla in neuen Märkten niedrige zweistellige Fahrten pro Fahrzeug und Tag, auf Ubers Netz seien es hohe 20er. Die Plattform von Uber ist also das eigentlich wertvolle an dem Geschäft.

ℹ️ Uber Technologies in Kürze

  • Uber (WKN: A2PHHG) ist eine globale Vermittlungsplattform für Fahrdienste mit Hauptsitz in San Francisco, Kalifornien (USA).
  • Das Unternehmen ist weltweit in knapp 100 Ländern und über 10.000 Städten aktiv.
  • Zudem setzt Uber zunehmend auf Bereiche wie Food-Delivery (jüngstes Übernahme-Angebot für Delivery Hero im Juli 2026) und autonomes Fahren durch Partnerschaften mit Waymo, WeRide, Avride, Rivian und Lucid).
  • Uber ist im US-Leitindex S&P 500 vertreten und mit rund 142,7 Milliarden US$ bewertet.

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Fazit

Ubers Buchungen wachsen immer weiter an und sollen es auch nächstes Quartal. Die Fahrerknappheit und die teure Robotaxi-Wette sind echte Risiken, aber im Kurs, der noch ein Viertel unter dem Hoch liegt, ausreichend eingepreist. Die Aktie hat definitiv Potenzial, erfordert aber Geduld. Ob Uber sein Fahrerproblem im Winter in den Griff bekommt, entscheidet sich über die nächsten Quartale.

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