Die Deutsche-Telekom-Aktie erholt sich weiter. Am gestrigen Donnerstag kletterte das Papier im Tagesverlauf um 2,96% auf 26,06 €, nachdem es schon am Mittwoch leicht im Plus aus dem Handel gegangen war. Ein Teil des Kurssturzes, den der Vorstoß von SpaceX in den US-Mobilfunk ausgelöst hatte, ist damit wieder aufgeholt. Auf Monatssicht steht aber weiterhin ein Minus von rund 12% zu Buche. Hält die Gegenbewegung bis zu den Zahlen zum dritten Quartal, oder hat der Markt die Gefahr für T-Mobile US zu schnell abgehakt?
SpaceX greift T-Mobile an
Auslöser war der vereinbarte Kauf eines landesweiten Niedrigband-Spektrums im 800-MHz-Bereich durch SpaceX. Damit will der Raumfahrtkonzern über seine Starlink-Satelliten Smartphones direkt mit Mobilfunk versorgen. Auf Xetra brach die T-Aktie am 9. Oktober um 7,94% auf 24,70 € ein. Mit 16,84 Millionen gehandelten Aktien war der Umsatz ungewöhnlich hoch. Die US-Tochter T-Mobile US verlor seit der Ankündigung am 8. Oktober zeitweise mehr als 11%.
Für die Bonner wiegt das schwer. Die Telekom hält 54% an T-Mobile US, und das US-Geschäft steht für rund zwei Drittel des Konzernumsatzes. Noch ist allerdings nichts entschieden: Die US-Aufsicht FCC muss der Nutzung der Frequenzen für den Mobilfunk erst zustimmen. Zum Kaufpreis und zum Zeitplan hat sich SpaceX bisher nicht geäußert.
Preisdruck als Kernrisiko
Telekom-Chef Timotheus Höttges hat das eigentliche Problem selbst angesprochen. Er warnte vor Partnerschaften, bei denen SpaceX als virtueller Netzbetreiber die Netze bestehender Anbieter mitnutzt. So könnte SpaceX schon in den Markt drängen, bevor ein vollwertiges eigenes Netz steht. Damit würde zusätzlicher Preiswettbewerb drohen. Aus meiner Sicht liegt hier das größere Risiko für die Aktie. Satelliten allein dürften kurzfristig kaum die Kapazität eines terrestrischen Netzes erreichen, ein günstiger Netzzugang aber könnte schnell auf die Tarife durchschlagen.
Bernstein-Analyst Laurent Yoon rechnet wegen des SpaceX-Einstiegs in Breitband und Mobilfunk mit stärkerem Preisdruck. Er hat seine langfristigen Prognosen für die Durchschnittserlöse von T-Mobile US gesenkt und das Kursziel für die US-Tochter auf 180 US$ zurückgenommen. Fallen die Erlöse pro Kunde in den USA, trifft das direkt den wichtigsten Gewinnbringer des Konzerns.
Dagegen stehen eigene Hebel. Mit KI und Automatisierung will die Telekom ihre indirekten jährlichen Kosten bis 2030 im Vergleich zu 2023 um rund 2,5 Milliarden € senken. Außerdem kauft der Konzern weiter eigene Aktien zurück: Seit dem 10. August hat er 25.291.549 Stück erworben. Das stützt den Gewinn je Aktie.
Bewertung wirkt günstig
Für 2026 erwarten Analysten einen Gewinn je Aktie von 2,12 €. Beim aktuellen Kurs von 26,06 € ergibt sich daraus ein KGV von rund 12,3 für das Geschäftsjahr 2026. Auf Basis der Schätzung für 2027 von 2,47 € sinkt der Wert auf etwa 10,6. Für einen Konzern mit wachsendem Gewinn und laufenden Rückkäufen halte ich das für günstig. Die Bewertung spiegelt allerdings auch den Abschlag wider, den der Markt jetzt für das US-Wettbewerbsrisiko verlangt.
AlphaValue/Baader Europe hat die Kaufempfehlung bestätigt, das Kursziel aber leicht von 35,10 € auf 34,90 € gesenkt. Das liegt noch deutlich über dem aktuellen Kurs.
Widerstände über dem Kurs
Charttechnisch hat die Erholung die nächsten Hürden noch vor sich. Bei rund 26,90 € treffen die 20-Tage-Linie und der SuperTrend zusammen. Etwas höher verläuft die 50-Tage-Linie bei rund 27,29 €, die 200-Tage-Linie liegt bei 28,22 €. Nach unten ist die Zone um 24,74 € bis 24,98 € die erste Unterstützung, darunter folgt das Zwei-Jahres-Tief bei 23,53 €. Vom Mehrjahreshoch bei 35,91 € aus dem März 2025 ist die Aktie weit entfernt.
Fazit
Für mich ist die Erholung bisher eine technische Gegenbewegung nach einem überzogenen Abverkauf. Eine Entwarnung sehe ich darin noch nicht. Neue positive Nachrichten gibt es nicht, und die FCC hat noch nicht entschieden. Ich gehe aber davon aus, dass sich ein möglicher Preiskampf erst über Quartale in den Zahlen von T-Mobile US zeigen würde. Bei der aktuellen Bewertung dürfte der Markt einen Teil davon schon eingepreist haben.
Entscheidend wird nun sein, ob die Telekom am 5. November mit den Quartalszahlen ihre Ziele bestätigt und T-Mobile US stabile Durchschnittserlöse meldet. Solange das gelingt und die Aktie über dem Zwei-Jahres-Tief bleibt, könnte es für bestehende Anleger sinnvoll sein, die Aktie zu halten. Ein Neueinstieg könnte erst interessant werden, wenn die Zahlen überzeugen und der Kurs nachhaltig über die 200-Tage-Linie steigt. Mehr Druck dürfte entstehen, wenn SpaceX schnell Netzpartner findet oder die FCC früh zustimmt. Dann wäre aus meiner Sicht auch die niedrige Bewertung kein ausreichender Schutz.
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