Jefferies hat die Swiss-Re-Aktie am Dienstag von "Hold" auf "Underperform" heruntergenommen und das Kursziel von 130 auf 110 Franken gesenkt. Analyst Philip Kett begründet das mit sinkenden Preisen im Rückversicherungsgeschäft, deren Rückgang sich sogar noch beschleunigen dürfte. Damit stellt sich die Frage: Steht der Branche ein Abschwung bevor, den der Markt bislang unterschätzt?
Die Preise geraten unter Druck
Kern der Abstufung ist der Preistrend im Rückversicherungsmarkt. Nach Einschätzung von Jefferies geraten die Preise zunehmend unter Druck, und der Analyst rechnet mit einer Beschleunigung dieser Entwicklung. Entscheidend für Anleger ist dabei die zweite Aussage aus der Neubewertung: Die Markterwartungen würden die negativen Folgen für die Einnahmen von Swiss Re deutlich unterschätzen.
Für ein Rückversicherungsgeschäft sind Preiszyklen der wichtigste Ergebnistreiber. Sinkende Prämienraten schlagen bei gleichbleibender Schadenlast unmittelbar auf die versicherungstechnische Marge durch, und das in der Regel über mehrere Erneuerungsrunden hinweg. Trifft die Prognose von Jefferies zu, wäre nicht nur ein einzelnes Quartal betroffen, sondern auch die Ertragsbasis der kommenden Jahre.
Rückkäufe federn nur ab
Jefferies räumt ein, dass Aktienrückkäufe eine gewisse Unterstützung bieten. Entlastung auf der Kursseite ist aber etwas anderes als eine Verbesserung des operativen Geschäfts. Rückkäufe heben den Gewinn je Aktie an, ohne am Preisdruck im Kerngeschäft etwas zu ändern.
Schwerer wiegt aus unserer Sicht das zweite Argument des Analysten: Die im Vergleich zur Konkurrenz schwächere Erfolgsbilanz von Swiss Re dürfte zunehmend auf die Bewertung drücken. Dieser Nachteil sei in der derzeitigen Bewertung noch nicht ausreichend eingepreist. Das zielt auf den Bewertungsaufschlag, den der Markt dem Konzern bislang zugesteht, und genau dieser Aufschlag steht nach Lesart von Jefferies zur Disposition.
Fazit
Wir sehen in der Abstufung mehr als eine Routineanpassung. Ein Kursziel von 110 Franken bei gleichzeitigem Verweis auf eine zu hohe Bewertung ist ein klares Signal, dass Jefferies das Chance-Risiko-Verhältnis auf dem aktuellen Niveau für unattraktiv hält. Entscheidend dürfte nun sein, ob sich der prognostizierte Preisverfall in den kommenden Erneuerungsrunden tatsächlich beschleunigt. Bleiben die Raten stabiler als von Jefferies unterstellt, verliert das Argument schnell an Gewicht. Für neue Positionen könnte es ratsam sein, zunächst abzuwarten, bis mehr Klarheit über den Preiszyklus herrscht. Wer die Aktie hält, könnte die nächsten Erneuerungsdaten abwarten, bevor über eine Reduzierung entschieden wird, denn das Urteil eines einzelnen Analysehauses ersetzt noch keine Trendwende im operativen Geschäft.
Quelle: dpa-AFX
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