OpenAI: Der Börsengang wackelt immer mehr

KI außer Kontrolle?
Erst vor kurzem sorgte OpenAI-Chef Sam Altman mit der Ankündigung für Aufsehen, den Börsengang seines Unternehmens auf kommendes Jahr zu verschieben. Doch nun scheint das IPO von OpenAI immer mehr ins Wanken zu geraten. Grund sind zahlreiche Sicherheitsvorfälle in den letzten Wochen. Was hat es damit auf sich und wie gefährlich sind sie wirklich für den Börsengang?

Immer mehr Sicherheitsvorfälle

Es ist schon eine Meldung wert, wenn OpenAI bekanntgibt, dass es das Training seiner fortschrittlichsten KI-Systeme bis auf Weiteres pausiert. Auslöser dieser ungewöhnlichen Entscheidung ist eine Reiher von Vorfällen, in denen die Künstliche Intelligenz nicht mehr den Vorgaben ihrer menschlichen Schöpfer gehorchte. Sie umgingen gezielt Kontrollmechanismen und zeigten ein unerwartetes Eigenleben.

Der größte Vorfall ereignete sich bereits im Sommer. Dabei verließen mehreren KI-Agenten von OpenAI völlig unvorhergesehen ihre Testumgebungen (Sandboxes) und drangen in die Systeme von Drittanbietern an, wie beispielsweise die Open-Source-Plattform Hugging Face. Was die Entwickler besonders überraschte, war, mit welcher „Intelligenz“ die KI-Agenten dabei vorgingen. Sie etablierten Kommunikationskanäle und bildete Hierarchien, die in den Testszenarien überhaupt nicht vorgesehen waren.

Ein weiterer solcher Misalignment-Vorfall ereignete sich erst vor wenigen Tagen. In einer eigentlich streng abgeschotteten und internetfreien Testumgebung schaffte es ein hochentwickeltes KI-Modell, eine Lücke in den Netzwerkeinstellungen auszunutzen, um eigenständig Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen und Antworten von einem externen Chatbot abzurufen.

Zudem zeigte ein Versuchsmodell bei internen Tests ein problematisches Kontrollverhalten. Es veröffentlichte Zugangsdaten (GitHub-Token), teilte diese absichtlich in Einzelteile auf, um automatische Schutzfilter zu umgehen, und widersetzte sich aktiv den Anweisungen von Forschern, die den Vorgang stoppen wollten.

Hinzu kommt, dass OpenAI-Modelle zuletzt versuchten, ohne Genehmigung auf externe Websites zuzugreifen. Von diesen Angriffen waren unter anderen die Website des US-Bildungsministeriums sowie der Börsenaufsicht SEC betroffen.

Und nicht zuletzt gab OpenAI bekannt, dass seine KI-Agenten über 50 Bilder von ChatGPT-Nutzern auf externen Bildplattformen ohne vorherige Autorisierung hochgeladen haben. Ob es sich dabei um persönliche Fotos oder KI-generierte Bilder handelte, ist bislang noch nicht bekannt.

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Das steht auf dem Spiel

Die Zunahme der Häufigkeit dieser Sicherheitsvorfälle und die Reaktion von OpenAI machen deutlich, dass das Problem offenbar größer ist als gedacht. Mit seiner Sorge vor einem Kontrollverlust steht das Unternehmen übrigens nicht alleine dar. Auch Dario Amodei, der Chef des Wettbewerbers Anthropic, brachte erst kürzlich eine Drosselung der Entwicklungsgeschwindigkeit von KI-Modellen ins Spiel, um die Sicherheitsstandards parallel anpassen zu können.

Der Börsengang von OpenAI wird meiner Überzeugung nach 2027 über die Bühne gehen. Etwas anderes ist aufgrund des nach wie vor gewaltigen Kapitalbedarfs des Tech-Unternehmens fast undenkbar.

Aber die Fragezeichen rund um das KI-Unternehmen werden größer. Investoren werden von OpenAI wissen wollen, wie gefährlich das rasante Entwicklungstempo bereits geworden ist, und wie das Unternehmen Sicherheitspannen in Zukunft ausschließen will.

Dabei geht es schließlich um gewaltige Schadenersatzsummen. Sollten KI-Agenten von OpenAI Daten von Nutzern oder gar Regierungsbehörden stehlen und unbefugt veröffentlichen, könnte sogar die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel stehen.

Die Bewertung wird wackeln

Auf dem Spiel steht übrigens auch die IPO-Bewertung der OpenAI-Aktie. Bei der letzten Finanzierungsrunde des KI-Entwicklers wurde das Unternehmen mit rund 850 Milliarden US$ bewertet. Es ist bekannt, dass Sam Altman sein Unternehmen wohl nicht unter einer Bewertung von weniger als 1 Billion US$ an die Börse bringen wird.

Aber diese Bewertung dürfte angesichts der zunehmenden Sicherheitsbedenken immer unrealistischer werden. Selbst wenn der Business Plan von OpenAI Anlegern das Blaue vom Himmel versprechen wird (was er wahrscheinlich auch tut), werden viele von ihnen einen Sicherheitsabschlag vornehmen.

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ℹ️ OpenAI in Kürze

  • OpenAI ist ein Ende 2015 gegründetes gemeinnütziges Forschungslabor in San Francisco, das sich in Rekordzeit zu einem kommerziellen Technologiegiganten entwickelt hat.
  • Mit der Veröffentlichung des KI-Modells ChatGPT Ende 2022 sorgte OpenAI für ein technologisches Erdbeben.
  • ChatGPT ist mit über 900 Millionen wöchentlich aktiven Nutzern eines der meistgenutzten KI-Modelle der Welt.
  • OpenAI entwickelt sich zunehmend zu einem Ökosystem für multimodale KI und autonome Agenten.
  • Wichtigster strategischer Partner und Investor ist Microsoft, das die Cloud-Infrastruktur für das Unternehmen bereitstellt. Zu den weiteren prominenten Großinvestoren gehören Amazon, Nvidia SoftBank und Thrive Capital.

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Fazit

Vor diesem Hintergrund muss ich den Titel meines Artikels ein wenig korrigieren: Der Börsengang wackelt meiner Meinung nach nicht, aber die Bewertung.

OpenAI wird sich in den kommenden Monaten sehr anstrengen müssen, die aktuellen Sicherheitsbedenken vom Tisch zu bekommen. Ansonsten könnten sie den Billionentraum von Sam Altman sehr schnell vom Tisch wischen.