SpaceX-Aktie: Warum verkauft Musk keine Flüge mehr?
Nicht alle Falcon-Flüge werden eingestellt
Betroffen sind die Transporter- und Bandwagon-Missionen. Dabei teilen sich zahlreiche Unternehmen eine Falcon 9 und bezahlen lediglich für das Gewicht ihrer Satelliten. SpaceX verlangt derzeit mindestens 350.000 US$ für 50 Kilogramm Nutzlast in einen sonnensynchronen Orbit, jedes zusätzliche Kilogramm kostet 7.000 US$.
Für kleine Satellitenbetreiber war das bisher die günstigste Möglichkeit, eine Nutzlast ins All zu bringen. SpaceX soll nun jedoch aufgehört haben, neue Sammelflüge zu verkaufen. Einige Unternehmen konnten laut Wall Street Journal keine Starttermine nach 2028 mehr erhalten. Bereits vereinbarte Missionen sowie mehr als 50 Regierungsaufträge sollen weiterhin durchgeführt werden. SpaceX selbst hat die Berichte bislang nicht kommentiert.
Es handelt sich somit nicht um einen vollständigen Verkaufsstopp. SpaceX beginnt vielmehr, die kommerzielle Vermarktung der Falcon 9 herunterzufahren und Kapazitäten für den Übergang zu Starship freizuhalten.
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Starlink ist wichtiger als externe Kunden
Der wirtschaftliche Hintergrund liegt in der vertikalen Integration des Konzerns. SpaceX verdient nicht nur mit Raketenstarts, sondern baut mit denselben Raketen sein eigenes Starlink-Netzwerk auf. Jeder Start für einen externen Kunden blockiert damit Kapazitäten, die SpaceX auch für das wesentlich größere Satelliten- und Mobilfunkgeschäft nutzen könnte.
Von den ersten 107 Falcon-9-Missionen des laufenden Jahres dienten 81 dem Ausbau von Starlink. Inzwischen befinden sich mehr als 11.100 aktive Starlink-Satelliten im Orbit.
Ein externer Sammelflug bringt SpaceX zwar sofort Umsatz. Ein Starlink-Start schafft dagegen Infrastruktur, die über Jahre wiederkehrende Erlöse mit Internetanschlüssen, Mobilfunkdiensten und Regierungsverträgen erwirtschaften kann. Aus Sicht von SpaceX ist es deshalb nachvollziehbar, knappe Raketen- und Startplatzkapazitäten zunehmend für eigene Satelliten zu reservieren.
Langfristig soll Starship die Falcon 9 ersetzen. Die vollständig wiederverwendbare Rakete soll wesentlich mehr Nutzlast zu geringeren Grenzkosten transportieren. Damit könnten Sammelflüge später zurückkehren – allerdings mit deutlich größeren Transportkapazitäten und möglicherweise einem veränderten Preismodell.
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Die Raumfahrtbranche gerät unter Druck
Für Satellitenunternehmen kommt der Wechsel zu einem schwierigen Zeitpunkt. Die weltweite Nachfrage nach Starts dürfte das verfügbare Angebot mindestens bis zum Ende des Jahrzehnts übersteigen. Gleichzeitig befinden sich zahlreiche Alternativen noch in der Entwicklung oder kämpfen mit Verzögerungen.
Rocket Lab kann mit Electron einzelne Satelliten gezielter in ihren gewünschten Orbit bringen. Ein solcher eigener Flug ist jedoch deutlich teurer als ein Platz auf einer Falcon-9-Sammelmission. Die größere Neutron-Rakete ist ebenfalls noch nicht in den regelmäßigen Betrieb übergegangen.
Auch Firefly Aerospace, Blue Origin, United Launch Alliance und das französisch-deutsche Ariane-Programm könnten von der entstehenden Lücke profitieren. Ihnen fehlt bislang allerdings entweder die Startfrequenz, die bewiesene Zuverlässigkeit oder die günstige Kostenstruktur der Falcon 9. Für kleinere Satellitenfirmen könnten dadurch die Preise steigen und geplante Projekte später starten.
Genau darin liegt auch ein Risiko für SpaceX. Der Verkaufsstopp schafft Wettbewerbern erstmals die Gelegenheit, langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen. Sollte Starship nicht rechtzeitig einsatzbereit sein, könnte SpaceX auf externe Umsätze verzichten, ohne die fehlende Kapazität durch das neue System ersetzen zu können. Der nächste Starship-Test wurde zuletzt vom 22. auf den 28. September verschoben.
ℹ️ Space Exploration Technologies Corp. in Kürze
- SpaceX ist ein führendes privates Raumfahrtunternehmen mit dem Ziel, die Raumfahrt durch kostengünstige Raketen zu revolutionieren. Mittlerweile sind viele Raketenteile wiederverwendbar, somit wurde die Raumfahrt wesentlich preiswertet.
- Das Unternehmen wurde 2002 von Elon Musk gegründet und entwickelte sich zu einem der führenden Weltraumunternehmen der Welt. Der Konzern gliedert sich in die Sparten Raumfahrt, und Satelliten, verbunden mit Starlink sowie neuerdings in die KI-Sparte xAI.
- Die Aktie wird an der Nasdaq gelistet. Der Unternehmenswert liegt bei etwa 2,10 Billionen US$.
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Fazit
Finanziell dürfte der Verzicht auf weitere Sammelflüge verkraftbar sein. Starlink und künftig Starship besitzen für SpaceX ein wesentlich größeres Ertragspotenzial als einzelne Startplätze für kleine Satelliten. Strategisch erhöht das Unternehmen damit jedoch den Druck auf sich selbst. SpaceX setzt darauf, dass Starship die zuverlässigste Rakete der Welt rechtzeitig ersetzen kann. Gelingt dieser Übergang, stärkt der Schritt den eigenen Burggraben. Weitere Verzögerungen würden dagegen Wettbewerbern eine seltene Chance eröffnen – für die SpaceX-Aktie bleibt Starship damit der entscheidende Risikofaktor.