Evotec-Aktie: Der Turnaround bekommt neue Nahrung
Das Management sieht erste Fortschritte
Für etwas Rückenwind sorgten zuletzt Aussagen von Finanzchefin Claire Hinshelwood auf einer Investorenkonferenz. Sie erklärte, dass sich die geschäftlichen Indikatoren wieder in die richtige Richtung bewegen und sich das später auch in den Umsätzen zeigen sollte. Gleichzeitig laufe das Sparprogramm „Horizon“ nach Plan und die Pipeline möglicher neuer Geschäftsabschlüsse sei gut gefüllt. Die Aktie sprang daraufhin zeitweise bis auf 3,10 € und setzte sich an die Spitze des SDAX.
Solche Aussagen kommen nach dem schwachen ersten Halbjahr nicht ungelegen. Der Umsatz fiel in den ersten sechs Monaten um 19,2% auf 300,1 Millionen €. Beim bereinigten EBITDA stand ein Verlust von 42,7 Millionen €, nach lediglich 1,9 Millionen € Minus im Vorjahr. Noch härter traf Anleger die neue Jahresprognose. Evotec erwartet 2026 nur noch 570 bis 610 Millionen € Umsatz und ein bereinigtes EBITDA zwischen minus 70 und minus 105 Millionen €. Zuvor waren noch 700 bis 780 Millionen € Umsatz und ein positives EBITDA von bis zu 40 Millionen € eingeplant.
Beim laufenden Geschäft gibt es aber auch bessere Signale. Die Nettoverkäufe im D&PD-Basisgeschäft ohne strategische Partnerschaften legten im ersten Halbjahr um rund 28% zu. Gleichzeitig arbeitet Evotec daran, die jährliche Kostenbasis bis Ende 2027 um 75 Millionen € zu drücken. Für 2026 sollen bereits 20 bis 30% dieser Einsparungen erreicht werden.
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Neue Projekte bringen wieder etwas Bewegung rein
Anfang September meldete Evotec eine neue Zusammenarbeit mit Plectonic Biotech. Beide Unternehmen wollen neue Immuntherapie-Ansätze gegen solide Tumoren erforschen. Dafür wird Evotecs eigene BiTco-Plattform mit der LOGIBODY-Technologie von Plectonic kombiniert. Ziel ist zunächst, präklinische Daten zu sammeln und zu prüfen, ob sich T-Zellen gezielter gegen Tumorzellen aktivieren lassen.
Nur wenige Tage später folgte die nächste Meldung. Just – Evotec Biologics hat JST-018 in eine Phase-I-Studie gebracht. Dabei handelt es sich um einen Antikörper-Cocktail gegen Orthopoxviren, zu denen auch die Erreger der Pocken gehören. Das Programm wurde im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium entwickelt. Evotec übernimmt dabei unter anderem die Prozessentwicklung, regulatorische Arbeiten und die Herstellung des klinischen Materials am J.POD-Standort in Redmond.
Für Evotec sind solche Projekte auch deshalb wichtig, weil die gekürzte Prognose im Sommer hauptsächlich auf schwächere Beiträge aus strategischen Partnerschaften und geringere Meilensteinzahlungen zurückging. Diese Umsätze bringen normalerweise hohe Margen mit. Kommen in den nächsten Quartalen wieder mehr Abschlüsse zustande, könnte das beim Ergebnis entsprechend schnell etwas ausmachen.
Bei den Analysten gehen die Meinungen weit auseinander
Die Kursziele zeigen ziemlich gut, wie schwer Evotec aktuell einzuschätzen ist. RBC bleibt mit „Outperform“ und einem Kursziel von 10 € sehr optimistisch. Die Deutsche Bank sieht dagegen nur 3,50 € und bleibt bei „Hold“. Berenberg liegt mit 3,60 € ebenfalls kaum über dem aktuellen Kurs. TD Cowen nennt 4 €, BNP Paribas 3,50 €. Das durchschnittliche Kursziel der von Evotec aufgeführten Analysten liegt bei 4,26 €.
Die Aktie selbst schloss am 22. September bei rund 2,83 €. Damit ist ein großer Teil der früheren Erwartungen längst aus dem Kurs verschwunden. RBC setzt offenbar darauf, dass der laufende Umbau und das langfristige Potenzial der Plattform stärker durchschlagen. Berenberg und Deutsche Bank bleiben nach der Prognosesenkung deutlich vorsichtiger. Damit liegen zwischen den einzelnen Kurszielen Welten, was bei Evotec auch zur weiterhin hohen Unsicherheit passt.
ℹ️ Evotec in Kürze
- Evotec (WKN: 566480) mit Sitz in Hamburg ist ein international tätiges Unternehmen im Bereich der pharmazeutischen Wirkstoffforschung.
- In Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften mit Biotech-Unternehmen und Pharmakonzernen weltweit erforscht und entwickelt Evotec Wirkstoffkandidaten für Therapieansätze in verschiedensten medizinischen Richtungen.
- Evotec ist Mitglied im TecDAX und knapp 498 Millionen € wert.
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Fazit
Bei Evotec gibt es nach dem heftigen Rückschlag im Sommer zumindest wieder erste bessere Signale. Das Basisgeschäft zieht an, Horizon läuft laut Management nach Plan und mit Plectonic sowie dem Antikörper-Programm für das US-Verteidigungsministerium kamen zuletzt neue Meldungen aus der Pipeline. Die schwachen Halbjahreszahlen und die drastisch gekürzte Prognose lassen sich damit aber nicht einfach wegwischen. Evotec muss in den kommenden Quartalen zeigen, dass aus der gut gefüllten Deal-Pipeline auch wirklich neue Umsätze und Meilensteinzahlungen entstehen. Genügend finanzielle Luft ist zunächst vorhanden. Ende Juni lagen die liquiden Mittel bei 465,6 Millionen €. Der nächste größere Einblick kommt am 5. November mit den Zahlen für die ersten neun Monate. Dann dürfte sich besser erkennen lassen, ob die Aussagen des Managements schon in den Zahlen ankommen.