Siemens Energy-Aktie: Diese Kurstreiber sprechen für ein Comeback
Aktienrückkauf und Abspaltungsfantasie
Trotz der Kursschwäche gibt es mehrere Argumente für eine Erholung. Siemens Energy kauft seit dem 24. September eigene Aktien zurück. Bis Anfang Oktober summierten sich die Rückkäufe auf mehr als 2,1 Millionen Papiere. Das Programm unterstreicht das Vertrauen des Managements, ist jedoch kein Garant für eine kurzfristige Kurswende.
Zusätzliche Fantasie liefert die geplante Abspaltung der Sparte Transformation of Industry. Laut Bloomberg bereiten Banken Finanzierungspakete von bis zu sieben Milliarden € für einen möglichen Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung vor. Als Interessenten gelten CVC, EQT und Bain Capital. Eine Bewertung von mehr als zehn Milliarden € steht im Raum.
Da der Verkauf jedoch noch nicht in trockenen Tüchern ist, sollten Anleger diese Summen mit Vorsicht genießen. Aus der reinen Bereitstellung von Kreditzusagen oder geschätzten Bewertungen resultiert schließlich noch kein garantierter Mittelzufluss für den Konzern.
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Energiewende und KI als Wachstumstreiber
Auch aus strategischer Sicht bleibt Siemens Energy interessant. Der weltweite Ausbau der Stromnetze, der steigende Energiebedarf und der Boom bei KI-Rechenzentren schaffen langfristige Wachstumsperspektiven. Neue Kooperationen rund um digitale Energielösungen und sogenannte grüne Stromkorridore, unter anderem mit Partnern in Aserbaidschan und Zentralasien, könnten zudem zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der vergleichbare Umsatz um 18,5% auf rund 11,4 Milliarden €, der Gewinn je Aktie verbesserte sich um 80% auf 1,26 €. Der Auftragseingang erreichte 17,9 Milliarden €, wodurch der Auftragsbestand auf 162 Milliarden € zulegte. Für das Gesamtjahr erwartet das Management ein Umsatzwachstum von 14 bis 16% und eine Ergebnismarge vor Sondereffekten von 10 bis 12%.
Analysten optimistisch, Bewertung anspruchsvoll
RBC zählt Siemens Energy weiterhin zu seinen Favoriten und bestätigt ein Kursziel von 200 €. Die DZ Bank hob ihren fairen Wert von 128 auf 157 € an, blieb aber bei „Halten“. Der Konsens liegt bei knapp 200 € und signalisiert damit erhebliches Erholungspotenzial.
Mit einem erwarteten KGV von rund 33 ist die Aktie allerdings kein Schnäppchen. Im Vergleich zu GE Vernova mit einem geschätzten KGV um 60 erscheint Siemens Energy zwar deutlich günstiger. Entscheidend ist jedoch, ob das Wachstum tatsächlich in nachhaltig steigende Gewinne mündet. Insbesondere die Sanierung von Siemens Gamesa, mögliche Margennormalisierungen und höhere Finanzierungskosten bleiben Risiken.
Am 11. November richtet sich der Blick auf die Jahreszahlen. Für das Schlussquartal erwarten Analysten rund 12,6 Milliarden € Umsatz und einen Gewinn je Aktie in Höhe von 1,38 €. Neben der tatsächlichen Geschäftsentwicklung dürfte vor allem aber auch der Ausblick auf die kommenden Jahre entscheidend sein.
Charttechnik: Auf diese Marken kommt es an
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Nach dem Tief bei 131,28 € hat sich die Aktie zwar erholt, doch an der 50-Tage-Linie bei 147,33 € fehlen bislang die Anschlusskäufe. Darüber warten die Abwärtstrendlinie bei 151,32 € und die 200-Tage-Linie bei 154,31 € als Widerstände. Erst oberhalb dieser Marken würde sich das Bild nachhaltig aufhellen. Scheitert der Kurs erneut, droht ein Rücksetzer in die Unterstützungszone bei 131,28 bis 133,86 €.
ℹ️ Siemens Energy in Kürze
- Siemens Energy (WKN: ENER6Y) ist ein Elektro- und Energietechnikhersteller mit Sitz in München. Der Konzern stellt etwa Windkraftturbinen, Dampf- und Gasturbinen, Generatoren, Transformatoren und sonstige Kraftwerkstechnik her.
- Siemens Energy entstand 2020 durch eine Abspaltung aus dem Siemens-Konzern.
- Die Aktie ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX. An der Börse ist Siemens Energy aktuell mit etwa 123,9 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Ich bleibe trotz des angeschlagenen Chartbilds grundsätzlich bullisch gestimmt. Der Netzausbau, die Energiewende und der enorme Strombedarf neuer Rechenzentren eröffnen Siemens Energy langfristig attraktive Perspektiven. Der Aktienrückkauf und die Abspaltungspläne liefern zusätzliche Impulse. Kurzfristig muss der Konzern am 11. November allerdings beweisen, dass er die hohen Erwartungen erfüllen kann. Für langfristig orientierte Anleger könnte die aktuelle Kursschwäche dennoch eine interessante Einstiegsgelegenheit sein – idealerweise in Tranchen und mit Blick auf die charttechnischen Unterstützungen.
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