Die Rheinmetall-Aktie hat seit Montag rund 100 € verloren. Am Donnerstag fiel sie im Tagesverlauf bis auf 994,40 € und schloss am Abend bei rund 1.009 €. Die zweiwöchige Erholungsphase davor ist vorerst beendet. Zuletzt belastete auch eine Kurszielsenkung der UBS, die vor dem Kapitalmarkttag Ende November vorsichtigere Unternehmensziele erwartet. Gerät die Aktie weiter unter Druck oder findet sie endlich Halt?
UBS dämpft die Erwartungen
UBS-Analyst Sven Weier hat das Kursziel am Dienstag von 1.600 € auf 1.360 € gesenkt. Die Einstufung "Buy" behält er bei. Gemessen am Donnerstagsschluss bleibt damit ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von gut 30%. Weier erwartet, dass Rheinmetall auf dem Kapitalmarkttag am 26. und 27. November keine immer höheren Ziele mehr ausgibt, wie es in den Vorjahren der Fall war. Mit konservativeren Vorgaben könnte der Konzern seiner Ansicht nach erneute Enttäuschungen vermeiden. Er hält es aber auch für möglich, dass der Vorstand im Rüstungsgeschäft wieder offensiver auftritt.
Die Kursziele der Analystenhäuser gehen weit auseinander. Bernstein Research bleibt bei "Outperform" mit einem Ziel von 1.200 €. Berenberg hatte die Aktie bereits Anfang Oktober auf "Hold" abgestuft und das Kursziel auf 1.020 € gesenkt. Im Durchschnitt liegen die Ziele trotzdem noch bei gut 1.550 €, und die Mehrheit der Häuser empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf.
Neue Werft in Rumänien
Parallel baut Rheinmetall seine Kapazitäten weiter aus. Zusammen mit der Schweizer Reederei MSC erhielt der Konzern bei einer Auktion den Zuschlag für die Mangalia-Werft südlich von Constanța. Die beiden Partner zahlen dafür gemeinsam 138 Millionen €. Nach Unternehmensangaben soll der Kauf in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Rheinmetall will in Mangalia vier Marineschiffe für Rumänien bauen, darunter zwei Hochsee-Patrouillenschiffe. Von dort aus sollen außerdem weitere Schiffbauprojekte in Südosteuropa angegangen werden.
Gemessen an der Größe des Konzerns ist der Kaufpreis überschaubar. Für mich zählt vor allem, dass Rheinmetall damit Fertigungskapazität für bereits vergebene Marineaufträge sichert. Nach dem zweiten Quartal lag der Auftragsbestand bei rund 80 Milliarden €, bis zum Jahresende rechnet der Konzern mit 100 Milliarden €. Gegen die Aktie sprechen Berichte über Verzögerungen beim Flugabwehrsystem Skyranger. Die Bundeswehr plant deshalb eine Zwischenlösung.
Bewertung bleibt anspruchsvoll
Analysten erwarten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 37,33 € für 2026 und 53,85 € für 2027. Beim aktuellen Kurs ergibt sich daraus ein KGV von etwa 27 für 2026 und knapp 19 für 2027. Innerhalb eines Jahres hat die Aktie rund 43% verloren und liegt weit unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.922 €. Ein Schnäppchen ist sie trotzdem nicht, denn das KGV für 2027 setzt einen Gewinnanstieg von mehr als 40% voraus. Genau deshalb sind vorsichtigere Mittelfristziele für den Kurs so heikel.
Fazit
Aus meiner Sicht könnte ein vorsichtigerer Ausblick auf dem Kapitalmarkttag die Aktie mittelfristig eher stützen als belasten. Nach früheren Enttäuschungen würden erreichbare Ziele Vertrauen zurückbringen, und jede spätere Anhebung wäre dann eine positive Überraschung. Bis Ende November dürfte die Unsicherheit aber anhalten. Die Bewertung lässt wenig Raum für Fehler, falls die neuen Ziele deutlich unter den Markterwartungen liegen.
Entscheidend wird nun sein, ob die runde Marke als Unterstützung hält und der Vorstand ein glaubwürdiges Wachstumsbild für die kommenden Jahre zeichnet. Hält sie, könnten bestehende Aktionäre ihre Position weiter laufen lassen. Für einen Neueinstieg sehe ich vor dem Kapitalmarkttag noch keinen zwingenden Grund. Anleger könnten die Entwicklung bis dahin von der Seitenlinie aus beobachten und einen Kauf erst erwägen, wenn die neuen Ziele vorliegen.
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