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Ölpreis -1,29%: Hält der Risikoaufschlag nach Trumps Dementi?

Rohöl im Rückwärtsgang
Redaktion | Wirtschaft

Der Brent-Preis ist am heutigen Freitag im frühen Handel unter Druck geraten und verliert 1,29% auf 102,93 US$ je Barrel. Noch am Vortag war die Nordseesorte auf fast 106 US$ gestiegen, nachdem US-Medien über mögliche neue Angriffe auf den Iran berichtet hatten. Ein Dementi von US-Präsident Donald Trump drehte die Richtung am Abend. Damit stellt sich die Frage: Wie belastbar ist der geopolitische Risikoaufschlag im Ölpreis?

Trump dementiert Angriffspläne

Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump, die USA würden den Iran zu keinem Zeitpunkt vor den Zwischenwahlen am 3. November angreifen. Gleichzeitig sprach er von "konstruktiven Gesprächen" mit Teheran. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hatte zuvor über seinen Telegramkanal mitgeteilt, man prüfe eine Antwort aus Washington auf einen übermittelten "Sieben-Tage-Plan" und wolle in wenigen Tagen reagieren.

Ausgelöst hatte den vorherigen Preissprung die Berichterstattung von "Axios" und NBC News. Beide Medien hatten unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen geschrieben, die US-Regierung erwäge größere Militäreinsätze gegen Ziele im Iran in den kommenden Wochen. Eine Entscheidung darüber ist bislang nicht gefallen. Genau diese Unklarheit erklärt, warum der Markt innerhalb eines Tages einen deutlichen Aufschlag wieder abgeben konnte.

Versorgung gegen Kriegsrisiko

Seit Anfang Oktober schwanken die Ölpreise stark, getrieben vom anhaltenden Krieg zwischen den USA und dem Iran. Die Lieferungen aus dem Nahen Osten haben wieder zugenommen, was die physische Versorgung verbessert. Dem stehen häufigere Angriffe auf Schiffe, stark gestiegene Frachtraten und neue Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den vom Iran unterstützten Huthi im Jemen gegenüber. Die Versorgung mit Ölprodukten bleibt angespannt.

Trump bezifferte den Transport durch die Straße von Hormus für die vergangene Nacht auf 22 Millionen Barrel, ohne Einzelheiten zu nennen. Diese Menge läge über dem üblichen Tagesvolumen vor Kriegsbeginn und über den jüngsten Schätzungen von Branchenvertretern. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit den Weltmärkten und bleibt der kritische Punkt für jede Eskalation.

Händler meiden Short-Wetten

Chris Weston vom Finanzdienstleister Pepperstone sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, das Risiko einer Lieferunterbrechung durch weitere militärische Eskalation halte Händler davon ab, stärker auf fallende Preise zu setzen und sich auf einen dauerhaften Rückgang unter 100 US$ einzustellen. Nach seiner Einschätzung stehen sich am Markt geopolitische Risikoaufschläge und die verbesserte tatsächliche Versorgungslage gegenüber.

Ein Brent-Preis über 100 US$ stützt die Erlöse von Öl- und Gasförderern sowie von Ölfelddienstleistern, deren Gewinne überproportional auf Preisänderungen reagieren. Belastet werden dagegen Fluggesellschaften, Reedereien und Logistikkonzerne, bei denen Treibstoff und die genannten Frachtraten direkt in die Kostenbasis laufen. Auch energieintensive Industrien wie Chemie und Baustoffe bekommen ein anhaltend hohes Preisniveau in den Margen zu spüren.

Fazit

Für uns bleibt der aktuelle Ölpreis vor allem ein politischer Preis. Das Dementi verschiebt das Eskalationsrisiko bis zu den Zwischenwahlen, es beseitigt es nicht, und die iranische Antwort steht kurzfristig an. Entscheidend wird nun sein, ob die verbesserte Versorgungslage stark genug ist, um den Risikoaufschlag abzubauen, sobald die Wahl vorbei ist. Solange die Straße von Hormus offen bleibt und die Lieferungen aus dem Nahen Osten weiter zunehmen, spricht aus unserer Sicht mehr für nachgebende als für steigende Notierungen. Wer auf Ölwerte setzt, kauft damit vor allem eine Wette auf die Eskalation, und das halten wir für eine schwer kalkulierbare Grundlage. Anleger könnten die Entwicklung bis zur Klärung der politischen Lage von der Seitenlinie aus beobachten.

Quelle: dpa-AFX

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