Amcor: 5,5 Prozent Dividende und ein unterschätzter Kurstreiber
Quartalszahlen bestätigen operative Stärke
Amcor hat im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erneut überzeugt und die Markterwartungen beim bereinigten Gewinn je Aktie und Umsatz übertroffen. Die Integration des übernommenen Berry-Geschäfts schreitet weiter voran, während die geplanten Synergien zunehmend Wirkung zeigen.
Der freie Cashflow lag mit 1,3 Milliarden Dollar rund 200 Millionen Dollar unter der ursprünglichen Prognose. Verantwortlich waren vor allem Veränderungen beim Working Capital durch höhere Bestände und Forderungen im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten sowie gestiegene Integrationskosten. Amcor erwartet allerdings, mehr als 500 Millionen Dollar dieser Belastung zurückzugewinnen, sobald sich das Working Capital normalisiert.
Neuer Ausblick für die Übergangsphase
Ab 2027 wird Amcor sein Geschäftsjahr künftig am 31. Dezember statt am 30. Juni beenden. Für die sechsmonatige Übergangsperiode erwartet der Konzern einen bereinigten verwässerten Gewinn je Aktie von 1,80 bis 1,90 Dollar.
Anschließend soll das Gewinnwachstum wieder zweistellig ausfallen. Für 2027 erwartet Amcor einen Großteil der geplanten Berry-Synergien sowie organisches Volumenwachstum. Mehr als die Hälfte des Portfolios befindet sich inzwischen in Geschäftskategorien, die das Unternehmen als besonders attraktiv einstuft.
Schuldenabbau stärkt Bilanz
Zusätzlichen Spielraum schaffen geplante Portfolioverkäufe. Sechs Geschäftsbereiche sollen für rund 500 Millionen Dollar veräußert werden, fünf Transaktionen sind bereits abgeschlossen. Darüber hinaus wurden weitere Optimierungsmöglichkeiten im Umfang von rund 2,5 Milliarden Dollar identifiziert.
Die Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA lag Ende 2026 bei etwa 3,5. Bis Ende 2027 soll dieser Wert auf rund 3,0 sinken. Ein höherer freier Cashflow und die Erlöse aus Verkäufen sollen den Schuldenabbau unterstützen.
Dividende bleibt starkes Argument
Amcor zahlt weiterhin 0,65 Dollar je Quartal. Daraus ergibt sich eine Dividendenrendite von rund 5,5 Prozent, während gleichzeitig erhebliche Mittel für Aktienrückkäufe, Übernahmen und die Bilanzverbesserung zur Verfügung stehen sollen.
Mehr als 1 Milliarde Dollar soll zudem jährlich in das operative Geschäft reinvestiert werden. Zusammen mit den Berry-Synergien und organischem Wachstum ergibt sich damit die Grundlage für ein erwartetes Gewinnwachstum von rund 10 bis 15 Prozent.
Unsicherheitsfaktor Rohstoffpreise
Allerdings bleibt Amcor von der Entwicklung der Öl- und Kunststoffpreise abhängig. Der jüngste Rückgang der Polyethylenpreise ist positiv, das Preisniveau bleibt jedoch vergleichsweise hoch. Auch die Ölpreisentwicklung und die geopolitische Lage sorgen weiterhin für Unsicherheit.
Ein dauerhaft höheres Zinsniveau kann ebenfalls belasten. Neue Finanzierungen sind teilweise teurer als auslaufende Schulden, wodurch die Zinsaufwendungen steigen. Der geplante Schuldenabbau sollte diesen Effekt jedoch zunehmend abfedern.
Konsum als indirekter Belastungsfaktor
Zwar verkauft Amcor nicht direkt an Verbraucher, ist über Kunden aus den Bereichen Lebensmittel, Getränke, Gastronomie und Haushaltsprodukte jedoch eng mit deren Konsumausgaben verbunden. Eine schwächere Nachfrage kann deshalb auch den Verpackungskonzern treffen.
Gleichzeitig besitzt Amcor einen strukturellen Vorteil gegenüber vielen Markenherstellern. Das Unternehmen kann sowohl etablierte Marken als auch Hersteller von Handelsmarken beliefern und ist dadurch weniger von einzelnen Marken abhängig.
Regulierung könnte zusätzliche Nachfrage schaffen
Neue europäische Vorgaben für Verpackungen und Verpackungsabfälle sowie strengere PFAS-Regeln könnten Amcor langfristig zugutekommen. Der Konzern hat bereits in recyclingfähige Verpackungen und PFAS-freie Lösungen investiert und könnte von der zunehmenden Nachfrage nach entsprechenden Produkten profitieren.
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Bewertung belässt Spielraum noch oben
Für die aktualisierte Discounted-Cashflow-Bewertung wird für 2027 ein freier Cashflow von 2 Milliarden Dollar angenommen. Für 2028 werden 2,15 Milliarden Dollar unterstellt, gefolgt von einem jährlichen Wachstum von 4 Prozent über fünf Jahre und anschließend 3 Prozent für weitere fünf Jahre.
Die ewige Wachstumsrate liegt bei 2,5 Prozent, während ein Diskontierungszinssatz von 11 Prozent für eine angemessene Sicherheitsmarge sorgt. Auf Basis von 464,6 Millionen verwässerten Aktien ergibt sich ein Eigenkapitalwert von rund 26,92 Milliarden Dollar.
Daraus resultiert ein innerer Wert von 57,94 Dollar je Aktie. Beim aktuellen Kurs von rund 46 Dollar besteht damit weiterhin ein deutlicher Abstand zwischen Börsenwert und errechnetem fairen Wert.
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Fazit
Amcor verbindet eine hohe Dividendenrendite mit einer attraktiven Bewertung und zusätzlichen Wachstumsperspektiven durch die Berry-Integration. Trotz makroökonomischer Risiken bleibt das Chancen-Risiko-Verhältnis damit aus heutiger Sicht überzeugend.
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