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Infineon-Aktie -11%: Ist das die perfekte Kaufgelegenheit?

Massiver Abverkauf
Es war ein rabenschwarzer Donnerstag für die Infineon-Aktie. Die Aktie des deutschen Halbleiterkonzerns wurde im Sog des amerikanischen Tech-Selloffs mit nach unten gerissen und krachte gestern um -11% in den Keller. Am Freitagmorgen kann sich die Infineon-Aktie leicht um +3% erholen. Schreit sie nach dem gewaltigen Kursverlust nach einem Kauf oder sollten Anleger besser vorsichtig sein?

Zu Recht Angst vor den Demokraten?

Bevor ich eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage gebe, will ich zuerst auf die Gründe für den massiven Abverkauf von Tech-Aktien im Allgemeinen und der Infineon-Aktie im Besondern eingehen. Ich sehe drei Gründe:

Erstens: Nach dem erdrutschartigen Sieg der Demokraten bei den Kongresswahl in den USA ist die Sorge der Börse groß, dass die Demokraten den Technologiekonzernen in Sachen KI die Daumenschrauben anziehen werden. Die bislang mit Mehrheit regierenden Republikaner verfolgten bekanntermaßen einen Laissez-faire-Ansatz in Bezug auf Künstliche Intelligenz und ließen der Technologiebranche mehr oder weniger freie Hand bei der Entwicklung ihrer Modelle und beim Bau von Rechenzentren.

Das könnte sich nun ändern. Viele demokratische Politiker sind der Tech-Branche gegenüber sehr kritisch eingestellt. Sie kritisieren die zu große Nähe der Big Tech-Konzerne zur Politik in Washington, die zu laxen Umweltgesetze und die steigenden Strompreise aufgrund des hohen Energieverbrauchs der Technologiekonzerne.

Manch Führungsfigur unter den Demokraten forderte deshalb bereits ein Moratorium für den Bau von Rechenzentren. Kein Wunder, dass die Tech-Welt bei solchen Forderungen in Aufruhr ist.

Auch für Infineon könnte eine wesentlich stärker demokratisch geprägte Politik in den USA die weitere Geschäftsentwicklung hemmen. Infineon rechnet für 2026 mit einem Umsatz im KI-Bereich (Stromversorgung für KI-Rechenzentren) von rund 1,5 Milliarden €, der im kommenden Jahr auf etwa 2,5 Milliarden € steigen soll. Gemessen an einer Gesamtjahresprognose von rund 16,3 Milliarden € Umsatz für das laufende Jahr entspricht der KI-Umsatz einem Anteil von knapp 10%. Das ist ein überschaubarer Wert, aber KI ist eben das mit Abstand wichtigste Wachstumsfeld für den deutschen Halbleiterkonzern.

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Zwei weitere Belastungsfaktoren

Neben dem primär politisch getriebenen Abverkauf von Technologiewerten gibt es aber auch noch zwei weitere Belastungsfaktoren für die Infineon-Aktie. Der Chipkonzern Qualcomm enttäuschte diese Woche mit seinem Ausblick auf das Smartphone-Chipgeschäft. Auch die Ergebnisse und Aussichten anderer Halbleiterunternehmen blieben zum Teil hinter den Erwartungen zurück.

Der Philadelphia Semiconductor Index verlor am gestrigen Donnerstag über -12%. Das zeigt die Sorge des Marktes, dass der Boom der Halbleiterbranche möglicherweise nicht mehr in derselben Geschwindigkeit weitergeht wie in jüngster Vergangenheit.

Und nicht zuletzt nehmen die Zweifel von Anlegern an der erfolgreichen Monetarisierung von KI-Investitionen massiv zu. An den Märkten wächst die Skepsis, ob sich die astronomischen Summen, die Tech-Riesen in ihre KI-Infrastruktur stecken, kurzfristig rentieren.

Im Rahmen ihrer Quartalszahlen kündigten die Big Tech-Konzerne abermals dreistellige Milliardeninvestitionen in ihre KI-Cloud-Infrastruktur an und deuteten teilweise sogar noch höhere Capex im kommenden Jahr. Selbst die größten Technologieunternehmen der Welt erwirtschaften inzwischen nicht mehr ausreichend operativen Cashflow, um diese Investitionen aus eigener Kasse zu bezahlen.

Wo ist der Halt?

Das Chartbild der Infineon-Aktie hat sich durch den gestrigen Crash massiv eingetrübt. Der Kurs ist auf den tiefsten Stand seit über sechs Monaten gerutscht. Spätestens beim Support bei 43 € sollte die Aktie einen Halt finden.

Eher ein Schnupfen als ein Beinbruch

In meiner letzten Analyse der Infineon-Aktie vor knapp einem Monat habe ich zwei Gründe genannt, weshalb der DAX-Titel einen Kauf wert ist. Diese zwei Gründe haben auch nach dem gestrigen Tech-Ausverkauf noch Bestand: die moderate Bewertung und die geringe Abhängigkeit von KI.

Mit einem Forward-KGV von 18 ist die Infineon-Aktie in meinen Augen keineswegs zu hoch bewertet. Wir sprechen hier schließlich über einen exzellent positionierten Chipkonzern, der 2026 voraussichtlich mit 22% und 2027 mit 17% wachsen wird. Auch bei der Marge dürfte Infineon noch ein wenig Potenzial haben.

Zudem ist die Abhängigkeit von Infineon von der KI-Branche wesentlich geringer als dies bei anderen Halbleiterkonzernen der Fall ist. Wie weiter oben erwähnt, steuert KI in etwa 10% zum Konzernumsatz bei. Der Rest entfällt auf die Automobilindustrie (ca. 50%), Smartphones und Industrielelektronik (ca. 20%), die Energiebranche (ca. 10%) sowie Banken und Smart Home (ca. 10%).

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ℹ️ Infineon in Kürze

  • Infineon (WKN: 623100) gehört zu den führenden internationalen Herstellern von Halbleitern. Die Schwerpunkte dabei liegt bei der Energieeffizienz, der Mobilität sowie der Sicherheit. Die Chips von Infineon finden sich in fast allen Geräten des modernen Lebens.
  • Hauptsitz des Unternehmens ist in Neubiberg bei München, daneben unterhält der Konzern weltweit Niederlassungen.
  • Infineon notiert in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50 und ist aktuell ca. 59 Milliarden € wert.

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Fazit

Ich sehe deshalb überhaupt keinen Grund dafür, die Infineon-Aktie um -10% in den Keller zu schicken. Möglicherweise setzt sich das Wachstum der KI-Chip-Branche in den USA in Zukunft etwas gedämpfter fort, aber das ist für den deutschen Chipkonzern eher ein Schnupfen als ein Beinbruch.

Für mich ergibt sich deshalb aktuell eine gute Kaufgelegenheit für die Infineon-Aktie. Wer sie längerfristig halten will, bekommt sie momentan zu einem attraktiven Kurs.