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ZEW-Index: Ist der Rückgang auf 28,1 Punkte nur eine Pause?

Konjunkturerwartungen unter Druck
Redaktion | Wirtschaft

Die Stimmung der Finanzprofis dreht erstmals seit fünf Monaten nach unten. Die ZEW-Konjunkturerwartungen fielen im Oktober um 6,6 Punkte auf 28,1 Punkte, während Volkswirte im Schnitt nur einen Rückgang auf 30 Punkte erwartet hatten. Gleichzeitig verbesserte sich die Lagebeurteilung deutlich stärker als prognostiziert. Beginnt hier eine neue Abwärtsbewegung oder nur eine Verschnaufpause im Aufschwung?

Fünf Monate Anstieg beendet

Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung am Dienstag in Mannheim veröffentlichte Indikator war zuvor fünf Monate in Folge gestiegen und hatte im September den höchsten Stand seit Februar erreicht. Vor dem Iran-Krieg lagen die Erwartungen bei plus 58,3 Punkten, bevor der Indikator mehrere Monate in den negativen Bereich abrutschte. Der aktuelle Rückschlag betrifft damit eine Erholung, die noch weit vom früheren Niveau entfernt ist.

Deutlich freundlicher fiel die Bewertung der aktuellen Lage aus. Der entsprechende Indikator stieg um 11,2 Punkte auf minus 35,9 Punkte, Ökonomen hatten lediglich mit minus 44,5 Punkten gerechnet. Die Einschätzung der Gegenwart bleibt damit klar negativ, bewegt sich aber schneller nach oben als gedacht. An der Umfrage beteiligten sich 178 Fachleute aus dem Finanzsektor.

Energiepreise und Zinsen belasten

ZEW-Präsident Achim Wambach sieht die deutsche Wirtschaft langsam aus der Stagnation herauskommen, doch der Aufschwung trage sich nicht selbst. Privater Konsum und private Investitionen blieben nach seiner Einschätzung schwach, "weil hohe Energiepreise die Realeinkommen drücken, die Produktionskosten erhöhen und die Inflation länger auf einem höheren Niveau halten".

Analystin Felicitas Henze von der Deutschen Bank führt den Stimmungsdämpfer auf die angespannte geopolitische Lage und die anhaltend hohen Öl- und Gaspreise zurück. Hinzu kommen nach ihrer Einschätzung jüngste politische Entwicklungen sowie Unsicherheit darüber, ob die im Sommer angekündigten Reformvorhaben zügig umgesetzt werden. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, verweist zusätzlich auf gestiegene Kapitalmarktzinsen: "Langfristige Finanzierungen verteuerten sich, was auch der Unternehmenssektor zu spüren bekommt." Nach einem dritten Quartal, in dem die deutsche Wirtschaft kaum vom Fleck gekommen sei, zeige der Indikator auch für das Schlussquartal keinen wesentlich neuen Schwung. Niedrige Pegelstände auf den deutschen Flüssen hätten zudem Lieferketten unterbrochen.

Lage in der Eurozone

Auch für die Eurozone verschlechterten sich die Konjunkturerwartungen. Der entsprechende Indikator fiel um 7,3 Punkte auf 18,5 Punkte, während sich die Beurteilung der aktuellen Lage kaum veränderte. Am Devisenmarkt geriet der Euro nach den ZEW-Daten nur zeitweise unter Druck und fiel auf ein Tagestief bei 1,1205 US-Dollar, bevor er sich im Mittagshandel wieder bis auf 1,1221 US-Dollar erholte.

Fazit

Wir sehen in den Oktoberdaten keinen Trendbruch, sondern eine Korrektur nach einem fünfmonatigen Anstieg. Die Lagekomponente hat sich mit plus 11,2 Punkten deutlich stärker verbessert als erwartet, bleibt aber mit minus 35,9 Punkten tief im negativen Bereich. Die moderate und nur vorübergehende Reaktion des Euro deutet darauf hin, dass der Markt den Rückgang der Erwartungen nicht als dramatisch einstuft.

Entscheidend dürfte sein, ob die Energiepreise nachgeben und die angekündigten Reformvorhaben tatsächlich zügig umgesetzt werden. Solange beides offen bleibt, dürfte die Erholung der deutschen Wirtschaft fragil bleiben. Für konjunktursensible Branchen wie Chemie, Bau und Konsum, die von hohen Energiekosten und gestiegenen Finanzierungskosten besonders betroffen sind, erscheint daher weiterhin Zurückhaltung angebracht, bis sich die Kostenseite spürbar entspannt.

Quelle: dpa-AFX

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