Spritpreis: Kommt die Entlastung wirklich schon ab 1. Oktober?
Der Spritpreis macht weiter, was er zuletzt immer gemacht hat: Er steigt. E10 kostete heute im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,30 € pro Liter, schon der vierte Rekord in direkter Folge, ein Plus von 1,4 Cent gegenüber dem Vortag. Zum letzten Vorkriegstag beträgt der Aufschlag mittlerweile mehr als 52 Cent pro Liter. Bei Diesel sieht es nicht besser aus. 2,422 € pro Liter, ein weiterer Anstieg um einen Cent, und der bisherige Rekord von 2,447 € aus dem April rückt spürbar näher. Im Vergleich zum Stand vor Ausbruch des Iran-Krieges hat sich der Dieselpreis um fast 68 Cent pro Liter erhöht. Das Spritpreisportal "Tankerkönig" meldete heute Vormittag außerdem leicht höhere Preise als zu den vergleichbaren Zeitpunkten am Dienstag, eine schnelle Entspannung ist also nicht in Sicht.
Politik sucht nach Antworten
In Berlin dreht sich die Debatte darum, wie man die Lage schnell in den Griff bekommt. Unionsfraktionschef Thorsten Frei will Sofortmaßnahmen zum 1. Oktober und schließt eine schnelle Entspannung bei den Ursachen ausdrücklich aus. Im Gespräch sind eine erneute Absenkung der Energiesteuer nach dem Vorbild des Tankrabatts von Mai und Juni sowie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf 7 Prozent. Bundeskanzler Friedrich Merz hat heute ebenfalls Entlastungen angekündigt, Finanzminister Lars Klingbeil begrüßte die Äußerungen. Die SPD hingegen hat zusätzlich eine Übergewinnsteuer und einen Spritpreisdeckel im Blick, was die Union ablehnt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt lieber auf Direktzahlungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen, doch laut Finanzministerium liegen bislang nur von 19 Prozent der Steuerpflichtigen die nötigen Bankverbindungen vor.
Experten bremsen die Erwartungen
Ifo-Experte Florian Neumeier hält von breiten Maßnahmen wenig. Einen erneuten Tankrabatt lehnt er ab, auch einem Preisdeckel steht er skeptisch gegenüber: Es sei ihm keine Studie bekannt, die zeige, dass ein solcher die Preise wirklich senke. Eine Übergewinnsteuer würde ebenfalls nicht zu günstigerem Sprit führen. Er spricht sich stattdessen für direkte Transfers an einkommensschwache Haushalte aus, die auch Menschen ohne Auto einschließen, die unter teuren Heizöl- oder Gaspreisen leiden.
Was das für Aktien bedeuten könnte
Meiner Meinung nach bleibt die Lage für Mineralölkonzerne wie BP, Shell oder TotalEnergies vorerst komfortabel, da hohe Spritpreise die Margen stützen. Sollte eine Übergewinnsteuer tatsächlich kommen, was politisch schwer umsetzbar ist, wären die Gewinne dieser Branche unmittelbar betroffen. Rohöl, der wichtigste Preistreiber, zeigte heute Vormittag erste leichte Entspannungstendenzen, doch ob und wie schnell das an deutschen Zapfsäulen ankommt, bleibt offen.
Quelle: dpa-AFX
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