Almonty-Aktie -7,7%: Überzeugt der Investorentag heute?
Bei Almonty Industries war die vergangene Woche schwach. Am Donnerstag fiel die Aktie um 7,7% auf 9,05 €, am Freitag gab sie um weitere 2,7% nach. Am heutigen Montag lädt das Unternehmen um 9:00 Uhr Ostküstenzeit zum Investorentag per Webcast. Auf dem Programm stehen ein Überblick über den Wolframmarkt und Neuigkeiten zu den einzelnen Minen. Kurz zuvor ist die Mine Sangdong in Südkorea in den kommerziellen Betrieb gestartet, gleichzeitig hat Oppenheimer das Kursziel gesenkt. Damit stellt sich die Frage: Kann Almonty die Anleger heute davon überzeugen, dass der Produktionsstart den schwächeren Wolframmarkt aufwiegt?
Sangdong liefert bald aus
Laut Unternehmen läuft Sangdong seit dem 13. Oktober im kommerziellen Betrieb. Die erste kommerzielle Verschiffung von Konzentrat ist für den 24. Oktober gebucht. Vorstandschef Lewis Black hatte in seinem Newsletter vom 11. Oktober die erste kommerzielle Wolframlieferung aus Sangdong seit 1993 angekündigt. Er berichtete außerdem über Fortschritte in Ruanda und über die Planung der zweiten Ausbauphase.
Für die Investmentthese von Almonty steht Sangdong im Mittelpunkt. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 498% auf 43,0 Millionen CA$. Diesen Sprung trugen vor allem die hohen Wolframpreise, denn Sangdong war damals noch nicht richtig angelaufen. Mit der Mine kommt nun Menge hinzu. Aus meiner Sicht kommt dieser Rückenwind allerdings genau dann, wenn der Preis nachgibt.
Der Wolframpreis bremst
Die Nachfrage am chinesischen Wolframmarkt ist schwach, und der Preis für Wolframit ist binnen eines Monats deutlich gefallen. Oppenheimer-Analyst Ian Zaffino nahm sein Kursziel am Donnerstag von 25 auf 19 US$ zurück, blieb aber bei seinem Outperform-Votum. Er begründete den Schritt mit gesunkenen Bewertungen in der Vergleichsgruppe. Zudem verwies er auf fallende Preise für Wolfram und Ammoniumparawolframat (APT). Den Wolframpreis bezifferte das Haus auf 2.700 US$ je MTU.
Optimistischer zeigt sich DA Davidson: Das Haus blieb am 12. Oktober bei seinem Kaufvotum und sieht den fairen Wert bei 33 US$. Die Analysten haben die Beiträge von Sangdong zu Umsatz und bereinigtem EBITDA aber auf das vierte Quartal 2026 verschoben. Als Gründe nennen sie den Zeitpunkt der Exportgenehmigung und die Spanne zwischen Verschiffung und Umsatzbuchung. Der Ruanda-Vertrag und das Montana-Projekt fließen nicht in das Modell ein, die Aufbereitung in Los Santos dagegen schon. Der Abstand zwischen 19 und 33 US$ zeigt, wie stark die Prognosen vom künftigen Wolframpreis abhängen.
Bewertung setzt auf 2027
Im Schnitt erwarten Analysten für 2026 einen Gewinn von 0,62 € je Aktie und für 2027 von 1,79 €. Bei einem Kurs von rund 9 € ergibt sich daraus ein KGV von etwa 15 für 2026 und von rund 5 für 2027. Das Jahr 2025 hatte Almonty noch mit einem Verlust von 0,49 € je Aktie abgeschlossen. Der niedrige Wert für 2027 setzt also einen kräftigen Gewinnsprung voraus. Dafür muss Sangdong planmäßig hochlaufen, und die Preise müssen auf einem hohen Niveau bleiben.
Fazit
Für mich hat Almonty operativ geliefert, was angekündigt war. Der Kursrückgang der vergangenen Woche hat die Aktie bereits deutlich günstiger gemacht. Trotzdem halte ich es für zu früh, das niedrige KGV für 2027 als Schnäppchen zu werten. Ich gehe davon aus, dass ein Teil der Schätzungen noch aus einer Phase höherer Wolframpreise stammt. Fallen die Preise weiter, könnten die Gewinnerwartungen sinken und die scheinbar günstige Bewertung würde sich verteuern.
Ob der Produktionsstart den schwächeren Wolframmarkt aufwiegt, kann der Investorentag allein nicht beweisen. Er kann aber Vertrauen schaffen, wenn das Management heute einen belastbaren Zeitplan für den Hochlauf vorlegt und die Finanzierung der zweiten Ausbauphase erklärt. Die erste Lieferung und die Umsatzbuchung im Schlussquartal sind danach die nächsten Prüfsteine. Für bestehende Anleger mit langem Anlagehorizont könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten. Ein Neueinstieg könnte erst interessant werden, wenn sich der Wolframpreis stabilisiert und Sangdong erste Umsätze verbucht. Bis dahin könnten Anleger die Entwicklung von der Seitenlinie aus beobachten.
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