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US-Regierung erwägt neue Angriffe auf den Iran

Unsicherheit wächst
Redaktion | Wirtschaft

Die Berichte über mögliche neue US-Angriffe auf iranische Ziele treffen auf einen Ölmarkt, der durch die Blockade der Straße von Hormus bereits angespannt ist. Laut "Axios" und NBC News könnten größere Militäreinsätze in den kommenden Wochen wieder aufgenommen werden, noch vor den Zwischenwahlen am 3. November. Was bedeutet eine solche Eskalation für Energiepreise und die betroffenen Aktiengruppen?

Camp David und das Pentagon

Nach Darstellung von NBC News hat Trumps Team für die nationale Sicherheit vergangene Woche bei einem Treffen in Camp David im US-Bundesstaat Maryland über die weitere Strategie gegenüber dem Iran und der Huthi-Miliz im Jemen beraten. Im Anschluss habe das Militär neue Handlungsoptionen für den Iran vorbereitet, die der Präsident prüfen sollte. Die Zeitschrift "The Atlantic" berichtet, das Weiße Haus habe das Pentagon gebeten, Angriffsoptionen gegen iranische Ziele noch vor den Midterms zu entwickeln.

Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen. Die Gespräche über mögliche neue Angriffe fanden bereits vor einigen Tagen statt. "Axios" berichtet unter Berufung auf Insider, dass im Falle einer Wiederaufnahme größerer Militäreinsätze diese "voraussichtlich massive Bombardierungen iranischer Energie-, Infrastruktur- und Nuklearanlagen" umfassen würden. Am 3. November wählen die Amerikaner rund ein Drittel des Senats neu sowie das gesamte Repräsentantenhaus.

Hormus treibt die Preise

Die Blockade der Straße von Hormus hat Lebenshaltungskosten und Spritpreise in den USA rasant nach oben getrieben, entsprechend unbeliebt ist der Krieg in der US-Bevölkerung. Der gestörte Rohstoffhandel in der Meerenge hat die Ölpreise in den vergangenen Monaten steigen lassen. Eine militärische Eskalation könnte die bereits hohen Notierungen weiter verteuern, zumal mögliche Ziele ausdrücklich die iranische Energieinfrastruktur einschließen würden.

Gewinner und Verlierer

Für Öl- und Gasproduzenten außerhalb der Golfregion wären höhere Notierungen zunächst ein Rückenwind für Umsatz und Cashflow, ebenso für Anbieter von Tankerkapazität, deren Raten bei gestörten Seewegen üblicherweise anziehen. Auch Rüstungswerte reagieren erfahrungsgemäß auf eine absehbare Ausweitung militärischer Einsätze.

Belastet würden energieintensive Industrien, Chemie- und Transportunternehmen sowie Fluggesellschaften, bei denen Kerosin einen erheblichen Kostenblock bildet. Hinzu kommt der Konsum. Klettern Spritpreise und Lebenshaltungskosten weiter, bleibt weniger Kaufkraft für Einzelhandel und zyklische Konsumgüter. Steigende Energiepreise erschweren zudem den Weg zu sinkenden Inflationsraten, was Zinssenkungsfantasien dämpfen und damit besonders hoch bewertete Wachstumsaktien belasten könnte.

Fazit

Aus unserer Sicht handelt es sich bislang um Planungsszenarien, die noch keine beschlossene Politik sind. Darin liegt für Anleger das Problem: Der Markt muss ein Risiko bepreisen, dessen Eintritt von einer einzelnen Entscheidung im Weißen Haus abhängt. Ob die Pläne vor dem Wahltermin umgesetzt werden, bleibt offen, denn der innenpolitische Druck durch unpopuläre Energiepreise wirkt in beide Richtungen.

Wir halten es für verfehlt, Depots jetzt auf ein Eskalationsszenario auszurichten, das noch nicht entschieden ist. Wer bereits Energie- oder Rüstungstitel hält, könnte diese Positionen laufen lassen, während Neuengagements allein auf Basis von Medienberichten eine schwache Grundlage hätten. Bei stark energiepreisabhängigen Geschäftsmodellen könnte es sinnvoll sein, Zukäufe zu vertagen, bis die Lage in der Meerenge klarer ist. Das Hauptrisiko dieser Zurückhaltung liegt darin, einen abrupten Preissprung zu verpassen, sollte es tatsächlich zu Angriffen kommen.

Quelle: dpa-AFX

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