Heidelberg Materials-Aktie: Sind jetzt wieder 211 € drin?
Die kanadische Bank RBC stuft die Heidelberg-Materials-Aktie von "Sector Perform" auf "Outperform" hoch und senkt gleichzeitig das Kursziel von 217 auf 211 €. Eine bessere Empfehlung bei niedrigerem Ziel wirkt zunächst widersprüchlich. Was sehen die Analysten im Baustoffsektor, das den Optimismus für Heidelberg Materials trägt?
Ein schwieriges drittes Quartal
Analyst Anthony Codling beschreibt das dritte Quartal in einer am Freitag vorliegenden Brancheneinschätzung als schwierig für die Baustoffhersteller. Die Preise hätten Mühe gehabt, mit der Kosteninflation Schritt zu halten. Das trifft die Margen direkt, denn im Geschäft mit Zement, Zuschlagstoffen und Beton entscheidet die Fähigkeit zur Preisüberwälzung darüber, ob steigende Energie- und Materialkosten am Ergebnis hängen bleiben.
Hinzu kommen zwei weitere Belastungen. Die geopolitische Unsicherheit habe die Nachfrage gedrückt und damit die Hoffnungen auf eine Erholung im Wohnungsbau gedämpft. Auch die Wetterverhältnisse hätten das Quartal zusätzlich belastet. Der Wohnungsbau ist für die Branche ein zentraler Absatzmarkt, eine ausbleibende Erholung verschiebt die erwartete Volumenwende nach hinten.
Relative Stärke zählt jetzt
Codling hebt hervor, dass sich einige Unternehmen besser geschlagen hätten als andere. Darin liegt die Logik der Hochstufung: Das Branchenumfeld erklärt das gesenkte Kursziel, die relative Position von Heidelberg Materials innerhalb dieses Umfelds begründet aus Sicht von RBC die bessere Einstufung. Neben CRH und Kingspan zählt der Analyst die Heidelberg-Materials-Aktie zu seinen Top-Werten im Sektor.
Wer bei schwacher Preisdurchsetzung und gedämpfter Nachfrage vergleichsweise stabil bleibt, steht beim Anziehen der Baukonjunktur besser da. Die Kurszielsenkung um knapp 3% fällt dagegen moderat aus.
Fazit
Für uns bleibt die Hochstufung durch RBC vor allem eine Aussage über die relative Qualität innerhalb eines schwachen Sektors und noch kein Beleg für eine Trendwende im Baustoffgeschäft. Entscheidend wird, ob der Konzern die Preissetzung besser durchsetzen kann als die Wettbewerber. Gelingt das, wäre das genannte Kursziel ein realistischer Orientierungspunkt. Bestätigt sich dagegen die beschriebene Margenbelastung, dürfte der Markt die Erholungsfantasie weiter nach hinten schieben. Bestehende Positionen könnten Anleger unseres Erachtens halten, während ein Neueinstieg eher nach den Quartalszahlen in Betracht käme, da das Urteil der Kanadier bislang auf einer Brancheneinschätzung und nicht auf vorliegenden Zahlen des Unternehmens beruht.
Quelle: dpa-AFX
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