Die kanadische Bank RBC hat das Kursziel für die Hannover Rück am Dienstag von 270 auf 280 € angehoben. An der Einstufung "Sector Perform" ändert sich jedoch nichts. Damit stellt sich die Frage: Was ist von einem höheren Kursziel ohne bessere Empfehlung zu halten?
Preisdruck bis 2027
Analyst Ben Cohen begründet seine Branchensicht mit einer Kombination aus starken Branchenerträgen und steigenden Anleiherenditen. Beides dürfte nach seiner Einschätzung bis ins Jahr 2027 hinein die Preisgestaltung in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung belasten. Ausgleichen könnten diesen Effekt höhere Anlageergebnisse, da ein steigendes Zinsniveau die Kapitalanlagen der Rückversicherer stützt.
Für die Branche insgesamt bleibt RBC zurückhaltend. Trotz solider Bilanzen und Kapitalrückflüssen an die Aktionäre dürften sich die Fundamentaldaten angesichts konjunktureller Unsicherheiten und Überkapazitäten weiter verschlechtern. Überkapazitäten sind im Rückversicherungsgeschäft ein zentrales Risiko für die Margen, weil ein reichliches Angebot an Deckungskapazität die erzielbaren Prämien drückt.
Höhere Gewinnschätzungen
Bei Hannover Rück hebt sich das Bild vom Branchentrend ab. Cohen hat für den Rückversicherer die Gewinnprognosen je Aktie für die Jahre 2027 und 2028 angehoben, obwohl er die Fundamentaldaten der Branche schwächer sieht. Das erklärt das höhere Kursziel, ohne dass daraus eine positivere Einstufung folgt.
Für das Geschäft bedeutet das: Die Ertragsqualität hängt künftig stärker vom Kapitalanlageergebnis ab als vom versicherungstechnischen Geschäft. Steigende Anleiherenditen wirken bei Rückversicherern mit Verzögerung, weil auslaufende Papiere nach und nach zu höheren Zinsen wiederangelegt werden. Gleichzeitig schmälert jede Runde sinkender Vertragspreise die Marge im Kerngeschäft.
Fazit
Aus unserer Sicht beschreibt RBC mit "Sector Perform" die Lage treffend. Die angehobenen Gewinnschätzungen zeigen, dass Hannover Rück im Branchenvergleich gut dasteht, doch ein nachgebendes Preisniveau bei gleichzeitigen Überkapazitäten begrenzt die Fantasie nach oben. Entscheidend wird sein, ob die Anlageergebnisse den Preisdruck tatsächlich kompensieren oder ob die Erneuerungsrunden stärker auf die Margen durchschlagen als unterstellt. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten und die kommenden Vertragserneuerungen abzuwarten. Ein Nachkauf könnte erst interessant werden, wenn sich der Preisverfall abschwächt oder die Kapitalanlageerträge klar schneller wachsen, als die Marge im Kerngeschäft nachgibt.
Quelle: dpa-AFX
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