Deutsche Telekom

Deutsche-Telekom-Aktie: 50 neue Shops – reicht das für 40 €?

Filialen im Fokus
Vincent Uhr
Während Wettbewerber ihre Filialnetze verkleinern, geht die Deutsche Telekom in die entgegengesetzte Richtung. Für 2027 plant der Konzern 50 zusätzliche Shop-in-Shop- und Pop-up-Formate. Dahinter steckt mehr als Kundenservice: Die Telekom muss ihre milliardenschweren Glasfaserinvestitionen endlich schneller in zahlende Kunden verwandeln. Gelingt das, wären auch die Kursziele von bis zu 40 € fundamental nicht unrealistisch.

Nur jeder sechste Haushalt greift zu

Ende Juni konnten 13,6 Millionen Haushalte und Unternehmen einen Glasfaseranschluss der Telekom buchen. Die Zahl der deutschen Breitbandkunden stagnierte jedoch bei rund 15,1 Millionen.

Noch deutlicher wird das Problem bei den aktiven Glasfaseranschlüssen. Ende März nutzten lediglich rund 2,2 Millionen Kunden einen FTTH-Anschluss der Telekom. Gemessen an den damals 13 Millionen erreichbaren Haushalten entsprach das einer Quote von nur 17,1%. Fünf von sechs potenziellen Kunden entschieden sich somit noch nicht für das neue Netz.

Für die Telekom ist diese Lücke entscheidend. Die Leitungen verursachen hohe Baukosten, verdienen aber erst Geld, wenn Haushalte tatsächlich einen Tarif buchen. Für 2026 hat sich der Konzern deshalb 750.000 zusätzliche FTTH-Kunden vorgenommen. Ab 2027 sollen jährlich rund 1 Million hinzukommen.

Tipp: Für alle, die sich fragen, welche KI-Unternehmen das Zeug zum Branchen-Primus haben, liefert unser Report „KI-Gewinner 2026“ wertvolle Einblicke in die Top-Aktien von morgen.

Kleine Shops statt teurer Filialen

Die 50 neuen Standorte sollen kleiner, flexibler und kostengünstiger sein als klassische Telekom-Shops. Vorgesehen sind unter anderem Shop-in-Shop-Lösungen bei Handelspartnern und vorübergehende Pop-up-Flächen. Dadurch kann der Konzern auch Regionen bedienen, in denen sich eine vollwertige Filiale nicht rechnen würde.

Dort lassen sich Mobilfunk, Glasfaser und MagentaTV gemeinsam verkaufen. Gerade beim Glasfaseranschluss besteht häufig zusätzlicher Beratungsbedarf, weil Eigentümerzustimmungen, Hausverkabelung und Tarifwechsel geklärt werden müssen.

Ein erstes Shop-in-Shop-System wurde im August in Coesfeld eröffnet. Nach Angaben der Telekom entwickeln sich Abschlussquote und Kundenzufriedenheit bislang positiv. Konkrete Kennzahlen nennt der Konzern allerdings noch nicht. Die neuen Formate bleiben daher zunächst ein kontrollierter Vertriebstest.

Das Deutschland-Geschäft wächst

Operativ ist die Ausgangslage solide. Der Umsatz im deutschen Geschäft erhöhte sich im zweiten Quartal um 3,5% auf 6,51 Milliarden €. Besonders stark entwickelte sich das Privatkundengeschäft mit einem Plus von 6,4%.

Das bereinigte EBITDA AL stieg um 2,6% auf 2,67 Milliarden €. Die entsprechende Marge ging allerdings leicht von 41,4 auf 41,1% zurück. Zusätzliche Shops dürfen deshalb nicht nur Kunden gewinnen, sondern müssen sich auch kostenseitig rechnen.

Konzernweit erwartet die Telekom 2026 weiterhin ein bereinigtes EBITDA AL von rund 47,5 Milliarden € und einen freien Cashflow AL von etwa 20 Milliarden €. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll ungefähr 2,20 € erreichen.

Bewertung bietet Luft bis 40 €

Bei einem Aktienkurs von rund 27 € entspricht das einem erwarteten KGV von etwa 12. Der Analystenkonsens rechnet für 2026 inzwischen sogar mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 2,26 € und einer Dividende von 1,12 €. Daraus ergäbe sich eine Dividendenrendite von gut 4,1%. Für 2027 werden bereits 1,25 € je Aktie erwartet.

Die offiziellen Analystenziele reichen von 28,10 bis 43 €. Die Deutsche Bank sieht den fairen Wert bei 40 €, UBS bei 36,20 € und Berenberg bei 35,20 €. Der Durchschnitt der veröffentlichten Ziele liegt bei knapp 37 € und damit rund 36% über dem aktuellen Kurs.

ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze

  • Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
  • Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
  • Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 130 Milliarden €.

DEUTSCHE TELEKOM kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über DEUTSCHE TELEKOM und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

DEUTSCHE TELEKOM weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Vincent Uhr

Fazit

50 neue Shopformate allein bewegen den Konzerngewinn kaum. Sie adressieren jedoch das zentrale Problem des deutschen Glasfaserausbaus: zu wenige zahlende Kunden auf bereits gebauten Netzen. Mit einem KGV von rund 12, mehr als 4% erwarteter Dividendenrendite und steigenden Cashflows halte ich die Deutsche-Telekom-Aktie auf dem aktuellen Niveau für attraktiv.