Schaeffler-Aktie -3%: Lohnt der Einstieg nach den Abschreibungen?
Die Schaeffler-Aktie gibt am Dienstag rund 3% nach, nachdem der Zulieferer Sonderabschreibungen auf sein E-Mobilitätsgeschäft angekündigt hat. Damit weitet sich das Minus im laufenden Jahr auf etwa 30% aus. Reichen die bestätigten Jahresziele und der schneller als geplant laufende Sparkurs aus, um den Abwärtstrend zu stoppen?
China drückt die Zahlen
Insgesamt verbucht Schaeffler rund 240 Millionen € an Sonderabschreibungen und Rückstellungen, davon 220 Millionen bereits im dritten Quartal. Auslöser sind anhaltende Volumenreduzierungen bei Projekten europäischer Autohersteller, vor allem in China. Betroffen sind Produktionsanlagen, die wegen der rückläufigen Projekte nicht mehr gebraucht werden, hinzu kommen Portfoliobereinigungen bei spezifischen Thermomanagementsystemen. Das Geschäft mit Komponenten und Modulen in diesem Bereich läuft unverändert weiter.
Am chinesischen E-Auto-Geschäft hält der Konzern fest, das Erreichen der Gewinnschwelle in der Sparte bleibt zentrales Ziel. Die Prognosen für das laufende Jahr sowie die Mittelfristziele bestätigte Schaeffler. Vanessa Jeffriess vom Analysehaus Jefferies verwies in einer Schnelleinschätzung am Dienstag darauf, dass der nun sichtbare Druck wenig überrasche, da sich die Schwäche europäischer Hersteller in China bislang kaum bei den Zulieferern niedergeschlagen habe. Die bestätigte Prognose für 2026 dürfte laut Jefferies für eine gewisse Erleichterung sorgen, zumal die Branche vergangene Woche sensibel auf die gesenkten Jahresziele des französischen Zulieferers OPMobility reagiert hatte.
Margen unter Druck
Operativ zeigt das dritte Quartal ein gemischtes Bild. In der E-Mobilität verringerte sich der Verlust, die bereinigte Ebit-Marge verbesserte sich auf minus 13,1% nach minus 15% im Vorjahr. Im Konzern ging die bereinigte Ebit-Marge dagegen nach vorläufigen Berechnungen um 0,3 Prozentpunkte auf 4,2% zurück, während der Umsatz bei 5,8 Milliarden € stagnierte. Immerhin verbesserte sich der Mittelzufluss.
Für die Gewinnentwicklung der kommenden Jahre ist der Sparkurs der wichtigere Hebel. Von brutto 4.700 abzubauenden Stellen waren bis Ende September bereits 3.715 erreicht, das Ziel dürfte schon Ende 2028 und damit ein Jahr früher als geplant stehen. Die angepeilte Kostensenkung von 290 Millionen € im Jahr 2029 dürfte dadurch um mehr als 20% übertroffen werden. Weil die Einmalaufwendungen geringer ausfielen, löste Schaeffler im dritten Quartal zudem nicht benötigte Umbaurückstellungen von rund 84 Millionen € auf.
Robotik liefert Wachstum
Im Feld Humanoide Robotik setzte sich der positive Trend der Vorquartale fort. Schaeffler gewann im dritten Quartal nach eigenen Angaben zwei neue chinesische Kunden aus der Region Greater China, der Auftragseingang verbesserte sich auf rund 400 Millionen €. Gemessen am Quartalsumsatz bleibt das ein kleiner Posten, zeigt aber, dass der Konzern neben der defizitären E-Mobilität ein weiteres Standbein aufbaut.
Fazit
Wir sehen bei Schaeffler einen Konzern, der seine Hausaufgaben bei den Kosten schneller erledigt als angekündigt, dessen Ertragslage aber weiter von der Nachfrage europäischer Hersteller in China abhängt. Die Abschreibungen bereinigen Altlasten und sollen die Profitabilität der Sparte in den Folgejahren stützen, doch solange die Konzernmarge nicht steigt und der Umsatz nicht wächst, bleibt der Spielraum eng. Entscheidend wird nun sein, ob die E-Mobilität den Weg zur Gewinnschwelle tatsächlich findet und ob die Robotik-Aufträge in nennenswerte Erlöse münden. Nach dem deutlichen Kursverlust seit Jahresbeginn ist viel Skepsis eingepreist, für einen Einstieg fehlt aus unserer Sicht aber noch der Beleg für eine operative Trendwende. Anleger könnten die Entwicklung vorerst von der Seitenlinie aus beobachten, bestehende Positionen könnten angesichts der bestätigten Jahres- und Mittelfristziele gehalten werden.
Quelle: dpa-AFX
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