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US-Inflation 3,7%: Erhöht die Fed jetzt doch die Zinsen?

Zinsangst an Börsen
Redaktion | Wirtschaft

Die US-Inflation hat sich im September stärker beschleunigt als erwartet: Die Verbraucherpreise legten im Jahresvergleich um 3,7% zu, nach 3,4% im August. Analysten hatten im Schnitt nur mit 3,6% gerechnet. Der Euro fiel am Mittwoch bis auf 1,1115 US$ und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2025. Damit stellt sich die Frage: Welche Folgen hat der neue Preisschub für Zinsen und Anleger?

Energie treibt die Preise

Der Anstieg geht vor allem auf Energie zurück. Für Energie mussten die US-Verbraucher im September 20,4% mehr zahlen als ein Jahr zuvor, bei Kraftstoffen lag das Plus bei rund 34%. Noch deutlicher fiel der Sprung beim Heizöl aus, das sich im Jahresvergleich um rund 74% verteuerte. Im Monatsvergleich meldete das Arbeitsministerium einen Preisanstieg um 0,6%.

Damit rückt die Teuerung wieder in Richtung des höchsten Standes seit über drei Jahren, der im Mai infolge des Iran-Kriegs bei 4,2% gelegen hatte. Auch die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel zog an, von 2,4% im August auf 2,6%. Das Inflationsziel der Fed von zwei Prozent bleibt damit außer Reichweite.

Der Zinsdruck wächst

Für die Notenbank erhöht das den Handlungsdruck. Am Devisenmarkt nahm die Spekulation auf eine weitere Zinserhöhung zu, was dem US-Dollar Auftrieb gab und den Euro unter Druck setzte. Die Renditen von US-Anleihen stiegen deutlich an. Analyst Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg verweist auf den erneuten Anstieg der Zapfsäulenpreise im bisherigen Oktoberverlauf und erwartet, dass die US-Inflation in den kommenden Monaten wieder auf eine Jahresrate von über vier Prozent zusteuert.

Eine zweite Lesart kommt von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Er sieht trotz der gestiegenen Kerninflation keine klaren Hinweise auf Zweitrundeneffekte, also ein Übergreifen der hohen Energiepreise auf andere Wirtschaftsbereiche. Die Fed werde gerade deshalb bei ihrem weiteren Zinspfad vorsichtige Worte wählen.

Fazit

Aus unserer Sicht ist die Lage weniger alarmierend, als die Schlagzeile zur Jahresrate nahelegt. Der Preisschub kommt ganz überwiegend aus der Energiekomponente, und die Kernrate deutet bislang nicht auf eine breite Preisspirale hin. Entscheidend wird sein, ob sich die höheren Energiekosten in den kommenden Monaten in die Kernrate fressen. Solange das ausbleibt, dürfte die Fed eher abwartend agieren, statt den Zinspfad spürbar zu verschärfen. Das Hauptrisiko sehen wir in einem weiteren Ölpreisanstieg, der die von Chlench skizzierte Vier-Prozent-Marke realistisch machen und die Renditen zusätzlich treiben würde. Steigende Renditen belasten erfahrungsgemäß vor allem hoch bewertete, zinssensible Titel, während der feste US-Dollar europäische Exporteure mit starkem US-Geschäft bei der Umrechnung begünstigt. Für Anleger könnte es daher sinnvoll sein, zinssensible Positionen vorerst nicht auszubauen und die nächsten Inflationsdaten abzuwarten, bevor größere Umschichtungen erfolgen.

Quelle: dpa-AFX

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