Die Rheinmetall-Aktie hat sich am Mittwoch spürbar erholt. Mit einem Plus von +2,58% schloss das Papier bei 979,10 €, am Dienstag war es noch bei 953,50 € aus dem Handel gegangen. Damit liegt die Marke von 1.000 € wieder in Reichweite. Seit Jahresbeginn steht trotzdem noch ein Minus von -37,56% zu Buche. Hat die Aktie ihren Boden gefunden, oder ist das nur eine kurze Pause im Abwärtstrend?
Der Abwärtstrend bleibt intakt
Wie tief die Aktie gefallen ist, zeigt der Blick auf die vergangenen zwölf Monate. Das Hoch lag am 19. Januar 2026 bei 1.922 €, das Tief am 7. Oktober 2026 bei 928,20 €. Zum Dreijahreshoch fehlen mehr als 52%, und die 200-Tage-Linie liegt deutlich über dem aktuellen Kurs. Solange das so bleibt, gilt der übergeordnete Abwärtstrend weiter.
Es gibt erste technische Anzeichen für eine Entspannung. RSI und Stochastic RSI haben ihre Signallinien von unten nach oben gekreuzt. Das deutet darauf hin, dass der Verkaufsdruck nachlässt. Für eine belastbare Bodenbildung reicht das allein aber nicht. Dafür müsste die Aktie aus meiner Sicht zuerst das Oktobertief halten und die Marke von 1.000 € zurückerobern.
Berenberg zweifelt am Wachstum
Zusätzliche Skepsis brachte zuletzt eine Herabstufung. Die Privatbank Berenberg stufte Rheinmetall am 9. Oktober von "Buy" auf "Hold" ab und senkte das Kursziel von 1.600 auf 1.020 €. Analyst George McWhirter begründet das mit unsicheren Wachstumsaussichten auf mittlere Sicht. Der Konzern brauche zusätzliche Aufträge, um auch nach 2030 weiter zu wachsen.
Diese Frage halte ich für den wunden Punkt. Für das laufende Jahr erwartet Rheinmetall einen Umsatz von 13,7 bis 14,2 Milliarden € und eine operative Marge von rund 19%. Die Zweifel betreffen also vor allem die Zeit nach 2030. Davon hängt ab, welche Bewertung der Markt dem Konzern zugesteht. Finanziell hat sich Rheinmetall zuletzt mehr Spielraum verschafft und seine Kreditlinie auf 1,5 Milliarden € verdoppelt.
Die meisten Analysten bleiben optimistisch
Mit seiner Skepsis ist Berenberg in der Minderheit. Von 21 Analysten, die die Aktie beobachten, empfiehlt die Mehrheit den Kauf. Das durchschnittliche Kursziel lag am 11. Oktober bei 1.580,33 €. Gemessen am Schlusskurs vom Mittwoch wären das gut 61% Kurspotenzial. RBC bestätigte am 9. Oktober vor den Quartalszahlen sein "Outperform"-Votum mit einem Ziel von 1.600 €.
Günstiger, aber kein Schnäppchen
Bei einem Kurs um 980 € liegt das KGV auf Basis der Gewinnschätzungen für 2026 bei 26,4. Für 2027 sinkt es auf 18,0, für 2028 auf 13,1. Nach dem Kursrutsch ist die Aktie also deutlich günstiger geworden. Wer heute kauft, zahlt aber weiterhin für einen kräftigen Gewinnanstieg in den nächsten Jahren. Ohne neue Großaufträge kommt genau dieser Wachstumspfad unter Druck. Zum 30. Juni 2026 lag die Nettofinanzverschuldung bei 2.722 Millionen €, die Eigenkapitalquote bei 28,0%. Das ist solide, bietet aber keinen besonders großen Puffer.
Fazit
Einen Boden sehe ich in der Erholung vom Mittwoch noch nicht. Die technischen Signale sind ein erster Hinweis, doch das Gesamtbild bestimmt weiter der Abwärtstrend. Die Kursziele zeigen, wie viel die Analysten dem Konzern grundsätzlich zutrauen. Kurzfristig wiegt die Frage nach dem Wachstum nach 2030 für mich aber schwerer.
Entscheidend wird, ob Rheinmetall am 5. November mit den Zahlen zum dritten Quartal überzeugt und neue Großaufträge vorweisen kann. Ein Einstieg könnte wieder interessant werden, wenn die Aktie die Marke von 1.000 € dauerhaft zurückerobert und das Oktobertief hält. Bis dahin könnten Anleger die Entwicklung von der Seitenlinie aus beobachten. Für bestehende Aktionäre spräche die Bewertung auf Sicht von 2027 aus meiner Sicht eher für Halten als für einen Verkauf nach dem Kursrutsch.
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