+++ Dieser kleine Explorer will Europas Rohstoff-Lücke schließen und die Abhängigkeit von China verringern. Jetzt mehr erfahren +++
chatGPT

IWF-Prognose: Reichen 1,3% Wachstum für den nächsten Aktien-Schub?

Aufschwung mit Fragezeichen
Redaktion | Wirtschaft

Der Internationale Währungsfonds hebt seine Wachstumsprognose für Deutschland für 2026 auf 1,3% an, nachdem er im Juli noch von 0,7% ausgegangen war. Damit hat sich die erwartete Dynamik binnen weniger Monate nahezu verdoppelt, getragen von staatlichen Investitionen und einem robusten Außenhandel. Was bedeutet die Kehrtwende der Konjunkturprognosen für Anleger am deutschen Aktienmarkt?

Der IWF folgt Berlin

Für das kommende Jahr rechnet der IWF mit einem Zuwachs von 1,1%, 0,1 Punkte mehr als in der vorherigen Schätzung. Beide Werte decken sich exakt mit den Prognosen, die die Bundesregierung in der vergangenen Woche vorgelegt hatte. Das Bundeswirtschaftsministerium begründet den Optimismus mit der überraschend starken Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) führt zwei Drittel der Aufhellung auf staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung zurück, ein Drittel auf die Exporte. Der Außenhandel profitierte zeitweise sogar von den weltweiten Engpässen: Angesichts des Konflikts in der Golfregion stockten Käufer ihre Lagerbestände mit energieintensiven Gütern wie Stahl, Dünger und Aluminium aus deutscher Produktion auf. Auch deutsche Zulieferer im Umfeld der Künstlichen Intelligenz verzeichnen Rückenwind.

Bauwerte und Rüstung im Fokus

Für die Börse ist entscheidend, woher das Wachstum kommt. Beruhen zwei Drittel der Verbesserung auf Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben, trifft der Impuls zuerst Bau- und Baustoffwerte, Infrastrukturdienstleister sowie Rüstungsunternehmen. Solche Aufträge sind politisch beschlossen und laufen über mehrere Jahre, was den betroffenen Unternehmen eine ungewöhnlich gute Planbarkeit verschafft.

Die Exportseite ist fragiler. Ein Lageraufbau bei Stahl, Dünger und Aluminium bleibt ein einmaliger Effekt. Sobald die Lager gefüllt sind, fällt dieser Nachfrageschub weg, während die höheren Energiepreise genau diese energieintensiven Branchen auf der Kostenseite belasten.

Das Risiko heißt Tech

Für die Eurozone hebt der IWF die Prognose für 2026 auf 1,1% an, 0,2 Punkte mehr als im Juli, für das Folgejahr bleibt es bei 1,2%. Getragen wird das vor allem von einer sehr starken Erholung in Irland und anhaltender Dynamik in Spanien, während die Wirtschaftsaktivität in den übrigen Euro-Ländern weitgehend stabil blieb. Höhere Energiepreise und ein schwaches Verbrauchervertrauen bremsen dort das Wachstum. Weltweit erwartet der IWF 2026 ein Plus von 3,1% nach zuvor 3,0% und hält für das Folgejahr an 3,4% fest.

Dass der Ölpreis-Schock nach der Blockade der Straße von Hormus den globalen Aufschwung nicht abgewürgt hat, erklärt der IWF mit einer höheren Widerstandsfähigkeit gegen Energieschocks, einer ausgeweiteten Förderung außerhalb des Persischen Golfs, dem Anzapfen strategischer Reserven und einer schwächeren Nachfrage aus China. Deutlich warnt das Institut dagegen vor dem KI-Thema: Messbare Produktivitätssprünge gebe es nur in einzelnen Bereichen, in gesamtwirtschaftlichen Daten wie den Löhnen sei der Schub bislang kaum sichtbar. Erweise sich der KI-Hype als ungerechtfertigt, drohe ein deutlicher Abverkauf von Tech-Aktien, der das globale Wachstum dämpfen könnte.

USA bleiben bei 2,3 Prozent

Für die US-Wirtschaft belässt der IWF die Prognose bei 2,3% für dieses Jahr, auch 2027 dürften die Vereinigten Staaten in dieser Größenordnung zulegen, minimal mehr als zuvor erwartet. Begründet wird das mit anhaltenden Konsumausgaben, kräftigen Unternehmensinvestitionen in neue Technologien, staatlicher Wirtschaftspolitik, günstigen Krediten und hoher Produktivität. Als Nettoenergieexporteur spürt das Land die Folgen der Energiekrise nach dem Iran-Krieg nur begrenzt, während ärmere und importabhängige Länder deutlich mehr für Öl, Gas und Lebensmittel zahlen und zugleich unter abwertenden Währungen leiden.

Fazit

Wir lesen die angehobene Prognose als fiskalisch finanzierten Aufschwung mit schmaler Basis, nicht als breite Konjunkturwende. Werte, die unmittelbar an Infrastruktur- und Verteidigungsbudgets hängen, haben aus unserer Sicht die verlässlichere Ertragsperspektive, während zyklische Exporteure und energieintensive Produzenten nach dem Lagereffekt wieder mit Kosten- und Nachfragedruck kämpfen dürften. Entscheidend wird, ob privater Konsum und Unternehmensinvestitionen anspringen, bevor die staatlichen Impulse nachlassen.

Das größere Marktrisiko sehen wir im vom IWF benannten Tech-Abverkauf, der auch deutsche KI-Zulieferer treffen würde. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, Positionen in staatsnahen Investitionsprofiteuren zu halten und bei hoch bewerteten Technologiewerten die Gewichtung im Blick zu behalten. Ein Nachkauf in zyklischen Exportwerten könnte erst dann interessant werden, wenn sich die Nachfrage jenseits der Lageraufstockung als tragfähig erweist.

Quelle: dpa-AFX

Wenn Du die Märkte im Blick behalten möchtest, bist Du mit unseren kompakten und verlässlichen Updates immer einen Schritt voraus. Im SD Insider Newsletter berichten wir regelmäßig über relevante Nachrichten aus Wirtschaft, Börse und den einzelnen Unternehmen.

Sichere Dir hier Deinen Informationsvorsprung »