Quelle: ChatGPT

Rheinmetall-Aktie -4%: Ist die Erholung schon wieder vorbei?

Rüstungswerte unter Druck

Die Erholungsrally der Rheinmetall-Aktie ist am heutigen Montag jäh unterbrochen worden. Bis zum Vormittag rutschte das Papier um 4,3% auf 1.043 € ab und ist damit der größte Verlierer im DAX. Noch am Freitag hatte der Rüstungskonzern um gut 6% auf 1.090 € zugelegt. Eine Unternehmensmeldung gibt es nicht, dafür ein Dekret aus Washington, das ein neues Sanktionspaket gegen Russland auf Eis legt. Damit stellt sich die Frage: Wie belastbar ist die jüngste Erholung, wenn schon ein politisches Entspannungssignal die Aktie so deutlich unter Druck setzt?

Trump stoppt die Sanktionen

US-Präsident Donald Trump hat am Freitag ein vom Kongress beschlossenes Sanktionspaket kurz vor dessen Inkrafttreten ausgesetzt. Das im September unterzeichnete Gesetz sah Strafmaßnahmen gegen Regierungs- und Militärvertreter, große Banken und die russische Schattenflotte vor. Hinzu kamen Zölle auf russische Waren und auf Güter aus Ländern, die weiterhin russisches Öl und Gas kaufen. Die Maßnahmen wären 30 Tage nach der Unterzeichnung automatisch wirksam geworden.

Gegenüber dem Kongress begründete Trump den Schritt mit dem nationalen Interesse der USA, aus beiden Parteien kam umgehend Kritik. Außenminister Marco Rubio erklärte, der Präsident wolle sich bis zu 60 Tage Zeit nehmen, um die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen und Zölle zu prüfen. Zusätzlichen Druck auf den Rüstungssektor brachte das Signal von Wladimir Putin, er sei an einem Gipfel mit den USA und China interessiert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte dagegen, die Lockerung könne später auf weitere Bereiche ausgedehnt werden.

Steile Erholung, schneller Rückschlag

Der heutige Rückgang trifft eine Aktie, die zuvor kräftig angezogen hatte. Vom Schlusskurs von 953,40 € am vergangenen Dienstag stieg sie bis Freitag auf 1.090,20 €, ein Plus von rund +14% in nur drei Handelstagen. Dabei überwand sie die 100-Tage-Linie. Mit 1.043 € liegt das Papier noch über dem Schlusskurs vom Donnerstag bei 1.026 €. Seit dem Jahresschluss 2025 bei 1.561 € summiert sich das Minus aber auf rund -33%, und am 9. Oktober notierte die Aktie mit 927 € nur knapp über ihrem 12-Monatstief von 902 €.

Dass Friedenssignale die Aktie so stark bewegen, liegt an den Erwartungen: Der Markt traut Rheinmetall auf Jahre hinaus hohe Verteidigungsausgaben zu, und jedes Entspannungssignal stellt diese Annahme kurzfristig infrage. Daneben gibt es hausgemachte Themen. Trotz voller Auftragsbücher hat der Konzern seine Umsatzprognose für 2026 gesenkt. Auf der Habenseite stehen die vorzeitig verlängerte und auf 1,5 Milliarden € verdoppelte syndizierte Kreditlinie sowie der Start einer neuen Munitionsfertigung in Spanien.

Bewertung bleibt sportlich

Beim Kurs von rund 940 € vor gut einer Woche lag das Forward-KGV auf Basis der Konsensschätzungen für 2026 bei 27,8. Nach der Erholung auf 1.043 € ergibt sich rechnerisch ein Wert von rund 31. Damit zahlen Anleger bereits einen deutlichen Gewinnanstieg im Voraus, und für Enttäuschungen bei den Aufträgen bleibt wenig Puffer.

Unter den Analysten gehen die Meinungen weit auseinander. Berenberg hat die Aktie Anfang Oktober von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel von 1.600 € auf 1.020 € gekappt. Die Privatbank hat 417 Aufträge durchgerechnet und sieht nach 2030 eine Lücke, die erst noch geschlossen werden muss. Bernstein Research bestätigte am heutigen Montag die Einstufung "Outperform" mit einem Kursziel von 1.200 €, RBC sieht vor den Quartalszahlen 1.600 €, die Deutsche Bank sogar 1.800 €.

Fazit

Ich bewerte den heutigen Abschlag als Stimmungsreaktion, die vor allem zeigt, wie stark die Rheinmetall-Aktie inzwischen an Schlagzeilen aus Washington und Moskau hängt. Ein ausgesetztes Sanktionspaket ist noch kein Waffenstillstand, und Rubios Prüffrist lässt die weitere Linie der USA offen. Belastbar ist die Erholung aus meiner Sicht nur bedingt, solange sie vor allem von der politischen Nachrichtenlage getragen wird. Schwerer als die Sanktionsfrage wiegt für mich die gesenkte Umsatzprognose, und bis zu einer Klärung dürfte die Aktie schwankungsanfällig bleiben.

Entscheidend wird nun sein, ob die anstehenden Quartalszahlen zeigen, dass die gekappte Prognose hält und neue Großaufträge die von Berenberg beschriebene Lücke verkleinern. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten, denn die Mehrheit der genannten Analysten sieht weiterhin deutliches Kurspotenzial. Für einen Neueinstieg ist mir die Bewertung bei dieser Nachrichtenlage zu ambitioniert, zumal die Rally der Vorwoche bereits viel Erholung vorweggenommen hat. Interessierte könnten die Quartalszahlen abwarten und erst danach über eine Position nachdenken.

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