Ölpreis: Hält die Risikoprämie Brent über 106 US-Dollar?
Der Ölmarkt hat am Montag erneut nach oben gedreht. Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent kostete zuletzt 106,35 US$ und damit rund anderthalb Prozent mehr als am Freitag, nachdem die Notierungen im frühen Handel noch leicht nachgegeben hatten. Damit stellt sich die Frage: Trägt die geopolitische Lage den Ölpreis weiter, oder ist die Luft nach den Gewinnen der Vorwoche bald raus?
Der Ukraine-Krieg bewegt
Am Markt wurde die Bewegung mit den jüngsten Entwicklungen im Krieg zwischen Russland und der Ukraine erklärt. Der ukrainische Präsident Volodymyr Selenskyj hatte erklärt, in den vergangenen Tagen habe es keine Berichte über Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur gegeben. Gleichzeitig stellte er klar, dass ein Stopp solcher Angriffe auf Gegenseitigkeit beruhen müsse.
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erneut einen "Energie-Waffenstillstand" zwischen beiden Ländern angekündigt. Kiew sieht darin allerdings bereits einen Verstoß und beschuldigt das russische Militär, seine Angriffe fortgesetzt und ein Heizkraftwerk schwer getroffen zu haben. Russland selbst hat die von Trump verkündete Waffenruhe für gegenseitige Angriffe auf Energieobjekte nicht bestätigt.
Hormus bleibt das Hauptproblem
Ole Sloth Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, beschrieb die Orientierungslosigkeit am Markt deutlich: "Die Händler scheinen sich derzeit unsicher zu sein, in welche Richtung sie sich orientieren sollen, und das kann man ihnen kaum verdenken." Nach seiner Einschätzung dürften ein möglicher Anstieg der russischen Dieselexporte und der von Trump behauptete "Energie-Waffenstillstand" kaum nennenswerte Auswirkungen auf den Preis haben. Entscheidend bleibe aus seiner Sicht die Lage im Nahen Osten mit der Behinderung von Öltransporten durch die Straße von Hormus.
Für Anleger ist diese Gewichtung der wesentliche Punkt. Das aktuelle Preisniveau speist sich damit vor allem aus einer Prämie für Transportrisiken. Ölkonzerne und Förderunternehmen profitieren davon unmittelbar über höhere Realisationspreise, während energieintensive Industrien, Fluggesellschaften und Transportunternehmen die höheren Kosten tragen müssen.
Fazit
Der Ölpreis wird aus unserer Sicht derzeit vor allem von einer Risikoprämie getragen, die sich binnen Tagen auflösen könnte. Die diplomatischen Signale rund um einen Energie-Waffenstillstand sind widersprüchlich, bestätigt ist bislang nichts. Entscheidend wird nun sein, ob die Behinderung der Öltransporte durch die Straße von Hormus anhält, denn daran hängt nach Einschätzung der Saxo Bank das eigentliche Preisrisiko. Solange dieser Engpass besteht, dürfte Öl gut unterstützt bleiben, und Anleger in Energiewerten könnten investiert bleiben. Für neue Positionen auf der Long-Seite könnte es nach den Gewinnen der vergangenen Woche ratsam sein, zunächst abzuwarten, da ein Durchbruch in den Verhandlungen die Prämie schnell abschmelzen ließe. Wer bei Transportwerten oder in energieintensiven Branchen engagiert ist, könnte die Margenentwicklung bei anhaltend hohen Energiekosten genauer im Blick behalten.
Quelle: dpa-AFX
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