Die PNE-Aktie bricht am heutigen Mittwoch um 18,3% auf 5,80 € ein und fällt damit auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Auslöser ist eine Kappung der Jahresergebnisziele, die den Windparkentwickler ans Ende des SDax befördert. Seit dem Jahreswechsel steht ein Minus von rund 43% zu Buche. Damit stellt sich die Frage: Handelt es sich um eine übertriebene Reaktion oder um den Beginn eines handfesten Finanzierungsproblems?
Projekte verschieben sich
PNE erwartet für das laufende Jahr deutlich weniger Gewinn als bislang geplant. Als Gründe nennt das Unternehmen Verschiebungen einzelner Projekte, ein schwieriges Umfeld und sich verzögernde Verkäufe. Ergebnisbeiträge, die ursprünglich für 2026 vorgesehen waren, sollen nun teilweise erst 2027 anfallen. Zusätzlich will PNE einige Windparks behalten, die eigentlich für den Verkauf vorgesehen waren.
Für das Geschäftsmodell ist das ein doppelter Einschnitt. Projektverkäufe sind bei Entwicklern die zentrale Quelle für Erlöse und Gewinn. Verschieben sie sich, verschiebt sich das Ergebnis mit, und eingesetztes Kapital bleibt länger im Unternehmen, statt in neue Vorhaben zu fließen.
Die Liquidität rückt vor
Philipp Kaiser vom Analysehaus MPCM sieht nun Liquidität und Refinanzierung im Vordergrund. Er verweist auf die per Ende Juni gesunkenen liquiden Mittel und auf die 2027 anstehenden Fälligkeiten. PNE selbst hatte Veräußerungen aus dem eigenen Erzeugungsportfolio als Möglichkeit zur Sicherung der Liquidität genannt.
Genau diese Option wird durch die Entscheidung eingeschränkt, die operativen Windparks im Bestand zu halten, merkt Kaiser an. Im Gegenzug bleiben die wiederkehrenden Erträge aus der Stromerzeugung erhalten. In seinem Bewertungsmodell unterstellt Kaiser die Rückzahlung der 2027er-Fälligkeit ohne Refinanzierung und kündigte an, seine Schätzungen für PNE zu überprüfen.
Der zweite Absturz
Es ist bereits der zweite schwere Kurseinbruch in diesem Jahr. Vom Zwischentief bei 7,22 € Ende März war die Aktie im Sommer bis auf 11,86 € geklettert. Als sich vor rund zwei Monaten abzeichnete, dass sich die Suche nach einem neuen Eigentümer schwierig gestaltet, verlor das Papier binnen zwei Tagen ein Viertel an Wert und bewegte sich anschließend seitwärts.
Fazit
Aus unserer Sicht trifft die Gewinnwarnung PNE an einer empfindlichen Stelle, weil sie mit der ungelösten Eigentümerfrage und den 2027er-Fälligkeiten zusammenfällt. Das Behalten der Windparks sichert laufende Stromerlöse, nimmt dem Unternehmen aber einen Hebel zur kurzfristigen Mittelbeschaffung. Entscheidend wird sein, ob PNE die verschobenen Projektverkäufe im kommenden Jahr realisiert und damit Mittel freisetzt, bevor die Anleihe fällig wird. Solange darüber keine Klarheit besteht, könnte es ratsam sein, von einem Einstieg abzusehen und die Entwicklung von der Seitenlinie aus zu beobachten. Für bestehende Anleger wäre das Erreichen belastbarer Finanzierungszusagen der Punkt, an dem sich die Lage neu bewerten ließe.
Quelle: dpa-AFX
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