Krones-Aktie -4%: Jetzt günstig nach der Prognosesenkung?
Krones hat am heutigen Donnerstag per Ad-hoc-Mitteilung seine Wachstumsziele deutlich zurückgenommen. Für 2028 plant der Abfüllanlagenhersteller nur noch mit 6,0 bis 6,2 Milliarden € Umsatz statt mit rund 7 Milliarden €. Die Aktie rutschte im Tagesverlauf zeitweise um fast 9% ab und notierte am frühen Nachmittag bei 110,40 €, ein Minus von -3,8% gegenüber dem Vortag. Damit stellt sich die Frage: Bietet der Kursrutsch eine Chance?
Wachstum kommt kaum voran
Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand nur noch ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 1 bis 2%. Bisher hatte Krones 3 bis 5% in Aussicht gestellt. Die Ziele für die EBITDA-Marge von 10,7 bis 11,1% und für die Kapitalrendite ROCE von 19 bis 20% gelten für 2026 weiterhin. Für 2028 senkt der Konzern die Spanne der EBITDA-Marge von 11 bis 13% auf 11 bis 12%, das ROCE-Ziel von mehr als 20% bleibt bestehen. Als Gründe nennt Krones geopolitische Belastungen, steigende Kosten bei den Kunden und die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit. Diese Faktoren dürften vor allem das Umsatzwachstum im vierten Quartal bremsen.
Die vorläufigen Neunmonatszahlen zeigen, wie schwach das Wachstum zuletzt war. Währungsbereinigt stieg der Umsatz um 0,8% auf rund 4,14 Milliarden €, nominal waren es etwa 4,10 Milliarden €. Darin steckt ein negativer Effekt von rund 20 Millionen € aus zurückerstatteten US-Zöllen. Das EBITDA legte um rund 5% auf etwa 453 Millionen € zu. Dabei half ein positiver Sondereffekt von rund 10 Millionen € aus denselben Erstattungen. Ohne diesen Effekt lag die EBITDA-Marge bei rund 10,8%. Den vollständigen Quartalsbericht legt Krones am 6. November vor.
Kunden zögern mit Investitionen
Das erste Halbjahr hatte noch nach anhaltender Nachfrage ausgesehen. Im ersten Quartal stieg der Auftragseingang um 5,3% auf 1.512,1 Millionen €, im zweiten Quartal um 3,5% auf 1.340,4 Millionen €. Krones selbst bezeichnete die Investitionsbereitschaft der Kunden damals als robust. Bernstein Research rechnete vor der Mitteilung dagegen bereits mit einem schwachen Quartal, weil das Auftragswachstum ins Stocken gerate.
Ich lese die Prognosesenkung als deutliches Signal aus der Getränkeindustrie. Wenn Abfüller selbst unter steigenden Kosten leiden, schieben sie Investitionen in neue Linien auf oder strecken sie. Für einen Anlagenbauer mit großem Projektgeschäft verschiebt sich dadurch der Umsatz nach hinten. Am schwersten wiegt für mich das Ziel für 2028: Ein Abschlag von bis zu 1 Milliarde € zeigt, dass das Management die Zurückhaltung der Kunden für eine längere Phase erwartet. Positiv sehe ich, dass Krones die Profitabilität trotz des schwachen Wachstums gehalten hat. Die gekappte Obergrenze beim Margenziel zeigt allerdings, dass von wachsenden Stückzahlen künftig weniger Rückenwind kommen dürfte.
Bewertung zunehmend günstig
Für 2026 erwarten Analysten im Konsens einen Gewinn je Aktie von 10,23 € nach 9,45 € im Vorjahr. Beim aktuellen Kurs ergibt sich daraus ein KGV von rund 10,8 für 2026. Für ein Unternehmen mit einer Kapitalrendite um 20% halte ich das für niedrig. Die Schätzungen dürften nach der Prognosesenkung allerdings eher sinken. Die zuletzt gezahlte Dividende von 2,80 € entspricht einer Rendite von rund 2,5%. Vom 52-Wochen-Hoch bei 142,60 € aus dem Januar ist die Aktie rund 23% entfernt, das 52-Wochen-Tief liegt bei 104,00 €. Charttechnisch hat der Kurs die 100-Tage-Linie nach unten durchbrochen.
Analysten bleiben uneins
Bernstein Research bestätigte nach der Mitteilung die Einstufung "Market-Perform" mit einem Kursziel von 111 €. Analyst Benjamin Thielmann hält die gesenkten Ziele für die richtige Entscheidung. Die Deutsche Bank hatte ihr Kursziel erst am Vortag von 170 € auf 167 € gesenkt und die Einstufung "Buy" bestätigt. Dabei ging sie allerdings noch von einem organischen Umsatzplus von 2,5% aus. MPCM senkte das Ziel am 14. Oktober von 191 € auf 177 € und blieb bei "Buy". Viele dieser Kursziele beruhen noch auf dem alten Wachstumspfad. Ich rechne daher mit weiteren Senkungen.
Fazit
Aus meiner Sicht hat Krones vor allem ein Wachstumsproblem. Ertragskraft und Kapitalrendite sind weiterhin intakt. Bei der aktuellen Bewertung ist bereits viel Skepsis im Kurs enthalten. Ein Auslöser für eine Erholung fehlt aber, solange die Kunden mit Investitionen zögern. Entscheidend wird nun sein, ob der Auftragseingang im dritten Quartal stabil bleibt, was der vollständige Bericht zeigen wird. Bricht er weg, könnte auch das abgesenkte Ziel für 2028 unter Druck geraten. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten, da die niedrige Bewertung und die bestätigten Renditeziele das Abwärtsrisiko begrenzen dürften. Für einen Neueinstieg würde ich die Quartalszahlen abwarten. Interessant könnte er werden, wenn sich die Bestellungen stabilisieren und die Aktie sich oberhalb des 52-Wochen-Tiefs hält.
Krones kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über Krones und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
Krones weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »