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Fortinet-Aktie -30%: Kann man jetzt ein Schnäppchen machen?

Cybersecurity im Ausverkauf

Bei der Fortinet-Aktie ist am Mittwochabend ein großer Teil des Jahresgewinns verloren gegangen. Der Netzwerksicherheitsanbieter hat im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen und seine Jahresprognose angehoben. Trotzdem fiel die Aktie bei Lang & Schwarz bis 22:35 Uhr auf 117,08 €, ein Tagesminus von -30,1%. Im Sog verloren auch Palo Alto Networks, CrowdStrike und Zscaler nachbörslich zwischen 6% und 7%. Damit stellt sich die Frage: Warum bestraft die Börse ein Rekordquartal so hart, und zieht das am heutigen Donnerstag die ganze Cybersecurity-Branche mit nach unten?

Starke Zahlen im Quartal

Im dritten Quartal 2026 stieg der Umsatz von Fortinet um 20% auf 2,08 Milliarden US$. Analysten hatten mit 2,06 Milliarden US$ gerechnet. Beim bereinigten Gewinn je Aktie kam Fortinet auf 0,91 US$, erwartet waren 0,86 US$. Der Produktumsatz legte um 37% auf 765 Millionen US$ zu. Die Billings, also die in Rechnung gestellten Aufträge, stiegen um 29% auf 2,34 Milliarden US$. Mit 38,2% erreichte die bereinigte operative Marge einen Rekordwert für ein drittes Quartal. Der freie Cashflow lag bei 865 Millionen US$, und das Unternehmen stockte sein Aktienrückkaufprogramm um 1,2 Milliarden US$ auf.

Fortinet erwartet für 2026 jetzt einen Umsatz von 8,125 bis 8,215 Milliarden US$ und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 3,54 bis 3,58 US$. Die Spanne für die Billings liegt bei 9,568 bis 9,718 Milliarden US$. Laut Vorstandschef Ken Xie hat Fortinet die Billings-Prognose damit in diesem Jahr zum dritten Mal angehoben.

Das Wachstum verliert Tempo

Der Kurssturz hängt aus meiner Sicht vor allem am Ausblick auf das vierte Quartal. Beim Umsatz plant Fortinet dort in der Mitte der Spanne nur noch mit einem Plus von 15%, bei den Billings mit 20%. Gemessen am dritten Quartal ist das ein spürbarer Rückgang. Auch die bereinigte operative Marge soll mit 35,5% bis 37,5% unter dem Rekordwert bleiben. Dazu kommt: Die Serviceerlöse wuchsen nur um 13% auf 1,31 Milliarden US$, und ihre Jahresprognose wurde um 40 Millionen US$ gesenkt. Das Management führt die Schwäche darauf zurück, dass bei großen Kunden die Hardware schon installiert wird, bevor die zugehörigen Dienste aktiviert und als Umsatz verbucht werden.

Ein zweiter Punkt belastet das Bild. Laut Ken Xie haben Preiserhöhungen etwa 10% zum Umsatz beigetragen, inzwischen hat sich die Preisdynamik jedoch abgeschwächt. Ein Teil des starken Produktwachstums beruht also auf Sondereffekten. Diese Sorge gab es schon vor den Zahlen. Arete hat die Aktie am 21. Oktober von Buy direkt auf Sell gesenkt, mit einem Kursziel von 117 US$. Die Analysten gehen davon aus, dass mehrere Rückenwinde des Jahres 2026 in den Jahren 2027 und 2028 nachlassen. Morgan Stanley stufte zuvor auf Underweight ab, weil das Geschäft mit dem Austausch alter Firewalls kleiner ausfallen könnte als erwartet. JPMorgan bleibt bei Underweight mit einem Kursziel von 140 US$, Truist dagegen bei Buy mit 200 US$.

Bewertung bleibt ambitioniert

Schon vor den Zahlen hatte die Aktie nachgegeben. Am Mittwoch schloss sie im regulären Handel bei 174,08 US$, ein Minus von -5,9%. Nachbörslich wurde sie dann zeitweise um 130 US$ gehandelt. Bis zum 21. Oktober hatte sie seit Jahresbeginn noch rund 116% zugelegt. Gemessen an der Mitte der Gewinnprognose für 2026 ergibt sich bei 130 US$ ein Forward-KGV von rund 36. Vor dem Kurssturz lag es bei etwa 49. Für ein Unternehmen mit Rekordmargen und hohem Cashflow ist das vertretbar. Lässt das Wachstum aber so deutlich nach wie angekündigt, ist die Aktie für mich auch nach dem Absturz kein Schnäppchen.

Die Konkurrenz leidet mit

Neben Palo Alto Networks und CrowdStrike verlor auch Cisco. Die Belastungsfaktoren bei Fortinet sind allerdings weitgehend unternehmensspezifisch und lassen sich nicht ohne Weiteres auf die Wettbewerber übertragen.

Fazit

Aus meiner Sicht ist die Reaktion heftig, aber nicht ohne Grund. Die Börse hatte eine anhaltende Beschleunigung eingepreist. Mit dem Ausblick auf das vierte Quartal ist diese Erwartung vorerst vom Tisch. Entscheidend wird nun sein, ob die verzögerten Serviceerlöse in den kommenden Quartalen tatsächlich nachgeholt werden und ob Fortinet 2027 ohne Rückenwind durch Preiserhöhungen zweistellig wachsen kann. Bleibt beides aus, droht ein schwächerer Firewall-Zyklus das Bild weiter einzutrüben. Solange das offen ist, könnten Anleger die Entwicklung von der Seitenlinie aus beobachten. Für bestehende Aktionäre dürfte die hohe Profitabilität eher gegen einen hektischen Verkauf sprechen. Bei Palo Alto Networks und CrowdStrike halte ich die Verluste für eine Übertragung der Stimmung, die die eigenen Quartalszahlen erst bestätigen müssten.

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