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LVMH-Aktie: Ist sie mit 388 € jetzt ein Schnäppchen?

Luxusriese im Fokus

Die LVMH-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 40% verloren. Nach den Umsatzzahlen zum dritten Quartal vom Montag haben UBS und JPMorgan ihre Kursziele fast gleich stark gesenkt, auf 510 € beziehungsweise 500 €. Bei der Empfehlung kommen die beiden Häuser trotzdem zu unterschiedlichen Ergebnissen. Damit stellt sich die Frage: Welche Sicht auf den Luxuskonzern ist für Anleger überzeugender?

China bremst Louis Vuitton

Am Montag nach Börsenschluss meldete LVMH für das dritte Quartal einen Umsatz von 18,5 Milliarden €. Das entspricht einem organischen Wachstum von 1%. Damit lag der Konzern unter den durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Die Schwäche kommt aus der Sparte Mode und Lederwaren mit Louis Vuitton und Dior, die fast die Hälfte zum Konzernumsatz beiträgt. Dort ging der organische Umsatz um 5% zurück, erwartet worden war nur ein Minus von 1,8%.

Der wichtigste Grund ist China. Dort sanken die Verkäufe zweistellig. Viele chinesische Kunden hatten Louis Vuitton im Juli und August boykottiert. Auslöser war ein gewonnener Markenrechtsstreit gegen den chinesischen Teehersteller Molly Tea. Finanzvorständin Cecile Cabanis sagte, die Folgen ließen sich nur schwer beziffern. Zumindest zu Beginn des Quartals habe der Boykott Louis Vuitton aber geschadet.

Nach Einschätzung von RBC schnitten dagegen die Sparten Weine und Spirituosen sowie Selektiver Einzelhandel überraschend gut ab. Über die ersten neun Monate summierten sich die Erlöse auf 57,1 Milliarden €. Berichtet ging der Umsatz damit um 2% zurück, organisch stieg er um 2%.

An der Börse in Paris gab die Aktie am Dienstag um 1,5% auf 378,65 € nach. Am Mittwoch erholte sie sich etwas und stand im Tagesverlauf mit einem Plus von +1,0% bei 388,00 €. Zum Ziel der UBS fehlen damit noch gut 30%.

Ähnliche Senkung, anderes Urteil

UBS-Analystin Zuzanna Pusz senkte das Kursziel von 525 € auf 510 €, bleibt aber bei „Buy“. Nach ihrer Einschätzung war die Schwäche erwartet worden. Pusz senkte trotzdem ihre Gewinnschätzungen. Sie geht davon aus, dass sich die Margen bis 2030 nur auf das Niveau vor der Corona-Krise erholen. Kurzfristig sieht sie kaum Kurstreiber. Wegen der sehr gedrückten Stimmung, der niedrigeren Erwartungen und der günstigen Bewertung hält sie das Chance-Risiko-Verhältnis aber für überzeugend. Schon am 5. Oktober hatte UBS das Ziel von 645 € auf 525 € gesenkt.

Bei JPMorgan senkte Analystin Chiara Battistini das Kursziel von 525 € auf 500 € und blieb bei „Neutral“. Die Umsatzzahlen entsprachen nach ihrer Einschätzung weitgehend den Erwartungen. Beide Häuser hatten die Schwäche also schon eingerechnet. Unterschiedlich ist vor allem, wie viel Geduld sie bei LVMH für gerechtfertigt halten. Die übrigen Analysten sind ebenfalls uneins: Die Kursziele reichen von 415 € bis 590 €. Die Deutsche Bank bleibt mit 590 € bei „Buy“, die DZ Bank sieht den fairen Wert bei 470 € und rät zum Kauf. RBC bleibt mit 475 € bei „Sector Perform“.

Abschlag zur Konkurrenz

Für 2026 liegt das erwartete KGV bei rund 17,4, für 2027 bei rund 15,9. Die Dividendenrendite beträgt etwa 3,4%, der Börsenwert rund 189 Milliarden €. Im Vergleich zum Median vergleichbarer Luxuswerte wird LVMH mit einem Abschlag von etwa 30% bewertet. Für den weltgrößten Luxuskonzern ist das ein vergleichsweise niedriges Niveau.

Fazit

Aus meiner Sicht passt das neutrale Urteil von JPMorgan derzeit besser zur Lage. Das Argument der UBS über die Bewertung überzeugt mich auf längere Sicht. Bei fallenden Umsätzen im wichtigsten Geschäftsbereich fehlt dem Kurs aber ein Anlass, um wieder zu steigen. Günstig ist die Aktie nur, wenn der Gewinn wieder wächst, und genau das bremst die Margenannahme der UBS. Die niedrige Bewertung bietet kaum Schutz, wenn die Gewinnschätzungen weiter sinken. Hinzu kommen der Krieg im Nahen Osten und die Sorgen vieler Verbraucher über die Lebenshaltungskosten, die die ganze Branche belasten.

Entscheidend wird nun sein, ob der Boykott in China ein einmaliger Effekt im Sommer war. Ebenso wichtig ist, ob Mode und Lederwaren im vierten Quartal wieder zulegen. Für bestehende Aktionäre könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten. Ein großer Teil der schlechten Nachrichten dürfte nach dem Kursrutsch seit Jahresbeginn bereits eingepreist sein. Ein Nachkauf oder Neueinstieg könnte erst interessant werden, wenn die Sparte mit Louis Vuitton und Dior wieder organisch wächst. Bis dahin ist die günstige Bewertung für mich allein kein ausreichender Grund zum Kauf.

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