Die SpaceX-Aktie hat den Freitag an der Nasdaq mit einem Plus von +1,89% bei 147,49 US$ beendet. Am heutigen Montag notiert sie auf Tradegate bei 132,26 € und liegt so 0,4% über dem Schlusskurs vom Freitag von 131,78 €. Am Wochenende hatte Elon Musk bekannt gegeben, dass der Konzern Schulden von mehr als 40 Milliarden US$ für Grafikprozessoren aufgenommen hat. Der Raumfahrtkonzern treibt seinen Umbau zum KI-Infrastrukturanbieter damit deutlich voran. Wie schwer wiegt die neue Schuldenlast für die Aktionäre?
Kredit gegen Chips
Am Sonntag, dem 25. Oktober, teilte Musk auf X mit, dass SpaceX die Fremdfinanzierung für den Kauf von GPUs abgeschlossen hat. Nach seinen Worten handelt es sich vor allem um kündbare Schulden. SpaceX kann sie also vorzeitig zurückzahlen. Die Chips sollen im ersten und zweiten Quartal 2027 eintreffen. Für das laufende Quartal sei das Paket deshalb kein wesentlicher Faktor. Den Zugang zum Kapitalmarkt begründete Musk mit dem Investment-Grade-Rating des Konzerns sowie mit den Erlösen aus Starlink und dem Startgeschäft.
Zuvor war berichtet worden, dass sich das Paket aus rund 10 Milliarden US$ Bankkrediten und 30 Milliarden US$ Investment-Grade-Anleihen zusammensetzen soll. Im Gespräch war außerdem eine Zweckgesellschaft, die die Schulden aus der Bilanz von SpaceX heraushalten könnte. Ob diese Struktur endgültig so umgesetzt wurde, ist offen. Musk hat angekündigt, die Rechenzentren ausschließlich mit Nvidia-Hardware aufzubauen. Gleichzeitig warnte er, dass der Anleihemarkt für Unternehmen ohne nennenswerte Umsätze außerhalb von KI-Rechenzentren weitgehend verschlossen sei. Unter den mehr als 200 sogenannten Neoclouds erwartet er eine deutliche Konsolidierung.
KI-Sparte liefert bereits
Rückenwind für die Finanzierung kommt aus den Zahlen zum dritten Quartal. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 161% auf 14,58 Milliarden US$. Erwartet hatten die Analysten im Schnitt rund 12,7 Milliarden US$. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 4,4 Milliarden US$ nach einem Verlust von 1,1 Milliarden US$ im Vorjahresquartal. Den größten Anteil lieferte mit 7,6 Milliarden US$ das KI-Segment, das nach einem Verlust im Vorquartal profitabel war. Die Konnektivitätssparte mit Starlink steuerte 5,2 Milliarden US$ bei.
Für das erste Quartal 2027 stellt SpaceX einen Umsatz von 33 bis 37 Milliarden US$ in Aussicht. Der Markt hatte rund 22 Milliarden US$ erwartet. Mit den neuen Krediten finanziert SpaceX genau die Rechenkapazität, die hinter diesem Ausblick steht. Allerdings lagen die Investitionen schon im dritten Quartal deutlich über dem Nettogewinn. Für das vierte Quartal hat Finanzchef Bret Johnsen Investitionen von 35 bis 40 Milliarden US$ angekündigt. Ab 2027 dürften Zinsen und Abschreibungen auf die neuen GPUs die Ergebnisrechnung spürbar belasten.
Schulden im Verhältnis
Ende 2025 wies SpaceX langfristige Schulden von 21,97 Milliarden US$ und liquide Mittel von 24,75 Milliarden US$ aus. Das neue Paket ist also fast doppelt so groß wie die gesamten langfristigen Schulden aus dem Vorjahr. Abfedern kann der Konzern das mit dem Erlös aus dem Börsengang im Juni über 75 Milliarden US$. Aus meiner Sicht ist die Kündbarkeit der Kredite ein Vorteil: Wenn die KI-Erlöse wie geplant fließen, könnte SpaceX teure Finanzierungen später ablösen.
Auch politisch bleibt Starlink ein Thema. Musk erklärte, der Dienst sei in der Ukraine wieder voll nutzbar, nachdem Kiew über eine Drosselung geklagt hatte. Im November sind technische Gespräche zwischen Kiew, Moskau und Washington geplant.
Bewertung bleibt sportlich
An der Börse ist SpaceX rund 1,07 Billionen € wert. Bei einem erwarteten Gewinn je Aktie von 0,21 US$ für 2026 ergibt sich ein KGV von rund 700. Bernstein hat das Kursziel von 248 auf 268 US$ angehoben und bestätigt die Einstufung "Outperform". Die Kursziele der Analysten reichen insgesamt von 225 bis 500 US$. Im Schnitt liegen sie bei 255,06 US$. Auf Tradegate notiert die Aktie aktuell rund 32% unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 194,46 €.
Fazit
Ich halte das Kreditpaket für eine kalkulierte Wette, die SpaceX dank Starlink-Erlösen und Börsengeld tragen kann. Problematisch wird die Schuldenlast für mich erst, wenn die Nachfrage nach Rechenleistung nachlässt und Zinsen und Abschreibungen auf nicht ausgelastete GPUs anfallen. Die erwartete Bereinigung unter den Neoclouds zeigt, wie hart der Wettbewerb in diesem Markt ist. Entscheidend wird nun sein, ob SpaceX die Umsatzprognose für das erste Quartal 2027 erreicht, denn die hohe Bewertung lässt kaum Spielraum für Enttäuschungen.
Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten, solange das KI-Segment profitabel wächst und Starlink weiter zulegt. Für einen Neueinstieg sehe ich derzeit wenig Sicherheitsmarge. Anleger könnten die Entwicklung zunächst von der Seitenlinie aus beobachten. Ein Einstieg könnte erst dann interessant werden, wenn die ersten Quartale mit den neuen Chips zeigen, dass die zusätzliche Rechenleistung tatsächlich Gewinn abwirft.
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